Der Countdown läuft: Fotoprobe für „Carmen“

In vier Tagen ist es so weit: Die 72. Bregenzer Festspiele werden eröffnet. Die Proben der Hauptproduktionen am See und im Haus laufen auf Hochtouren. Am Freitag fand auf der Seebühne für die Oper „Carmen“ die Fotoprobe mit Orchester und in Kostüm und Maske statt.

Die Stimmung bei den Festspielen ist freudig angespannt: Immerhin sind schon über 90 Prozent der 200.000 Karten für das Spiel auf dem See verkauft, wo heuer „Carmen“ gezeigt wird. Das Team rund um Regisseur Kasper Holten arbeitet seit Wochen an der Umsetzung der Oper von Georges Bizet.

Einsamkeit als Schlüssel zu „Carmen“

Der Opernstoff ist ernst, das Schicksal Carmens ist vorgezeichnet. Die 59 überdimensionalen Spielkarten auf der Seebühne symbolisieren den Schicksalsmoment, in dem Carmen durch Kartenlegen ihre Zukunft vorhersehen will. Kasper Holten sieht die größte Herausforderung der Inszenierung darin, nicht in den „Carmen“-Klischees stecken zu bleiben. Er möchte Carmen als Mensch darstellen, „ein Mensch, der eine Kindheit hat und eine Last mit sich herumträgt“, wie er sagt.

Für Holten ist die Einsamkeit der Schlüssel zur Oper: Es gehe in dem Stück um zwei Außenseiter, José und Carmen, „die sich beide alleine fühlen, die sich brauchen, aber auch nicht miteinander leben können, weil sie beide so mit sich selbst kämpfen“. Für ihn sei das Stück auch ein Stück über zwei Menschen, Carmen und José. Auch José kämpfe mit dem Zwiespalt des eigenen Willens und dem Gerechtwerden der Erwartungen anderer.

„Carmen ist das Symbol der Freiheit“

Die Femme fatale Carmen ist begehrt und fasziniert Soldaten und Arbeiter gleichermaßen. Und sie genießt es, mit den Gefühlen Don Josés zu spielen. Denn der Stierkämpfer Escamillo hat längst ihr Herz erobert. Am Ende bleibt Carmen aber lieber einsam, um ihre Freiheit nicht aufgeben zu müssen.

Die französische Mezzosopranistin Gaëlle Arquez wird die Rolle der Carmen bei der Premiere ausfüllen. Der Reiz dieser Rolle liegt für sie in der Mischung zwischen Schauspiel und Gesang. „Carmen ist das Symbol der Freiheit“, so Arquez, „sie steht für ein eigenes Lebenskonzept und für Individualität und Redefreiheit und für die Freiheit der Frauen. Gerade heuzutage ist es wichtig, dieser Figur neue Kraft zu geben.“

Videos transportieren Ort des Geschehens

Die Spielkarten, die sich in Videoprojektionen verwandeln, setzt Holten wie die Kostüme und Requisiten als Teil der Geschichte ein. Die Videos transportieren aber auch den jeweiligen Ort des Geschehens im Spanien der 1920er und 30er Jahre.

Fotoprobe für die Oper „Carmen"
Im "Vorarlberg heute“-Beitrag sehen Sie Regisseur Kasper Holten und Mezzosopranistin Gaëlle Arquez im Interview.

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