Jubiläums-Rückblick: 125 Jahre Rheinregulierung

Das Hochwasser am Rhein hat seit Jahrhunderten immer wieder für Überschwemmungen und Zerstörungen gesorgt. Vor genau 125 Jahren hat man begonnen, den Rhein in die Schranken zu weisen. Eine Geschichte, die keineswegs abgeschlossen ist.

Es war im Juli 1987, als der Rhein nicht nur über die Ufer trat, sondern ein Damm in der Nähe der Mündung brach und das Wasser unkontrolliert in Richtung Fußacher Bucht strömte. Für den damaligen Rheinbauleiter Uwe Bergmeister war das ein denkwürdiges Ereignis: „Das hat gezeigt, mit welcher Gewalt Wasser strömen kann. Wenn man diese Wassermassen damals unter der Brücke zwischen Hard und Fußach gesehen hat, dann hat man auch gesehen, wie hilflos wir Menschen in einer solchen Situation sind.“

Geschichte der Rheinregulierung

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Hochwasser Juli 1987

Zusammenarbeit mit der Schweiz: Höhen und Tiefen

Der Dammbruch sollte zum Glück der dramatische Höhepunkt in der Amtszeit von Uwe Bergmeister bleiben. Probleme gab es aber auch danach genügend zu lösen - und das nach Möglichkeit gemeinsam mit dem Schweizer Partner. Das habe gut funktioniert, bestätigt auch Bergmeisters Schweizer Amtskollege Leo Kalt. Von solcher Harmonie war man im 19. Jahrhundert noch weit entfernt - damals schob man sich mit Hilfe sogenannter Schupfwuhren das Wasser gegenseitig zu. Dabei wurde ein Wehr schräg ins Flussbett gestellt, so dass das Wasser auf die andere Seite „geschupft“ wurde.

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Hochwasser Juli 1987

Schweiz wollte Rheingrenze durchziehen

In den Verhandlungen um die Rheinkorrektion ging es unter anderem darum, ob der Rhein Grenze bleiben und damit Höchst, Fußach und Gaißau zur Schweiz kommen sollten. Uwe Bergmeister, auch Gründungsmitglied des Vereins „Rhein-Schauen“, erinnert daran, dass die Menschen im Vorarlberger Rheindelta damit überhaupt nicht einverstanden waren. „Die hatten überhaupt kein Interesse daran, an die Schweiz angegliedert zu werden“, erzählt Bergmeister.

Verlandete Buchten: Neuer Staatsvertrag

Schließlich einigte man sich auf ein Vertragswerk, das zunächst den Durchstich bei Fußach vorsah, mit dem hunderte Arbeiter fünf Jahre lang beschäftigt waren. 1905 war der Durchstich vollendet, doch schon bald stellte sich heraus, dass dadurch die Harder und die Fußacher Bucht verlandeten. Ein neuer Staatsvertrag sah die Vorstreckung des Rheins in den See vor - und die ist mittlerweile so gut wie vollendet.

Ausstellung zum Jubiläum komplett erneuert

Wie es unter Wasser an der Mündung aussieht, kann man in der neuen Ausstellung im Museum „Rhein-Schauen“ in Lustenau sehen, - am Beispiel eines Computermodells, das auf den neuesten Messungen beruht. Die Ausstellung wurde anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums der Rheinregulierung komplett erneuert.

Geschichte der Rheinregulierung

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Die neue Ausstellung in Lustenau

Weitere Modelle sowie Fotos, Dokumente und historische Objekte geben Einblicke in eine Geschichte, die vielfältige Aspekte hat.

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Die neue Ausstellung in Lustenau

„Baustelle wird nie endgültig sein“

Ein Themenkomplex, der auch nach 125 Jahren noch nicht abgeschlossen ist. „Endgültig wird diese Baustelle nie sein“, sagt Uwe Bergmeister. Zumal mit dem Projekt Rhesi gerade eine neue Phase beginnt, mit der die Anrainer des Alpenrheins wieder Jahrzehnte lang beschäftigt sein werden. Ziel des Projekts ist die Verbesserung des Hochwasserschutzes - die Abflusskapazität des Rheins soll über die gesamte Länge der internationalen Strecke ausgebaut und auf den Oberlauf abgestimmt werden.

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So soll der Rhein künftig gemäß dem Rhesi-Projekt aussehen.

Rheinbähnle startet wieder in Saison

Die neue Ausstellung im Museum „Rhein-Schauen“ wird am Sonntag (30.4.) eröffnet. Dann starten auch wieder die Fahrten mit dem Rhein-Bähnle an die Rheinmündung.

Im Beitrag von Markus Barnay sehen Sie Uwe Bergmeister (Rheinbauleiter Österreich 1984-2006), Leo Kalt (Ehem. Rheinbauleiter Schweiz)und Alain Rappaport (Ausstellungsdesigner).

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