Fachkräftemangel weiterhin ein Problem

Die Wirtschaftskammer zeigt sich mit der aktuellen Geschäftslage der Vorarlberger Industrie zufrieden. Die Konjunkturumfrage zeige ein stabiles Bild. Herausforderung sei der Fachkräftemangel, Sorgenkind die politische Situation.

An der aktuellen Umfrage der Sparte Industrie in der Vorarlberger Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung für das erste Quartal 2017 haben sich 45 Unternehmen mit insgesamt knapp 23.850 Beschäftigten beteiligt.

60 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2017 mit gut, für ein Prozent ist sie derzeit schlecht. Die Erwartungen für das nächste halbe Jahr sind großteils positiv. 21 Prozent erwarten eine günstigere Geschäftslage in sechs Monaten. Kein befragtes Unternehmen geht von einer Verschlechterung aus.

Sinkende Verkaufspreise erwartet

Stark unter Druck sind laut Umfrage die Verkaufspreise. Während nur 16 Prozent der Unternehmen mit ansteigenden Verkaufspreisen rechnen, erwarten 35 Prozent ein weiteres Absinken.

34 Prozent der Unternehmen wollen ihren Mitarbeiterstand in den nächsten drei Monaten erhöhen, von 64 Prozent soll er immerhin gehalten werden. Sorgen bereitet der Fachkräftemangel.

Kritik an der Schulbildung

Die gute Geschäftslage mache es den Betrieben möglich, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, wenn sie zu bekommen seien, so Michael Amann, Spartengeschäftsführer der Vorarlberger Industrie. Aktuelle Bildungsergebnisse im Land würden zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen an den Schulen zu wenig greifen und vielfach grundlegende Kompetenzen fehlen würden.

Die Vorarlberger Industrie werde daher weiterhin aktiv mit eigenen Initiativen, vor allem im Bereich der Lehrlingsausbildung und der HTLs, dem Fachkräftemangel entgegenwirken, so Amann.

Globale Unsicherheiten als Herausforderung

Der Fachkräftemangel und die starken Schwankungen der Rohstoffpreise seien die zunehmenden Herausforderungen, die wahren Sorgenkinder hingegen sei die politische Entwicklung in Europa und weltweit, so Amann.

Globale Unsicherheiten, die Flüchtlings- und Migrationsfrage, anstehende Wahlen oder der Brexit würden die Europäer verunsichern, so Amann. Die Lage mache es ein exportorientiertes Land wie Vorarlberg nicht leichter, erfolgreich zu sein.

Ein Plädoyer für die Europäische Union

Gefragt sei daher ein starkes Europa, so Amann. Europas Unternehmen und Bürger hätten zweifellos von der Europäischen Union stark profitiert. Die Einbindung in den Binnenmarkt sei die Grundlage für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs.

Eine starke und funktionierende EU sei daher im ureigenen Interesse der Vorarlberger Wirtschaft und mit Blick auf die Entwicklung des Wohlstands auch alternativlos, betont Amann. Es müsse alles getan werden, um einen Rückfall in „überholte Nationalismen und eine Politik der wirtschaftlichen Abschottung zu verhindern“.