In Vorarlberg fehlen Sexualbegleiter

In Vorarlberg fehlt laut Experten eine Sexualbegleitung für Menschen mit Behinderung. Um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, werden Reisen in die Schweiz organisiert. Eine reine Notlösung sagen die Betreuer.

Definition Sexualassistenz

Die Sexualbegleitung ist definiert als eine Form aktiver Sexualassistenz, bei der es um Körpergefühl, Nähe, Zärtlichkeit und verschiedene Form sexueller Interaktion geht. Hierbei richtet sich die Sexualbegleitung an Menschen mit Beeinträchtigungen. Dies können körperliche aber auch seelische Behinderungen sein.

Sex mit Behinderung sei ein unangenehmes Thema, das gerne bewusst ignoriert werde - aber immens wichtig sei, sagt Reinhard Zischg vom Verein Reiz. Denn Sex ist auch bei Menschen mit Einschränkungen sehr präsent. Es gebe immer wieder Anfragen von Menschen mit Behinderung, die Dienste einer Sexualbegleiterin oder Prostituierten gerne in Anspruch nehmen würden, sagt Zischg.

Sittenpolizeigesetz lässt es nicht zu

Während es in Holland, Deutschland oder der Schweiz bereits Sexualassistenten gibt, hinke Vorarlberg hier klar nach. Das Sittenpolizeigesetz lasse es nicht zu, erklärt Zischg. „Wir brauchen zuerst ein Gesetz, das Prostitution grundsätzlich als Sexarbeit erlaubt“. Dadurch bekäme der Beruf auch eine Legitimation. Derzeit werden die Betroffenen in die Schweiz geschickt, um dort derartige Möglichkeiten zu nutzen. Eine Übergangslösung, die laut Zischg auf Dauer nicht reicht.

Sexualassistenz notwendig?

Die Sexualassistenz für Menschen mit Behinderungen kommt für die Vorarlberger Politiker nicht in Frage. Dabei wäre sie dringend notwendig, sagen Sexualtherapeuten.

Täglich mit dem Thema Sex konfrontiert

Dass Sex eines der Hauptthemen bei Menschen mit Beeinträchtigungen ist, das weiß auch Anita Sailer, Sexualpädaogigen bei der Lebenshilfe. Täglich seien sie damit in den Werkstätten oder in den Wohnheimen konfrontiert. Oft stecke jedoch viel mehr dahinter als der reine körperliche Sex, sagt Sailer. Oft gehe es nur um Initimität, Berührung und Händchen halten, sagt Sailer.

Finanzielle Unterstützung in Deutschland gefordert

In Deutschland geht man einen Schritt weiter: Die Grünen fordern die staatliche Finanzierung einer Sexualassistenz für Pflegebedürftige, körperlich oder geistig Beeinträchtigte. In Vorarlberg hält man nichts davon. Allein schon der gesetzliche Rahmen würde fehlen, sagt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. Auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) sieht dafür keine Veranlassung. Sexuelle Intimität müsse den Betroffen jedoch ermöglicht werden, beispielsweise in Pflegeheimen.

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