Hochwasserschutz: Blauzone beschlossen

Um Schäden durch Hochwasser vorzubeugen, hat die Vorarlberger Landesregierung den „Landesraumplan Blauzone Rheintal“ beschlossen. Damit sollen 55 Quadratkilometer an Retentionsflächen langfristig raumplanerisch gesichert werden.

Vorarlbergs Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren sehr unter Hochwasser-Katastrophen gelitten. Es gab enorme Schäden, aber auch enorme Anstrengungen, sich gegen neue Wasserfluten zu wappnen. So sind seit dem August-Hochwasser des Jahres 2005 im Land 260 Millionen Euro investiert worden.

Blauzone

Land Vorarlberg

Die Blauzone im Rheintal (PDF)

Gezeigt haben die Hochwasserereignisse der vergangenen 15 Jahre, dass die Flüsse wenig Raum für ihre natürliche Dynamik und den Abfluss nach einem Hochwasser haben. Dämme und andere Verbauungen verlagern das Problem lediglich dorthin, wo es keinen Damm gibt. Hier setzt der am Dienstag beschlossene „Landesraumplan Blauzone Rheintal“ an: Er sichert die noch vorhandenen natürlichen Überflutungsgebiete und Freiflächen, die sich für eine Überflutung eignen.

Video: Beitrag von Robert Rader

Blauzone entfällt auf 22 Gemeinden

Wie Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Dienstag im Pressefoyer betonte, brauche man mehr Raum, um für Hochwasserschutzereignisse besser vorbereitet zu sein. Einen hundertprozentigen Schutz könne es zwar nie geben, es sei aber richtig, künftig dafür zu sorgen, dass man geeignete Überflutungsgebiete, Rückhalteflächen- und -becken zur Verfügung habe.

EU-Hochwasserrichtlinie

Mit der Blauzone Rheintal wird auch der EU-Hochwasserrichtlinie Rechnung getragen, die bereits 2011 zu einer Novelle des Wasserrechtsgesetzes geführt hat. Diese sieht unter anderem die Sicherung von Gebieten für den Hochwasserabfluss und den Hochwasserrückhalt vor.

55 Quadratkilometer umfasst die Blauzone, die Hälfte entfällt auf drei Gemeinden, nämlich Dornbirn, Feldkirch und Lustenau. Der Rest auf 19 weitere Gemeinden.

Viele Gespräche im Vorfeld

Bei der Vorbereitung der Blauzone habe man viel reden müssen, sagte Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP) am Dienstag. Das Vorhaben sei nicht nur auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Man habe mit allen Gemeinden, Betroffenen und Interessensvertretungen wie der Landwirtschafts- oder der Wirtschaftskammer einen Konsens finden können.

Die Blauzone verpflichtet die Gemeinden zu einer Anpassung der Flächenwidmungspläne durch die Widmung von Freihaltegebieten. Damit sollen neue, isolierte bauliche Entwicklungen eingeschränkt werden. Ausnahmen sind für landwirtschaftliche Betriebe möglich. In einigen der betroffenen Gemeinden sind die ausgewiesenen Gebiete bereits als Freihaltegebiet gewidmet, in anderen dürfte die Änderung nach Angaben des Landes mit vertretbarem Aufwand möglich sein, zumal generell keine gewidmeten Bau- oder Bauerwartungsgebiete betroffen sind. Zudem befinden sich über 90 Prozent der als Blauzone ausgewiesenen Bereiche in der Landesgrünzone.

Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern am Alpenrhein - also mit St. Gallen, Liechtenstein und Graubünden. Mit ihnen ist vereinbart, dass alle Anrainer Entlastungsräume für den Rhein sichern. Vorarlberg erfüllt mit der Blauzone diese Zusage als erstes Land am Alpenrhein.

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