Gildemeister: Ex-Manager vor dem Richter

Mitte Dezember steht erneut ein Ex- Mitarbeiter des Maschinenbauers Gildemeister vor einem deutschen Gericht. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld vor zweieinhalb Jahren zwei Mitarbeiter angeklagt. Einer wurde verurteilt, das Verfahren gegen den Zweiten wird nun fortgesetzt.

Der deutsche Maschinenbauer Gildemeister unterhält auch in Vorarlberg mehrere Firmen. Die DMG-Europazentrale von Gildemeister war bis vor kurzem in Klaus. Der Konzern ist seit etwa vier Jahren auch im Blickfeld des österreichischen Fiskus und der Jusitz. Nach wie vor laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue, des schweren Betrugs und Amtsmissbrauchs gegen führende Vertreter von Gildemeister, gegen Geschäftspartner und Großbetriebsprüfer.

Von der Ermittlungen in Vorarlberg betroffen sind sowohl Gildemeister-Vorstands-Chef Rüdiger Kapitza, Geschäftspartner Richard Morscher von der Montfort-Werbung und der ehemalige Großbetriebsprüfer in der Finanzverwaltung Edelbert Meusburger. Alle haben die Vorwürfe stets bestritten.

Vorwurf der Steuerhinterziehung

Am 19.Dezember 2012 findet nun vor dem Landgericht Bielefeld die Hauptverhandlung gegen einen 53-jährigen, ehemaligen Manager statt. Der Beschuldigte soll laut Anklage „Geschäftsführer“ des Moskauer Büros einer zur Gildemeister-Gruppe gehörenden Gesellschaft gewesen sein. Laut Staatsanwalt Klaus Pollmann war das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen dessen Erkrankung abgetrennt und ausgesetzt worden.

Anklage war schon vor zweieinhalb Jahren gegen die beiden Ex-Gildemeister-Mitarbeiter erhoben worden. Im Fall des mittlerweile 69-jährigen Ex-Beraters gab es im September 2011 ein Urteil. Er wurde wegen Untreue und Beihilfe zur Untreue in rund 180 Fällen schuldig gesprochen. Er erhielt zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Russlandgeschäfte im Visier der Ankläger

Die beiden Ex-Mitarbeiter sollen laut Staatsanwaltschaft Bielefeld gegenüber russischen Kunden beim Maschinenverkauf sieben Prozent aufgeschlagen haben. Dazu sollen sie in der Kalkulation einen eigenen Posten eingeführt haben.

Einen Teil des Geldes sollen sie - ohne Wissen der Verantwortlichen der Gildemeister-Gruppe -für private Zwecke abgezweigt haben, heißt es in der Anklageschrift. Der Rest des Geldes aus der Zusatzposition hätte dazu dienen sollen, Gelder ausserhalb der Gildemeister-Gruppe zu deponieren, um diese später für Bestechungen oder sonstige nützliche Aufwendungen bei Maschinenverkäufen verwenden zu können, so die Anklage.

Vorwürfe aus der Anklageschrift

2005: 22 Geschäfte - 738.827,94 Euro veruntreut
2006-2009: 80 Geschäfte - 2.690.624,43 Euro veruntreut

Von den - laut Staatsanwaltschaft - insgesamt veruntreuten 3,4 Millionen Euro sollen die beiden Ex-Mitarbeiter rund eine Million selbst behalten haben. Der Verbleib des restlichen Geldes sei unklar.

Außerdem soll der 53-jährige Angeklagte Schecks über rund 8.000 Euro, die für Gildemeister ausgestellt waren, nicht weitergeleitet haben, sondern auf seinem Privatkonto eingelöst haben, um damit seine allgemeinen Lebenshaltungskosten zu bestreiten, so die Anklage.

Vorwurf der Bestechung

Bei den Verkäufen an russische Kunden sollen die beiden über weitere Kanäle Zahlungsversprechen gemacht haben, um im Wettbewerb mit konkurrierenden Unternehmen die Kaufentscheidung zugunsten der Gildemeister-Gruppe zu erreichen, so die Anklage. Der 53-jährige habe die Zahlungsversprechen dann gegenüber den Kunden ausgezahlt, wirft Staatsanwalt Pollmann dem Angeklagten vor. Für Kaufverträge zwischen 2002 und 2005 sollen Zahlungsversprechen in der Höhe von rund 1,8 Millionen Euro erfüllt worden sein.

Gildemeister nimmt Stellung

Die Pressesprecherin von Gildemeister, Nadja Sölter, teilt auf ORF-Anfrage mit, das Strafverfahren in Bielefeld richte sich nicht gegen Gildemeister. Die Mitarbeiter seien seit Jahren nicht mehr bei Gildemeister beschäftigt. Es handle sich um alte Fälle. Der angebliche Schaden von 3,4 Mio. Euro, der dem Konzern laut Anklage erwachsen sei, sei für Gildemeister nicht nachvollziehbar.

Gildemeister legt in einem Schreiben an der ORF Wert auf die Feststellung, dass eine laufende Steuerprüfung in Österreich bei DMG Europe Holding keinen Bezug zu den vorher genannten Vorgängen habe. Allerdings habe Gildemeister - aufgrund der wiederholten Infragestellung seines wirtschaftlichen und sozialen Engagements in Österreich - seine Europazentrale in die Schweiz verlegt, heißt es in dem Schreiben.

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