Kinderärzte wollen Ausbau von Mu-Ki-Pass

Die Vorarlberger Kinderärzte wünschen sich Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen bis zur Volljährigkeit. Da die Untersuchungen bisher nur bis zum sechsten Lebensjahr durchgeführt werden, würden viele Erkrankungen zu spät erkannt, so die Ärzte.

Wenn es um die Gesundheit ihrer kleinen Kinder geht, sind viele Vorarlberger Eltern sehr bemüht. Es gibt kaum Kinder, die in den ersten Lebensmonaten nicht im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen betreut werden. Allerdings findet die letzte kostenlose Untersuchung statt, wenn das Kind fünf Jahre alt ist. Das sollte sich ändern, sagen die Vorarlberger Kinderärzte. Sie wollen weitere Untersuchungen bis zur Volljährigkeit.

Lückenlose Untersuchungen nur im ersten Jahr

Im ersten Lebensjahr werden praktisch alle Vorarlberger Kinder untersucht. Das liegt auch daran, dass das Kinderbetreuungsgeld halbiert wird, wenn nicht fünf Schwangerschaftsuntersuchungen und fünf Untersuchungen des Kindes bis zum 14. Lebensmonat erfolgen. In Vorarlberg werden laut Familien-Ministerium nur bei einem Prozent der Bezieher die Leistungen aus diesem Grund gekürzt.

Für die Eltern bieten die Untersuchungen Hilfestellungen weit über reine Gesundheitsfragen hinaus, sagt der Sprecher der Vorarlberger Kinderärzte, Armin Winder. Vor allem Themen wie Ernährung und Erziehung können angesprochen werden, oder auch Hilfestellungen im Alltag mit einem Säugling können bei den Untersuchungen angesprochen wrden, so Winder.

Probleme werden oft spät erkannt

Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr werden dann allerdings, laut den Daten der Vorarlberger Gebietskrankenkasse, um fast 20 Prozent weniger Kinder untersucht. Später entsteht eine noch größere Lücke. Bis die kostenlosen Gesundenuntersuchungen im Erwachsenenalter in Anspruch genommen werden können, gibt es, mit Ausnahme der Schuluntersuchung, keine kostenlose Vorsorgemöglichkeit mehr, kritisiert Winder.

Dabei könnten durch eine Ausweitung der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen bis zur Volljährigkeit viele körperliche und seelische Probleme früher erkannt und behoben werden, sagt Winder.

Derzeit werden Probleme wie Übergewicht, Haltungsprobleme oder auch Themen im sozial-psychiatrischen Bereich, wie etwa Suchtverhalten oft erst spät erkannt, so der Sprecher der Kinderärzte.

Untersuchungen im Zweijahres-Rhythmus

Wünschenswert wären Untersuchungen im zumindest zweijährigen Abstand, sagt Winder. In den vergangenen Jahren habe man die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen laufend erweitert, sagt der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse, Manfred Brunner. So seien erst zuletzt ein Schwangerschaftsdiabetes-Test und ein HIV-Test in die Untersuchungen aufgenommen worden. Das sei eine wichtige Weiterentwicklung und für neue sei man aufgeschlossen.

Letzendlich liege der Ball aber beim Gesundheitsministerium. Dort verweist man auf laufende Verhandlungen - die bis zum kommenden Jahr abgeschlossen sein sollen.

Derzeit biten Kinderärzte neben den kostenlosen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen zwar weitere Untersuchungen an. Diese müssen aber privat bezahlt werden, sagt Winder. Die Ärzte würden aber „sehr günstige Tarife“ verlangen.

Schulärzte oft zu wenig Zeit

Die Qualität der Schuluntersuchungen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gebessert, sagt Winder. Allerdings hätten die Schulärzte relativ wenig Zeit für das einzelne Kind. Ein Nachteil sei auch, dass die Eltern bei dieser Untersuchung nicht anwesend sind.

Im Vorjahr wurden allein von den Versicherten der Vorarlberger Gebietskrankenkasse über 55.000 Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchgeführt. Die Gebietskrankenkasse erhält 70 Prozent der Kosten von knapp drei Millionen Euro pro Jahr für die Untersuchungen aus dem Familienlastenausgleichsfonds ersetzt.

Der Mutter-Kind-Pass habe sowohl die Sterblichkeit als auch die Zahl der Erkrankungen deutlich reduziert, sagt auch der langjährige Sprecher der Vorarlberger Gynäkologen, Christian Voller. Er wünscht sich allerdings die Durchführung von weiteren Laboruntersuchungen.