Ärzte-Stipendien: Juristische Hürden

Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) sieht sich beim geplanten Stipendienmodell für angehende Ärzte mit juristischen Details konfrontiert. Einem aktuellen Gutachten zufolge darf es keine so genannten „Knebelverträge“ zwischen Land und Medizinstudenten geben.

Vor knapp fünf Monaten gab es im Gesundheitsressort in der ÖVP-geführten Vorarlberger Landesregierung einen Wechsel. Rainer Gögele gab den Landesratssessel ab, und schon wenige Tage später nahm der bisherige Landessanitätsdirektor Christian Bernhard seinen Platz ein.

Seither ist auf der „Großbaustelle Gesundheit“ einiges passiert, unter anderem etwa wurde die Gehaltsreform für Spitalsärzte auf Schiene gebracht, die das Land pro Jahr
13 Millionen Euro zusätzlich kostet. Doch belastende Arbeitsbedingungen, fehlender Nachwuchs und die dringend nötige Entlastung der Spitalsambulanzen sorgen dafür, dass dem Landesrat die Arbeit nicht ausgeht.

Interview zum Nachhören:

Das gesamte Interview mit Christian Bernhard, geführt von Christiane Schwald, können Sie hier nachhören:

Stipendienmodell soll Nachwuchs anlocken

Ärztenachwuchs ist zur Verbesserung der personellen Situation im Vorarlberger Gesundheitswesen gefragt - nicht nur an den Spitälern, sondern angesichts bevorstehender Pensionierungswellen auch im niedergelassenen Bereich und bei den Zahnärzten.

Neben der Unterstützung für den Aufnahmetest zum Medizinstudium will das Land künftig auch auf ein Stipendienmodell setzen. Medizinstudenten sollen während des Studiums ein Stipendium bekommen, wenn sie dafür im Anschluss einige Zeit in Vorarlberg arbeiten. Dieses System hat aber einige rechtliche Tücken, wie ein aktuelles juristisches Gutachten zeigt, sagt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard im Samstaginterview von Radio Vorarlberg. Juristisch leichter durchzusetzen sei ein Stipendienmodell offenbar während der Turnus-Ausbildung und nicht schon während des Studiums.

„Land bekennt sich zu Unterstützung der Ärzte“

Er werde die Sache nun aber noch von seinen Juristen prüfen lassen, so Bernhard. Klar sei, dass sich das Land mit dieser Aktion zur Unterstützung angehender Ärzte bekenne.

Modell der Triagepraxis „hat Potential“

Die Erfahrungen mit dem Modell einer Triagepraxis in Bregenz seien sehr gut, sagt Bernhard. Auch das Verständnis der Patienten für die Maßnahme sei groß. Triagepraxen seien sicher eine Richtung, in welcher es Potential gebe. Davon, den Andrang auf die Spitalsambulanzen durch Einheben einer Gebühr bei den Patienten, wenn sie die Ambulanz in Anspruch nehmen, zu entlasten, hält Bernhard nichts.

Er habe genaue Vorstellungen, wie man die Strukturen im Vorarlberger Gesundheitswesen verbessern könnte, sagt Bernhard. Zuerst werde man sich aber um die Personalsituation kümmern, und es sei nicht sinnvoll, an allen Ecken gleichzeitig anzufangen.

Gesundheitsakte befürwortet

Nach wie vor befürwortet wird von Bernhard die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte. Er verstehe die Sorge von Datenschützern um die Sicherheit von Patientendaten, sagte Bernhard. Allerdings müsse man auf die Spezialisten vertrauen, die sagen, dass das geplante System das sicherste überhaupt ist. In Zeiten von Online-Banking müsse es auch möglich sein, seine Gesundheitsdaten elektronisch zu speichern, sagt der Gesundheitslandesrat.

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