Erdgasheizungen erleben Renaissance
Wie Erwin Kopf, Geschäftsführer des landesweit tätigen Erdgasversorgers VEG gegenüber der Wirtschaftspresseagentur.com erklärte, habe die VEG im Jahr 2009 mit 300 Neuanschlüssen (nach 470 Neuanschlüssen im Jahr 2008) einen Tiefpunkt erreicht. Doch seither habe die Zahl der Erdgas-Neuanschlüsse im Privatbereich wieder ständig zugenommen: Von 340 im Jahr 2010 ging es hinauf auf 400 Neuanschlüsse im Jahr 2011.
Für heuer rechnet man bei der VEG mit rund 440 Neuanschlüssen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung der Neuanschlüsse um zehn Prozent, gegenüber 2010 sogar um etwa 30 Prozent. Damit habe man das Niveau des Jahres 2008 wieder erreicht. Insgesamt steige die Zahl der VEG-Kunden somit auf etwa 29.500. „Die Marktnachfrage ist für uns derzeit sehr respektabel, sie hat ganz klar angezogen“, so Kopf.
Zunahme insbesondere bei Sanierungen
Er begründet diese Trendwende unter anderem damit, dass Erdgas seit einigen Jahren um bis zu 40 Prozent günstiger als Öl sei. Insbesondere Inhaber von Ölheizungen hätten bei einer Heizungsumstellung somit oft auf eine neue Gastherme zurückgegriffen. In der Statistik der Neuanschlüsse gar nicht aufscheinen würden Kunden, die schon bisher eine Erdgas-Heizung genutzt haben und bei einer Umstellung bei diesem Heizsystem geblieben sind. „Wir verspüren die Zunahme von Erdgasanlagen insbesondere bei der Sanierung von bestehenden Anlagen und Häusern. Im Neubaubereich dürfte die Wärmepumpe jedoch weiterhin Marktführer bleiben.“
Kopf: Gasverbrauch wird sinken
Im Konkurrenzkampf mit anderen Heizsystemen ziehe Erdgas immer seltener den Kürzeren. Habe man vor ein paar Jahren zwischen 20 und 30 Kunden pro Jahr etwa an Nahwärmesysteme verloren, so sei diese Zahl mittlerweile beinahe auf null zurückgegangen. Bei alledem müsse zudem berücksichtigt werden, dass Gasheizungen im Gegensatz zu anderen Heizsystemen keinerlei besondere Förderung erhalten würden. Unterstützt werde der jetzige Trend auch dadurch, dass die gesamten Investitionskosten für eine Gasheizung im Vergleich nach wie vor niedrig seien.
Dennoch dürfe die Zahl der steigenden Neuanschlüsse nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gasverbrauch in den kommenden Jahren in Vorarlberg zurückgehen werde, da der Heizwärmebedarf von neuen und sanierten Häusern immer weiter sinke. Im Industrie- und Gewerbebereich sei die Gasnachfrage im Übrigen nie rückläufig gewesen, sagte Kopf.
Stadtwerke Bregenz mit steigenden Neuanschlüssen
Eine Trendumkehr bestätigen auch die Stadtwerke Bregenz, der zweite Erdgasversorger in Vorarlberg, der Bregenz, Lochau und Hörbranz abdeckt. Wie Geschäftsführer Wilfried Breuss erklärte, hätte sich die Nachfrage nach klaren Rückgängen in den Jahren 2008 und 2009 mittlerweile wieder erholt. „Die Zahl der Erdgasanschlüsse ist nicht mehr rückläufig, heuer liegen wir derzeit bei etwa 30 Neuanschlüssen.“ Insgesamt zählen die Stadtwerke Bregenz etwa 4.500 Anschlüsse von Kunden. Allein in Bregenz seien 70 Prozent der Objekte an das Erdgasnetz angeschlossen.
Inhaus bestätigt Trendwende
Auch die Heizungstechnikgroßhändler in Vorarlberg bestätigen die Entwicklung. Inhaus-Geschäftsführer Robert Küng erklärte, dass der Anteil der verkauften Gasthermen im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent zugelegt habe. Auch wenn bei Inhaus 60 Prozent aller verkauften Heizungsanlagen regenerative Energien nützen und 40 Prozent fossile Brennstoffe wie Öl und Gas, so sei dennoch erkennbar, dass die regenerativen Systeme stagnieren würden, während Gasthermen zulegen. „Energie ist bei unseren Kunden noch immer ganz klar eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Es geht um die Amortisation und da sind insbesondere Gas-Systeme sehr wettbewerbsfähig. Das ist zwar langfristig sicher die falsche Entwicklung, aber es ist so“, sagte Küng.
Auch bei dem unter anderem auf Heizungstechnik spezialisierten Großhändler Walter Bösch GmbH & Co KG in Lustenau sieht man die Entwicklung ähnlich: „Die Nachfrage nach Erdgasbrennwertgeräten ist nach wie vor ungebrochen“, erklärte Unternehmenssprecherin Brigitte Weiss.
Bernd Langer: Leute „bleiben vermehrt bemi Gas“
Bernd Langer, Inhaber des gleichnamigen Installateurbetriebes in Wolfurt, erklärte diesbezüglich: „Wir spüren verstärkt, dass die Leute vermehrt beim Gas bleiben. Das gilt insbesondere für den Sanierungsbereich, aber immer stärker auch für Neubauanlagen. Vor drei Jahren haben wir beinahe gar keine Gasheizungen mehr installiert“, so Langer. Auch er begründet die neue Entwicklung damit, dass die Investitionskosten für Gasheizungen verhältnismäßig günstig seien und die Zufriedenheit der Kunden mit dem „unkomplizierten“ Energieträger Erdgas nach wie vor vorhanden sei. Dazu komme, dass der gesunkene Heizwärmebedarf von neuen und sanierten Häusern bei den Gesamtkosten immer weniger ins Gewicht falle und damit auch der eventuelle langfristige Preisvorteil von anderen Systemen. Und schließlich seien die neuen Gasthermen mit Brennwerttechnologie mittlerweile sehr effizient in der Energieausbeute.
Publiziert am 18.10.2012

