Pädophiler in Bregenz verhaftet

Nach einmonatigen Ermittlungen hat das Landeskriminalamt Vorarlberg am Dienstag einen 36-jährigen Bregenzer festgenommen. Er soll im August ein 13-jähriges Mädchen aus dem Unterland mehrfach sexuell missbraucht haben.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Im Video zu sehen: Stefan Schlosser (LKA), Andreas Prenn (Leiter Supro - Werkstatt für Suchtprophylaxe); Beitrag von Bernhard Stadler, Holger WeitzeChristina Lachner

Kennengelernt hatte das Opfer den Mann über ein Chatportal. Wie Stefan Schlosser vom Landeskriminalamt (LKA) Vorarlberg erklärt, habe der Mann sich dort als 18-jähriges Mädchen ausgegeben und so private Informationen über das Mädchen gesammelt - darunter Details über die bisherigen sexuellen Erfahrungen des Mädchens. Mit der Drohung, er würde die Eltern des Mädchens darüber informieren, zwang er die 13-Jährige zu einem persönlichen Treffen. Insgesamt wurde das Mädchen auf diese Art zu drei Treffen gezwungen, wo es zu diversen sexuellen Handlungen genötigt wurde. Das Mädchen meldete sich dann vom Chatprofil ab.

Audio: Stefan Schlosser vom Landeskriminalamt Vorarlberg im Interview mit ORF-Redakteur Bernhard Stadler

Täter kontaktierte weitere Mädchen

Schließlich vertraute sich das Mädchen der Mutter an und erstattete Anzeige bei der Polizei. Mittels Auswertung der Chatprotokolle konnte dann der 36-jährige Täter vom Landeskriminalamt ausgeforscht werden. Die Ermittler stellten auch fest, dass er zu zahlreichen weiteren jugendlichen Mädchen via Chatrooms Kontakt aufgenommen hatte, stets unter Angabe falscher Identitäten. Nach bisherigen Ermittlungen ist es aber zu keinen weiteren persönlichen Treffen gekommen.

Beschuldigter war bereits amtsbekannt

Der Täter war bei der Polizei bereits einschlägig amtsbekannt. Er zeigte sich geständig und wurde laut Schlosser am Donnerstag in die Justizanzstalt Feldkirch eingeliefert. Mittlerweile sei die Untersuchtungshaft verhängt worden.

Die Ermittlungen sind laut Polizei noch nicht abgeschlossen. Chatprotokolle und Datenträger, die bei der Hausdurchsuchung sicher gestellt wurden, werden noch weiter ausgewertet.

Polizei: Fall zeigt die Gefahr von Onlinenetzwerken

Der aktuelle Fall zeigt, wie hinterhältig Pädophile im Internet teilweise vorgehen und welche Gefahren soziale Onlinenetzwerke für junge Menschen darstellen können, so die Polizei. Mit dem „Click&Check“-Projekt nimmt sich die Polizei dieser Gefahr an, sensibilisiert an Schulen und gibt Tipps im richtigen Umgang mit neuen Medien.

Polizei rät zu gesundem Misstrauen

In jedem Fall rät die Polizei den jungen Nutzerinnen und Nutzer zu gesundem Misstrauen :

  • keine persönlichen Daten bekanntgeben (vollständiger Name, Wohnort etc) und keine intimen Fotos verschicken. Achtung: In Chatprofilen werden häufig falsche Identitäten verwendet - hinsichtlich Alter und Geschlecht.
  • Vorsicht bei Treffen mit Personen, die man über das Internet kennengelernt hat;
  • auf keinen Fall allein auf ein Treffen gehen.
  • sich nicht erpressen lassen und bei Verdacht sofort die Polizei verständigen!

Den Eltern wird empfohlen:

  • Kinder in die Nutzung des Internets einzuführen, über Internetaktivitäten zu sprechen und Vertrauensbasis herzustellen
  • den Computer in einem möglichst viel genutzten Raum aufzustellen – die Privatsphäre am Computer für Jugendliche bis 15 Jahre sollte noch eingeschränkt sein

Prenn: Medienkonsum von Kindern begleiten

Andreas Prenn Supro

ORF

Supro-Leiter Andreas Prenn empfiehlt Eltern, den Medienkonsum ihrer Kinder von Anfang an zu begleiten.

Auch die Supro - Werkstatt für Suchtprophylaxebietet in Sachen Medienerziehung Hilfestellung. Laut Supro-Leiter Andreas Prenn macht es wenig Sinn, Kinder und Jugendliche von digitalen Medien fernzuhalten und diese zu verbieten. Dennoch nimmt Prenn die Eltern in die Pflicht: Diese sollten nach Möglichkeit den Medienkonsum ihrer Kinder möglichst von Anfang an begleiten.

Wie Prenn ausführt, fehle den Kindern die Lebenserfahrung um zu wissen, was sie im Internet von sich preis geben können. Insofern sei es wichtig, dass sich Eltern dafür interessieren, was die Kinder am Computer tun. Die Medien- und Technikkompetenz der Kinder und Jugendlichen könne so mit der Lebenserfahrung der Erwachsenen kombiniert werden.

Kontrolle sei nicht unbedingt nötig - es sei nicht erforderlich, das Facebook-Kennwort der Tochter zu kennen, meint Prenn. Vielmehr gelte es, eine Vertrauensbasis aufzubauen und im Gespräch zu bleiben.