50 Jahre Institut für Sozialdienste (IfS)

Das IfS feiert sein 50-jähriges Bestehen. Laut Gründer Hermann Girardi, damals Leiter für Soziales und Gesundheit im Amt der Landesregierung, galt Vorarlberg 1962 auf sozialem Gebiet als unterentwickelt. Heute kann davon keine Rede mehr sein.

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Im Video zu sehen: Stefan Allgäuer (IfS-Geschäftsführer); Beitrag von Jasmin Ölz, Götz Wagner, Klaus Feurstein

Eine Bürgerinitiative hat im Jahr 1962 erkannt, dass soziale Beratung und Betreuung vor allem für Jugendliche in Vorarlberg dringend notwendig ist. Das heute sehr breite Angebotsspektrum ist über die Jahre mit der Arbeit gewachsen, erklärt IfS-Geschäftsführer Stefan Allgäuer. Standen zu Beginn der Arbeit der Bürgerinitiative hauptsächlich die Probleme der Jugendlichen im Mittelpunkt, habe man schnell bemerkt, dass Familien als Ganzes mit den verschiedensten Themen betreut werden müssen, so Allgäuer.

Während früher junge Menschen aus den engen Elternhäusern ausbrechen wollten sei es heutzutage häufig umgekehrt, erläutert Allgäuer. Vielfach habe man Jugendliche zu betreuen, die zu Hause keine Steuerung hätten - wo alles viel zu offen und freizügig sei.

Prävention steht im Vordergrund

Heute nutzen rund 30.000 Klienten pro Jahr die 60 verschiedenen Angebote des IfS, wobei für Allgäuer an allen Beratungsstellen die Prävention im Vordergrund steht.

Andere Sozialeinrichtungen im Land wie die Caritas oder Sucht- und Psychotherapie-Einrichtungen sehen im Institut für Sozialdienste einen wichtigen Partner, um flächendeckend und niederschwellige Hilfestellungen bieten zu können.

Allgäuer: Mehr Hilfestellungen in Zukunft nötig

In der heutigen Gesellschaft muss sich auch das Institut für Sozialdienste immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Allgäuer sieht die Institution aber bereits für die Zukunft gerüstet. Hier lege man besonderes Augenmerk auf die veränderte demografische Entwicklung der Gesellschaft. Die Hilfestellungen, die die Menschen in Zukunft benötigen, würden noch weiter ansteigen, sagt Allgäuer.

Ziel des IfS sei dabei nicht, Menschen von Hilfe abhängig zu machen, sondern Menschen zu ermöglichen, dass sie ihr Leben wieder selbst bewältigen können.

Kinder als wichtiges Zukunftsthema

Besonders wichtiges Zukunftsthema seien Kinder und Jugendliche. Denn es gelte, sie auf eine Welt vorzubereiten, die komplex und schwierig ist und bei der man nicht wisse, was sie alles benötigen. Man brauche starke Kinder und Jugendliche. Hier zu investieren lohne sich, zeigt sich Allgäuer überzeugt.

Rebekka Reinhard: Krisen als Chance

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des IfS fand am Freitag im Cubus in Wolfurt ein Symposium zum Thema „Wenn es anders kommt. Risiko und Chance des Unvorhersehbaren“ statt. Eine der Vortragenden war die Philosphin Rebekka Reinhard aus München. Im „Vorarlberg heute“-Interview mit Moderator Christoph Waibel erläuterte sie, dass Krisen nicht nur negativ, sondern auch positiv sein können. Denn sie würden uns dabei helfen, uns selbst besser kennenzulernen und die Potentiale, die in uns stecken, zu wecken.

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Wie Reinhard erklärte, gelte es gerade für sie als Philosophin nicht mit einer zynischen Geistehaltung hinauszugehen, sondern nach ihren Möglichkeiten zu versuchen, den Menschen zur Selbstverantwortung zu bringen und ihm dabei zu helfen, sich selbst zu helfen.

Die Philosophie biete dabei viele Möglichkeiten der Hilfe, ist Reinhard überzeugt. Sie versuche, Menschen zum eigenständigen Denken zu „verführen“. Eine ihrer wichtigsten Standardfragen sei - gerade an Menschen, denen es schlecht gehe : „Wofür leben Sie?“ Die Antwort stelle die ganz wichtige Minimalorientierung, die man für ein gelungenes Leben brauche, dar.

Odysseus als Inspirationsfigur

In ihrem Buch „Odysseus oder Die Kunst des Irrens“ stellt Reinhard die Irrwege von Odysseus in den Mittelpunkt. Die Kunst des Irrens soll am Beispiel des antiken Helden so neu entdeckt werden und zeigen: Umherirren im Ungewissen müsse nicht immer eine Schuld oder eine Strafe, sondern könne auch eine wichtige Überlebenskompetenz sein. Insofern sei Odysses für viele von Reinhard Klienten auch tatsächlich eine Inspirationsfigur, so Reinhard.

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