Skilehrerverband lehnt EU-Berufsausweis ab
Erich Melmer, Präsident des Vorarlberger Skilehrerverbands, zweifelt an einer ordnungsgemäßen Ausweisvergabe in anderen europäischen Staaten. Die Erfahrung lehre, dass solche Ausweise außerhalb Österreichs wesentlich leichter zu bekommen seien, begründet Melmer seine Skepsis.
Ziel des Pilotprojektes ist es unter anderem, die Ausbildungsqualität der Skilehrer innerhalb der EU zu erhöhen und zu vereinheitlichen. „Zehn EU-Staaten beteiligen sich daran, auch Österreich“, erklärte Christian Abenthung, Generalsekretär des Österreichischen Skischulverbandes (ÖSSV), im APA-Gespräch. Ausweis-Inhaber müssen einen „Euro-Test“ und „Euro-Security-Test“ bestanden und die höchste Ausbildungsstufe für den staatlichen Skilehrer in ihrem Herkunftsland absolviert haben.
Pilotprojekt läuft bis 2013
Initiiert hat den Berufsausweis EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Europäische Ausweise für andere Berufe sollen folgen, mit den Skilehrern wurde begonnen. Das Pilotprojekt läuft von 15. September 2012 bis 30. Juni 2013. „Danach wird evaluiert“, erklärte Abenthung.
Das Zertifikat soll die Anerkennung im jeweiligen Land, in dem der Skilehrer tätig sein will, erleichtern. „Der Ausweis ermöglicht ein einfacheres Verfahren bei den zuständigen Behörden. Bisher war ein umfangreiches Anerkennungsverfahren erforderlich“, zeigte Abenthung die Vorteile auf. Dies gelte auch für die Beurteilungen der fachlichen Voraussetzungen für die vorübergehende oder gelegentliche Erbringung von Dienstleistungen im Ausflugsverkehr von ausländischen Skischulen.
Datenbank zur Überprüfung der Qualifikation
Der Name des Skilehrers und die Nummer des Ausweises werden in einer Datenbank erfasst. Dies soll eine Überprüfung der Qualifikation ermöglichen. Im Zeitraum des Pilotprojektes werden allerdings nur nummerierte, von der EU-Kommission bewilligte Aufkleber ausgegeben. Ein eigener Ausweis wird in diesem Jahr nicht erstellt. In Österreich verteilt der ÖSSV die Aufkleber.
Ö: Keine Skischuleröffnung für Ausweisinhaber
Österreich hat sich, wie die APA berichtet, auch eine Ausnahmeregelung ausverhandelt: Die Skiführerausbildung als Besonderheit im österreichischen Skilehr-und Skischulwesen wird von der EU-Kommission anerkannt. Die Inhaber eines Berufsausweises dürfen sich daher nicht in Österreich als Skischulinhaber oder als konzessionierter Skilehrer niederlassen. „Sie dürfen nur als Lehrkraft in Skischulen arbeiten", sagte Abenthung.“ Warum diese strengere Regelung? Die selbstständige Tätigkeit setze eine höhere Qualifikation als in den anderen Ländern voraus, in Österreich sei dafür die Skiführerausbildung - die Spitze der Skilehrerausbildung - erforderlich, erklärte der ÖSSV-Generalsekretär. „Wir wollen das beibehalten, es ist ein wesentliches Sicherheitsmerkmal.“
Immer mehr Wintersportler würden sich abseits der Pisten im ungesicherten Gelände bewegen, wo die alpinen Gefahren wie Lawinenabgänge höher seien. Dass Österreich zukünftig von ausländischen Skilehrern überschwemmt wird, glaubt er nicht. „Die Latte der Qualifikation ist sehr hoch.“ In den vergangenen zehn Jahren seien in Tirol nur 13 positive Bescheide in Anerkennungsverfahren auf Basis des Euro-Tests im Bereich des staatlichen Skilehrers ausgestellt worden.
Publiziert am 25.09.2012

