„Expresslehre“: Ablehnung aus dem Land

Der Lehrlingsexperte Egon Blum lehnt den Vorschlag von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl ab, eine abgekürzte Lehre für Maturanten einzuführen. Dies sei ein Ausdruck der Panik und Ratlosigkeit der Politik gegenüber dem Fachkräftemangel.

Mit seinem Vorschlag zu einer „Express-Lehre“ will Wirtschaftskammerpräsident Leitl gleich zwei Probleme lösen: den Fachkräftemangel der Wirtschaft und die Überfüllung der Universitäten. Nach Leitls Vorstellungen sollen Maturanten ein einjähriges, intensives Praxisjahr in einem Betrieb absolvieren und so einen Lehrabschluss erlangen können. Wenn praktisch begabte Maturanten eine Alternative zum Studium bekämen, dann bedeute dies zudem die Entlastung der Universitäten - mehr dazu in Leitl will „Expresslehre“ für Maturanten (news.ORF.at, 23.9.2012)

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Ein Beitrag von Stefan Krobath, Götz Wagner und Christina Lachner

Blum: Ausbildung in einem Jahr undenkbar

Lehrlingsexperte Egon Blum sieht in diesem Vorschlag schlichtweg einen Ausdruck der Panik und Ratlosigkeit der Politk gegenüber dem Fachkräftemangel: Es sei unvorstellbar, dass ein AHS-Maturant in einem Jahr eine technische Lehre absolvieren solle, für die man üblicherweise vier Jahre lang brauche, so Blum im ORF-Interview. Die Lösung des Facharbeitermangels liege vielmehr darin, jene 70.000 junge Menschen in Österreich, die als nicht ausbildungsfähig gelten, fit für eine Lehre zu machen.

Loacker spricht von „Schnapsidee“

Auch ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker ist gegen die sogenannte „Express-Lehre“. Er bezeichnet den Vorschlag als „Schnapsidee“ und unverantwortlich - die Anforderungen würden ständig steigen, daher sei die Lehre in High-Tech-Berufen ja auch von dreieinhalb auf vier Jahre verlängert worden, so Loacker.

AK-Präsident Hämmerle: unüberlegt und praxisfremd

Der Vorschlag von Wirtschaftskammer-Präsident Leitl zur verkürzten Lehre für Maturanten kommt auch bei der Arbeiterkammer nicht gut an. AK-Präsident Hubert Hämmerle hält den Vorschlag für praxisfremd und unüberlegt. Maturanten können nicht in einem Jahr den praktischen Anteil und das fachspezifische Wissen eines Lehrberufs erlernen. Zudem würde das bisherige System mit dualer Ausbildung völlig konterkariert.

Industrie-Spartenobmann Christoph Hinteregger widerum sagt, diese Kurzlehre sei für anspruchsvolle technische Lehrausbildungen sicher nicht möglich. Es brauche je nach Lehre eine klare Differenzierung.