„Mehr Hausverstand in die Politik“

Manfred Hellrigl, Leiter des Büros für Zukunftsfragen, das die Bürgerräte betreut, sagte im Samstaginterview, dass die Bürgerräte eine Ergänzung zum politischen System seien. Sie brächten mehr Hausverstand in die Politik.

Gast im Samstag-Interview ist der Leiter des Büros für Zukunftsfragen, Manfred Hellrigl. Der 51-jährige Politikwissenschafter leitet diese Stelle seit ihrer Gründung im Dezember 1999. Sie ist direkt dem Landeshauptmann zugeordnet und kümmert sich zumindest derzeit stark um die Bürgerräte.

Parteien und Parlamente auf allen Ebenen dürften sich als Einrichtungen mit langer Tradition nicht der Erneuerung verschließen, denn sie seien zum Teil renovierungsbedürftig. Daher seien sie gut beraten, die Bürgerbeteiligung als Chance zu begreifen, um mehr Bürgernähe und Transparenz herzustellen, sagte Hellrigl.

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Audio: Hören Sie das komplette Samstaginterview mit Manfred Hellrigl. Mit ihm sprach ORF-Redakteur Erik Sandner.

Bürgerrat beschäftigt sich mit Siedlungsarbeit

Hellrigl hält das Instrument des Bürgerrates gerade bei sehr kontroversen und emotionalen Themen für besonders geeignet.

Wie kann gute Nachbarschaft gelingen? Insbesondere - aber nicht nur - in Siedlungen mit hohem Ausländeranteil - das ist Thema des vierten landesweiten Bürgerrats im November. Daran anschließend gibt es eine Enquete des Landtags zu diesem Thema. Bürgerräte sind für solche kontroversen und teilweise auch sehr emotional besetzten Konflikte der beste Weg, um zu Lösungen zu kommen, sagte Manfred Hellrigl, der Leiter des Büros für Zukunftsfragen, das solche Prozesse begleitet, im Samstaginterview auf Radio Vorarlberg.

Bürgerräte

Zu den Bürgerräten kann man sich nicht anmelden, man wird dazu von den Organisatoren nach dem Zufallsprinzip eingeladen. Meist werden zwischen 300 und 400 Menschen angeschrieben, aus dem Kreis derer, die zur Teilnahme bereit sind, wird dann ausgewählt. Dabei wird darauf geachtet, eine möglichst repräsentative Gruppe von etwa 15 bis 20 Personen auszuwählen.

„Der Bürgerrat geht einen anderen Weg“

In den herkömmlichen Debatten gehe es viel zu sehr um die Probleme mit der Nachbarschaft, und viel zu wenig darum, wie sie gelingen kann, so Hellrigl. Dieser Bürgerrat gehe einen anderen Weg. Er stelle die Frage, wie gute Nachbarschaft gelingen könne, indem sich die Teilnehmer über die Kriterien unterhalten und versuchen Anleitungen und Ideen zu finden. Daraus ergäben sich meist mehr Lösungsansätze als aus den Streitigkeiten in der Politik.

Hellrigl weist Vorwurf „Erfüllungsgehilfe“ zurück

Den immer wieder zu hörenden Vorwurf, diese Nähe zur Regierung mache das Zukunftsbüro zu einer Art „Erfüllungsgehilfen“ des Landeshauptmannes, wird laut Hellrigl durch die Praxis widerlegt. Er mache glücklicherweise die Erfahrung, dass das Zukunftsbüro eine sehr hohe Glaubwürdigkeit besitze. Das Zukunftsbüro verstehe sich als Brücke zwischen der Regierung und der Gesellschaft, sagte Hellrigl. Die Rückmeldungen, die er erhalte, zeigen ihm, dass das Zukunftsbüro seine Arbeit ganz gut mache.

Gerade diese Nähe zur Regierung ermögliche dem Zukunftsbüro, ihre Instrumente in einer Tiefe und Breite zu bearbeiten, weiterzuentwickeln und einzusetzen, wie das von privaten Organisationen oder Non-Profit-Organisationen nicht geleistet werden könne, erklärte Hellrigl.

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