Rettung immer öfter zu Bagatellfällen gerufen

Es gibt immer mehr unnötige Rettungseinsätze - das kritisieren Notfallmediziner und Rettungsfachkräfte. Mehr als die Hälfte aller Notfalleinsätze sei nicht gerechtfertigt, so Oberarzt Oliver Schöneberg vom Krankenhaus Bregenz.

92.000 mal rückten die Rettungsautos des Roten Kreuzes vergangenes Jahr in ganz Vorarlberg aus - und es werden immer mehr Fahrten. Fast drei Viertel sind Krankentransporte: also geplante Fahrten, etwa zu einer Therapie oder einer Krankenhaus-Kontrolle oder Heimtransporte. Die restlichen Fahrten sind Notfall-Einsätze. Manche Mediziner beklagen, dass viele dieser Fahrten nicht gerechtfertigt seien und führen das auf ein unangemessenes Anspruchsdenken mancher Patienten zurück.

Rettung oft wegen Kleinigkeiten alarmiert

Mehr als die Hälfte der Menschen, die den Rettungswagen alarmieren, haben medizinische Kleinigkeiten, sagt Oliver Schöneberg, Oberarzt am Krankenhaus Bregenz. Viele gingen viel zu leichtfertig mit den Notfall-Strukturen um. Manche hätten auch die Anspruchshaltung, dass sie - etwa nach der Versorgung eines Fingers - mit der Rettung auch wieder nach Hause gefahren werden, so Schöneberg.

Rotes Kreuz: Anspruchsdenken gestiegen

Markus Gantschacher vom Roten Kreuz bestätigt, dass das Anspruchsdenken in den letzten Jahren gestiegen ist, auch bei den regelmäßigen Krankentransporten nutzten immer mehr die öffentlichen Strukturen, statt auf private Netze zurück zu greifen.

Bei den Notfällen relativiert er aber: Viele seien im Moment von der Angst geleitet, erst hinterher stelle man fest, dass es eine Bagatelle gewesen sei. Außerdem sei das schnelle Rufen nach einen Krankentransport eher ein städtisches Problem: Gerade in den Talschaften zögerten viele zu lange, bis sie die Nummer 144 wählen. Während die Bevölkerung im Bregenzerwald mit Alarmierungen zurückhaltender sei, gehe man im Rheintal und Walgau großzügiger damit um.

Vorschlag: „Nicht gerechtfertigte“ Einsätze zahlen

Oberarzt Oliver Schöneberg schlägt vor - ähnlich wie in Deutschland - ein System einzuführen, bei dem klar „nicht gerechtfertigt Rettungseinsätze“ den Patienten künftig verrechnet werden können.