Wirbel um Jobabsage für chronisch Kranken
Der Fall des 26-jährigen Daniel, über den der ORF Vorarlberg berichtet hatte - mehr dazu in Post: Kein Job wegen Morbus Crohn? - schlägt nun österreichweit hohe Wellen.
ÖGB: "Umgang der Post ist eine „Schande“
„Es ist unglaublich und eine Schande, wie die Post-AG mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgeht“, schreibt der ÖGB Vorarlberg wörtlich in einer Aussendung zum Fall Daniel. „Obwohl der Druck auf die Beschäftigten in den letzten Monaten weiter zugenommen hat, möchte Daniel unbedingt bei der Post arbeiten“, so ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker.
Dass die Post-Verantwortlichen ihm diesen Wunsch verwehren, sei „unverständlich und überhaupt nicht nachvollziehbar“. Die Post habe als großes teilstaatliches Unternehmen eine besondere Vorbildfunktion, so ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer. Die Gewerkschafter fordern die Post-AG auf, ihre Entscheidung zu überdenken.
80.000 Menschen
leiden in Österreich unter chronischen Darmentzündungen wie der Autoimmunerkrankung Morbus Crohn. Mit entsprechenden Therapien ist die Krankheit gut beherrschbar.
Der 26-jährige Vorarlberger wurde von der Post AG als Zusteller wegen seiner Morbus-Crohn-Erkrankung abgelehnt - so vermuten Personalvertretung und Postgewerkschaft. Dies bestreitet die Post jedoch und begründet ihre Absage mit mangelnder Arbeitsqualität des Bewerbers.
Grosz (BZÖ): Absage ist „Sauerei“
Inzwischen hat Daniel ein Jobangebot von der Konkurrenz der Post bekommen. Ein privater Paketzusteller interessiert sich für den 26-Jährigen. Die Absage der Post dagegen bleibt aufrecht, wie Pressesprecher Stephan Fuchs am Mittwoch erneut bestätigt.
Für den BZÖ-Nationalratsabgeordneten Gerald Grosz, selbst von Morbus Crohn betroffen, ist die Absage der Post wörtlich eine „Sauerei“. Für Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wäre es ein Leichtes, meint Grosz, über die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) den Generaldirektor der Post an die Grundregeln sozialen Handelns zu erinnern. Die Post stehe immerhin zu 51 Prozent im Eigentum der Republik. Vom Finanzministerium war keine Stellungnahme zu bekommen. Ein Sprecher verwies auf die Post AG.
Publiziert am 22.08.2012

