Hoher Frankenkurs: Maßnahmen gefordert
Seit zehn Jahren vertreten die Gewerkschaften rund um den Bodensee die Interessen der Arbeitnehmer in der Region im „Interregionalen Gewerkschaftsrat“. Die Probleme würden immer globaler, deswegen sei auch eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit nötig, sagte ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Gewerkschaften am Mittwochvormittag. Ein Problem, von dem die Arbeitnehmer in allen vier Ländern direkt oder indirekt betroffen sind, ist der hohe Frankenkurs.
Locher: Fixer Frankenkurs gefordert
Die Arbeitnehmervertreter in der Schweiz haben mit der Stärke des Franken keine Freude. Die Volkswirtschaft stehe vor grossen Problemen, sagt Vitus Locher vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund, das wirke sich natürlich auch auf die Situation der Beschäftigten aus. Die bisherige Regelung des Wechselkurses habe keinen Erfolg gehabt.
Der freie Markt könne viel regeln. Aber wenn es nicht mehr funktioniere, dann müsse der Staat eingreifen, so Locher. Darum laute die Forderung, dass die Schweizerische Nationalbank den Euro-Frankenkurs auf 1,40 Euro festlege. Zur Zeit läge er bei 1,20. Er sei aber auch schon bei eins zu eins gelegen.
Druck auf Arbeitnehmer bei Entlohnung
Spürbar wird der Druck auf die Arbeitnehmer etwa bei der Entlohnung. Im benachbarten Widnau hätte ein Arbeitgeber für eine Stunde am Bau fünf bis sieben Euro bezahlt, der normale Tarif liege bei 20 bis 25 Franken.
In Liechtenstein habe die Exportwirtschaft die massive Verteuerung durch den Frankenkurs bereits deutlich zu spüren bekommen, sagt Sigi Langenbahn, Präsident des Arbeitnehmerverbandes Im Fürstentum. Es gebe immer wieder Fälle, in denen Arbeitgeber Eurolöhne ausbezahlen.
Man habe sehr viele Grenzgänger und es gäbe natürlich Arbeitgeber, die diese Situation ausnutzen und meinten, sie müssten ihre Arbeitskräfte aus dem Raum Österreich und Deutschland in Euro bezahlen - und das zum Teil zu Fantasie-Wechselkursen, die vielleicht vor zwei Jahren einmal gültig gewesen seien.
Christmann: Versprechen der Regierung nicht erfüllt
Viele Bezieher von Niedrigeingekommen gibt es seit einigen Jahren in Süddeutschland. Die Zuwächse sind fast doppelt so groß wie im Bundesschnitt, sagt Gottfried Christmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Das Versprechen der Regierung, Arbeitslose mit prekären Verhältnissen wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen, habe sich nicht erfüllt.
Publiziert am 22.08.2012

