Diskussion über neuen Leiharbeiter-Fonds
Wenn über ein Arbeitsverhältnis immer wieder heftig diskutiert wird, dann ist es jenes der Leiharbeiter. 2.800 Leasingkräfte sind in Vorarlbergs Unternehmen tätig. Läuft es der Wirtschaft gut, werden schnell viele von ihnen gebraucht - läuft es schlecht, sind sie aber die ersten, die wieder auf der Straße stehen. Für diesen Fall, sollen die Betroffenen künftig besser unterstützt werden. Das Sozialministerium plant ab 2013 einen eigenen „Sozial- und Fortbildungsfonds“.
Im Fonds sollen gut zehn Millionen Euro zusammenkommen. Daraus sollen für die betroffenen, arbeitslosen Leiharbeiter Weiterbildungskurse oder Zuschüsse zum Arbeitslosengeld finanziert werden, berichtet der „Standard“.
WK: „Den Leiharbeitern geht es gut“
Arbeitslose Leiharbeiter
Rund 700 Leiharbeiter waren Ende Juni in Vorarlberg arbeitslos gemeldet. Das sind um 70 mehr als noch vor einem Jahr. Von den über 2.800 Leiharbeitern sind nur 16 Prozent Frauen. Bei den Arbeitslosen liegt der Frauenanteil bei 28 Prozent.
Bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg sieht man das kritisch. Den Leiharbeitern im Land gehe es gut, sagt Susanna Troy von der Fachgruppe für gewerbliche Dienstleister. Aus Sicht der Personalleasing-Branche seien die derzeitige Instrumente mehr als ausreichend. Österreich habe eines der besten Arbeitskräfteüberlassungsgesetze in ganz Europa und einen Arbeitskräfteüberlassungs-KV, der auf einem Niveau der Elektro- und Metallindustrie angesiedelt sei.
Daher hätten die Leiharbeiter in Österreich sehr gute finanzielle Rahmenbedingungen, was auch Studien bestätigen, so Troy. Zudem hätten Leiharbeiter in vielen Branchen unterm Strich sogar ein höheres Einkommen als manche Stammarbeiter. Dass die Firmen nun zusätzliche Beiträge in einen Fonds einbezahlen müssen, das könnte sich auch negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken, meinte Troy.
Wenn sich die Zeitarbeit verteure, werde dieses Instrument der flexiblen Personalplanung für die Betriebe auch teurer und es ist zu befürchten, dass dann generell weniger Mitarbeiter beschäftigt werden, befürchtet Troy. Die Firmen müssten ohnehin pro beendetem Dienstverhältnis künftig 110 Euro bezahlen.
Arbeiterkammer befürwortet Unterstützung
Diametral entgegengesetzt sieht das naturgemäß die Arbeiterkammer. Michael Simma, Bereichsleiter für Sozialpolitik, befürwortet zusätzliche Unterstützung für die Leiharbeiter. Zum einen seien Leiharbeiter mitunter mit Stehzeiten konfrontiert, die von den Verleihfirmen umgangen würden und zweitens sei das Armutsrisiko für diesen Personenkreis sehr hoch.
Noch besser als ein Sozialfonds wäre für Simma aber eine generelle Beschränkung. Es sei wesentlich, dass man die Anzahl der Leiharbeiter in den beschäftigten Betrieben limitiere auf zehn bis 15 Prozent, um damit auch eine Überbordung oder eine Masse von Leiharbeitern hier einzugrenzen, meinte Simma.
Ob und in welcher Form der Sozial- und Fortbildungsfonds für Leiharbeiter kommen wird, entscheidet die Bundesregierung am 4. September.
Fachkräftemangel trotz Leiharbeiter
Die Zahl der Leiharbeiter, die über heimische Arbeitskräfteüberlasser vermittelt werden, ist leicht gesunken. Ende Juni waren über 2.800 Leiharbeiter in Vorarlberg beschäftigt.
Das entspricht laut Arbeitsmarktservice einem Rückgang von fast 400 Stellen im Jahresvergleich. Das sei aber noch kein Warnsignal für eine deutlich schlechter werdende wirtschaftliche Lage, heißt es bei den heimischen Arbeitskräfteüberlassern. Zwar stagniere die Nachfrage in einigen Bereichen - wie etwa der Metallindustrie. Aber Facharbeiter seien nach wie vor gefragt und schwer zu finden, sagt etwa Martin Dünser von der Praxis Personalmanagement.
Viele Fachkräfte kommen aus Deutschland
Nach wie vor würden viele Fachkräfte aus Deutschland kommen, sagt Martin Hagen von APS Personal. Allerdings seien auch diese Spezialisten mobil - und würden auch in anderen Ländern relativ leicht Arbeit finden. Zudem würden osteuropäische Fachkräfte vor allem im näher gelegenen Wiener Raum arbeiten, sagt Hagen.
Während kleine Firmen übrigens öfter Leiharbeiter ins eigene Team übernehmen, ist das bei größeren Unternehmen seltener der Fall, sagt Dünser: Denn für diese Unternehmer sind die Leiharbeiter sozusagen die Manövriermasse, mit denen man Auftragsschwankungen ausgleiche.
Publiziert am 25.08.2012

