Post: Kein Job wegen Morbus Crohn?

Der Fall des 26-jährigen Daniel ruft die Postgewerkschaft auf den Plan. Die Gewerkschaft wirft dem Postmanagement unsoziales Verhalten vor. Die Post verweigere einem jungen Mann die Anstellung, weil er an der Darmerkrankung Morbus Crohn leide.

Daniel ist ein aufgeweckter junger Mann. Der gelernte Einzelhandelskaufmann wäre gern Post-Zusteller geworden. Einen Probemonat hat er erfolgreich absolviert. Seine Vorgesetzten hätten sich zufrieden mit seiner Arbeit gezeigt, berichtet er. Daniel rechnete mit einer Anstellung. Doch es kam anders. Am letzten Tag des Probemonats teilte man Daniel mit, aus dem Job werde nichts. Gründe nannten seine Vorgesetzten keine.

Gewerkschaft bezeichnet Post als „unsozial“

Daniel, Personalvertretung und Postgewerkschaft vermuten, die Absage habe mit seiner Krankheit zu tun. Daniel hatte am ersten Arbeitstag bekanntgegeben, dass er unter Morbus Crohn leide - einer Autoimmun-Erkrankung der Darmschleimhaut. Die Krankheit sieht man Daniel nicht an. Ansteckend ist sie nicht.

Für Personalvertretung und Postgewerkschaft ist die Absage an Daniel unverständlich. Arbeitswillig, schnell und freundlich habe sich der junge Mann gezeigt. Sollten im Probemonat kleine Falschzustellungen passiert sein, wäre dies kein Grund jemanden nicht zu beschäftigen, so die Arbeitnehmervertreter.

700 Adressen merke sich im ersten Monat niemand. Man habe Daniel einen äußerst schwierigen Bezirk zugeteilt. Er verdiene eine zweite Chance. Die Geschäftsführung der Post handle unsozial, sagt Gewerkschaftsvorsitzender Franz Mähr. Die Personalvertretung der Post mit Richard Steiner pflichtet bei. Daniel sei unter einem Vorwand gekündigt worden.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Ein Bericht von Magda Rädler, Reinhard Mohr (Kamera), Bernhard Torghele (Schnitt). Interview Daniel, Franz Mähr (Postgewerkschaft)
Paul-Gerhard Peters (Facharzt Innere Medizin Landeskrankenhaus Feldkirch)

Post-Generaldirektor Pölzl Fall vorgelegt

Gewerkschafter Franz Mähr hat Post-Generaldirektor Georg Pölzl mit dem Fall Daniel befasst. Pölzl war urlaubsbedingt für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Pressesprecher der Post-AG, Stephan Fuchs, teilt mit, die Arbeitsqualität des Bewerbers habe nicht gepasst, deshalb sei er nach dem Probemonat nicht verlängert worden. Mit der Erkrankung des Bewerbers habe die Absage nichts zu tun.

Arztbehandlung außerhalb des Dienstes

„Morbus Crohn“ behindert den 26-jährigen Daniel offenbar stark bei der Jobsuche. Die Krankheit kann einen schubweisen Verlauf nehmen. Während der Schübe sind häufige Toiletten-Gänge bis zu zehnmal am Tag und mehr nötig. Daniel berichtet, dann werde er für faul gehalten, weil er so oft das WC aufsuche. Alle sechs Wochen benötigt er eine Therapie im Krankenhaus. Sein Arzt versichert, dass man die Infusionen außerhalb der Arbeitszeit lege.

Mit Morbus Crohn ist man arbeitsfähig, erläutert der Oberarzt Paul-Gerhard Peters vom Landeskrankenhaus Feldkirch. Eine Ansteckung müsse niemand befürchten. Weil unter Arbeitgebern über die Krankheit große Unwissenheit herrsche, zögere man häufig einen Betroffenen zu beschäftigen.