Kinderarbeit kam auch in Vorarlberger Heim vor
Nach dem Bekanntwerden von Kinderarbeit in einer Tiroler Landeserziehungsanstalt für namhafte Unternehmen wie Swarovski oder Darbo in den 1970er-Jahren berichtet Kinder- und Jugendanwalt Rauch von Kinderarbeit in Vorarlberg.
Die acht bis 15 Jahre alten Buben seien in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren speziell im Sommer bei Landwirten im Walgau für Erntearbeiten und Hilfsdienste herangezogen worden. „Unbezahlt und teilweise bis zur Erschöpfung und Bewusstlosigkeit bei großer Hitze“, gab Rauch die Erlebnisse der damaligen Heimkinder wieder. Einzelne hätten auch davon berichtet, dass sie von Erziehungspersonal beim privaten Hausbau eingesetzt wurden, ebenfalls ohne Bezahlung. Dazu kamen Gewalt und heiminterne Strafdienste. Man stehe hier in der Aufarbeitung erst am Anfang, betonte Rauch.
Auch einige positive Schilderungen
Von organisierter Zwangsarbeit kann man laut Michael Rauch noch nicht sprechen. Denn es habe auch positivere Erzählungen der Betroffenen gegeben. So hätten einige berichtet, dass sie durch diese Arbeit vom Heim weg kamen und sie dadurch Zugang zu sehr gutem Essen bekommen hätten.
Keine Lohnarbeit in Industriebetrieben
Zu Lohnarbeit in Vorarlberger Industriebetrieben sei es seines bisherigen Wissens nach nicht gekommen. Die Kinder wurden großteils im Alter von 15 Jahren aus dem Heim Jagdberg entlassen und begannen dann meist eine reguläre Arbeit oder Lehre. Zeitweise seien mehr Kinder aus Tirol in Vorarlberg untergebracht gewesen als umgekehrt. „Bisher standen eher die Formen der erlebten Gewalt im Hauptfokus, die Kinderarbeit ist ein noch relativ neues Thema“, sagte Rauch. Darum habe man auch auf die wichtige historische Untersuchung der Heimerziehung zwischen 1945 und 1990 gedrängt, um alle Aspekte aufarbeiten zu können. „Das wird uns sicher noch länger beschäftigen“, so der Kinder- und Jugendanwalt.
Viele Meldungen nach Aufruf eingegangen
Opferschutzstelle
Schießsstätte 12
6800 Feldkirch
Tel.: 05522 / 84900
Zur Homepage
Erst am Donnerstag hatte Landesrätin Greti Schmid (ÖVP) betroffene Vorarlbergerinnen gebeten, sich bei der Opferschutzkommission zu melden, falls auch sie von der Heimkinderarbeit in Tirol betroffen waren. Wie sie betont, gehe es um die Durchsetzung von Entschädigungs- bzw. möglichen Pensionsansprüchen.
Seit diesem Aufruf geht es rund in der Kinder- und Jugendanwaltschaft, in der die Opferschutzkommission untergebracht ist, sagt Rauch: Es seien am Freitag sehr viele Meldungen eingegangen. Rauch sei derzeit mit dem Sortieren der Fälle beschäftigt. Durch den Aufruf von Schmid sei nun ein völlig neuer Aspekt der Heimerziehung zum Thema geworden. Rauch erwartet sich diesbezüglich in nächster Zeit noch einige Arbeit.
„Dass es das gab, war mir selbst auch neu“
Auch für ehemalige Zöglinge, die in Vorarlberger Heimen lebten und als Kinder schwere Arbeit in der Landwirtschaft leisten mussten, versprach Schmid Unterstützung. „Dass es das gab, war mir selbst auch neu. Selbstverständlich gilt auch für diese Personen das Angebot, sich bei der Opferschutzstelle zu melden“, so Schmid am Freitag. Man werde alle Informationen dazu sammeln, die Fälle analysieren und dann bewerten, inwieweit Ansprüche in sozialrechtlicher Hinsicht bestehen.
Links:
- Arbeit von Heimkindern nicht nur für Swarovski (tirol.ORF.at, 16.8.2012)
- Unbezahlte Arbeit von Heimkindern? (tirol.ORF.at, 14.8.2012)
Publiziert am 17.08.2012

