Dowas-Bilanz zeigt steigende Armut auf
Offenbar schlügen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Finanzkrise inzwischen voll auf den einkommensschwachen Teil der Bevölkerung durch, vor allem Nicht-Österreicher seien stark betroffen, erklärte Geschäftsführer Michael Diettrich. Einmal mehr kritisierte Dowas den fehlenden günstigen Wohnraum im Raum Bregenz, die Lage sei mittlerweile „dramatisch“.
Im Video zu sehen: Michael Diettrich (Dowas-Geschäftsführer); Beitrag von Daniela Marte, Manfred Abel, Markus Felder
882 Klienten im Jahr 2011 betreut
2011 kümmerte sich Dowas um insgesamt 822 Klienten. 666 Personen wurden im Rahmen der bedarfsorientierten Mindestsicherung betreut, eine Zunahme im Vergleich zum Vorjahr von fast 40 Prozent. Auffallend sei hier vor allem der steigende Anteil von Nicht-Österreichern, die rund 47 Prozent der in der Mindestsicherung Betreuten ausmachten.
Mit 7,8 Prozent waren Russen, vor allem tschetschenische Konventionsflüchtlinge, die größte Gruppe, gefolgt von Deutschen (7,4 Prozent) und Türken (7,2 Prozent). 81 Prozent der Klienten hätten bereits vor dem Beginn der Betreuung in Vorarlberg gelebt. Der hohe Ausländeranteil spiegle das bekannt hohe und zunehmende Armutsrisiko von in Österreich lebenden Zuwanderern wider, erklärte Diettrich.
Schlechte Ausbildung als Hauptproblem
Das Problem liegt laut Dowas anders als vielfach geäußert nicht in fehlenden Sprachkenntnissen - „wir haben überhaupt keine Verständigungsprobleme mit hier aufgewachsenen Türken“ - sondern bei mangelnden Kompetenzen in der Bildungs- und Schriftsprache, dabei unterschieden sich die ausländischen Klienten aber nicht von den österreichischen.

ORF
Dowas-Geschäftsführer Michael Diettrich.
Nahezu alle kämen aus bildungsfernen Schichten, hätten eine schlechte Ausbildung und daher keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Um das Problem zu lösen, müsse man daher die soziale Selektion im Bildungssystem senken, forderte Diettrich.
Wohnungsmangel verschärft
Bereits im vergangenen Jahresbericht kritisierte Dowas den Mangel an leistbarem Wohnraum, inzwischen habe sich das Problem im Raum Bregenz dramatisch verschärft. Noch vor zwei Jahren habe in Bregenz eine 30 bis 50 Quadratmeter große Wohnung auf dem freien Markt 300 bis 450 Euro gekostet, derzeit eher 500 bis 650 Euro. „Der Richtwert der Mindestsicherung für eine Wohnung bis 50 Quadratmeter liegt übrigens bei 540 Euro“, so Diettrich. Wegen der hohen Nachfrage kämen Dowas-Klienten vor allem bei günstigen Wohnungen kaum mehr zum Zug. Große Schwierigkeiten habe man derzeit vor allem bei der Wohnungssuche für kinderreiche Familien. Handle es sich bei der Familie um Zuwanderer, seien die Chancen „gleich Null“. Im gemeinnützigen Wohnbau müsse es daher erheblich mehr Anstrengungen geben, betonte der Geschäftsführer.
Publiziert am 20.07.2012

