Wetterglück für „Andre Chenier“

Nach der Uraufführung von „Solaris“ im Festspielhaus haben die Bregenzer Festspiele heute die Saison auf der Seebühne eröffnet. Mit „Andre Chenier“ wurde damit eine im letzten Jahr vielfach umjubelte Produktion im spektakulären Bühnenbild wieder aufgenommen.

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Obwohl bis kurz vor Beginn die Zeichen an der Wetterfront noch eher schlecht standen, blieb es während der zweistündigen Aufführung trocken und Umberto Giordanos Oper konnte ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen. Viel Applaus gab es am Ende für alle Beteiligten, vor allem aber für Hector Sandoval in der Titelrolle und Tatiana Serjan als Maddalena di Coigny.

Das 1896 in Mailand uraufgeführte Werk handelt vom gleichnamigen Dichter und seiner Liebe zur Adeligen Maddalena während der französischen Revolution. In der Dreiecksgeschichte ist der Diener und spätere Revolutionär Carlo Gerard der markante Gegenspieler. Die Geschichte endet für das Liebespaar erwartungsgemäß letal unter der Guillotine. Nach dem Libretto von Luigi Illica hat Giordano mit „Andre Chenier“ das erfolgreichste Werk seiner Laufbahn komponiert.

Szenenbild "Andre Chenier"

Bregenzer Festspiele / Karl Forster

„Andre Chenier“ ist ein „historisches Drama von brillanter Schärfe und eine menschliche Tragödie von erschütternder Intensität“, so die Bregenzer Festspiele

Ein Riesenkopf im Bodensee

Auf der Seebühne beeindruckt das überdimensionale Bühnenbild (David Fielding), eine dem Gemälde „Marats Tod“ von Jaques-Louis David nachempfundene Riesenskulptur mit einem kippbaren 60 Tonnen schweren Kopf. Nach dem ersten Akt wird ein rund 1.000 Quadratmeter großes Tuch wie ein Vorgang hochgezogen, der Riesenkopf Marats wird sichtbar und die Revolutionswirren beginnen.

In einem von Keith Warner inszenierten, furiosen Ablauf feiert anfangs der dekadente Adel überbordende Feste, später wüten revolutionäre Garden oder Robespierres Tribunal urteilt über Leben und Tod. Als Sensenmann tritt er in personifizierter Form immer wieder auf und bildet dadurch eine dramaturgische Klammer.

Für viele der Beteiligten - Crew, Sänger und Stuntleute - bedeute die Wiederaufnahme der Oper auf der Seebühne eine Rückkehr an den Bodensee. So auch für Ulf Schirmer, der bereits im letzten Jahr für die musikalische Leitung der Oper zuständig war und auch heuer wieder am Pult der Wiener Symphoniker steht.

Szenenbild "Andre Chenier"

Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Der 24 Meter hohe Torso ist von dem Gemälde „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David aus dem Jahr 1793 inspiriert

Erfolgsgekröntes Risiko bei der Stückauswahl

Mit der Stückauswahl von „Andre Chenier“ ist Intendant David Pountney ein Risiko eingegangen, ist die Oper doch alles andere als ein bekanntes Werk. Doch der Mut hat sich ausgezahlt, wie Kritiken und Publikumsreaktionen im letzten Jahr gezeigt haben.

Hinweis

„Andre Chenier“ ist bei den Bregenzer Festspielen bis 18. August auf der Seebühne (bei Schlechtwetter im Festspielhaus) zu sehen.

Es sei eine Produktion, „die nicht nur zum stärksten gehört, was dort bislang zu erleben war, sondern auch die Frage provoziert: Warum erst jetzt?“, hieß es etwa im „Münchner Merkur“ anlässlich der Premiere voriges Jahr. „Eine Meisterleistung“ nannte „Die Welt“ die Inszenierung, für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ist der Bregenzer „Andre Chenier“ „packendes Musiktheater“ mit „technischer Perfektion“.

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