Unternehmen punkten durch Risikobereitschaft

Der Erfolg von Klein- und Mittelunternehmen in Vorarlberg hängt vor allem von ihrer Risikobereitschaft ab. Das besagt eine Studie der Universität Liechtenstein, für die 304 Unternehmen in Vorarlberg, Schweiz und in Liechtenstein untersucht wurden.

Was für Eigenschaften muss ein Unternehmen aufbringen, um erfolgreich zu sein? Die Wirtschaftswissenschaft und auch der unternehmerische Hausverstand nennen Risikobereitschaft einerseits und die Fähigkeit zur Innovation andererseits als entscheidende Kriterien für den Erfolg eines Unternehmens. Ein Forscherteam an der Universität Liechtenstein hat untersucht, wie stark diese Kriterien zum Erfolg von Klein- und Mittelunternehmen im Vorarlberger und Schweizer Rheintal und in Liechtenstein beitragen.

Ein Unternehmen, das durch Risiko Erfolge erzielt, ist zum Beispiel das Liechtensteiner Brauhaus. Es wurde vor einigen Jahren gegründet und das obwohl der Liechtensteiner Biermarkt zu der Zeit fest in der Hand von ausländischen Brauereien war. Laut Sascha Kraus von der Universität Liechtenstein ist das Brauhaus durchaus erfolgreich und damit ein Beispiel dafür, dass sich Risiko lohne.

Vorzeigefirma für Innovation: Blum

Das Team um Professor Kraus hat 304 Unternehmen aus der Region Rheintal und Liechtenstein untersucht, 117 davon aus Vorarlberg. Kraus sagt, dass die Ergebnisse so nicht vorherzusehen waren. Denn bei den Schweizer und Liechtensteiner Unternehmen entscheiden sowohl Risikobereitschaft als auch Innovationsfähigkeit über den Erfolg. Anders in Vorarlberg: hier ist es ausschließlich die Risikobereitschaft, die über den Erfolg der Unternehmen entscheidet. Was laut Kraus nicht bedeutet, dass Vorarlberger Unternehmen nicht innovativ wären. Kraus nennt als Beispiel die Firma Blum, deren Arbeit die Bedienungsfreundlichkeit von Schubladen und dergleichen auf ein ganz neues Niveau gehoben habe.

Vereinzelt kommt auch „Proaktivität“ vor

Neben Innovationsfähigkeit und Risikobereitschaft gibt es übrigens noch ein drittes Kriterium für unternehmerisches Handeln: Die sogenannte Proaktivität. Von Proaktivität spricht man laut Kraus, wenn ein Unternehmen nicht nur ein vorhandenes Produkt weiterentwickelt. Proaktivität heißt vielmehr, dass völlig neue Dinge geschaffen werden, mit denen völlig neue Märkte und Kundenschichten erschlossen werden.

Ein Beispiel für Proaktivität, das Kraus nennt, ist die Entwicklung des I-Pod von Apple. Proaktives Handeln komme bei den Unternehmen im Rheintal nicht häufig vor, vereinzelt aber doch: das Koblacher Unternehmen Amann-Girrbach etwa habe ein digitales Gerät entwickelt, mit dem Zahnärzte Kronen herstellen können, auch wenn sie kein eigenes Dentallabor haben. Das so Kraus, ist nicht einfach innovativ, sondern proaktiv.

Astrid Felsner