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Nachlesen |
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Besprochene Bücher - Buchtitel beginnen mit C
Campus Sanctus
Cliffhanger
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5.9.08 |
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"Cliffhanger" von Tim Binding, marebuchverlag
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Beste britische Krimikunst
Die Lektüre von "Cliffhanger" lohnt unbedingt. Der englische Autor Tim Binding versteht sein Handwerk, er hat schon sechs Romane geschrieben, zwei sind ins Deutsche übersetzt worden. – Was bedeutet der Titel, den man in der englischen Form gelassen hat?
Ein "cliffhanger" ist in der Populärliteratur eine zugespitzte Situation am Ende einer Folge eines Fortsetzungsromans – eben die Sachlage, dass der Held an einer Klippe hängt und sich mit letzter Kraft festhält. Wird er fallen? Das erfährt man in der nächsten Folge, die man wieder kaufen muss … der Icherzähler und düstere Held dieser Geschichte kommt in diese bedauernswerte Lage schon sechs Seiten nach Beginn. Er war nämlich seiner Frau überdrüssig und hat sie an einem windigen Tag von der Klippe gestoßen und geht beschwingt nach Hause, wo ihn die vermeintlich Ermordete putzmunter begrüßt.
Von da an hat Al Greenwood, seines Zeichens Taxiunternehmer in dem sehr ländlich geprägten englischen Küstenort, keine ruhige Minute mehr. Wenn nicht seine Frau Audrey, wen hat er dann über die Klippe befördert? Al glaubt, dass ihn niemand gesehen hat, aber auch das erweist sich als Irrtum. In dem Nest mit seinem Militärstützpunkt und dazu gehörendem Personal gehen unter der Oberfläche viele Dinge vor, die bürgerlicher Wohlanständigkeit widersprechen.
Für Al Greenwood ist seine charakterliche Veranlagung außerordentlich verhängnisvoll. Er ist ein Tunichtgut, ein zutiefst boshafter Mensch, der niemanden liebt außer seinen beiden Koi-Karpfen. Es triff sich für Al Greenwood gut, dass auch der untersuchende Detektive-Inspektor ein begeisterter Karpfenzüchter ist. Der Aufklärung des Falles ist es eher nicht dienlich. Das Buch bietet uns nicht nur ein Rätsel, sondern deren mehrere, die am Schluss alle gelöst werden – und dieser Schluss ist "überraschend", wie das immer heißt … kommt Al Greenwood davon – oder stürzt er von der Klippe? Lesen Sie selbst, es lohnt sich, beste britische Krimikost. |
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1.2.2008 |
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"Campus Sanctus" von Iker Jiménez, Rowohlt Taschenbuch Verlag.
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Ein Buch, das Blut in den Adern gefrieren lässt
"Campus Sanctus" ist ein Thriller von der Art, die "das Blut in den Adern gefrieren lässt", wie das manchmal heißt – andere dagegen kriegen nur Bauchweh - vor lauter Lachen. Ich will damit sagen: die Aufnahme solcher Werke beim Publikum ist durchaus zwiespältig, gleichgültig lassen sie aber niemanden, das ist ja auch etwas.
Der spanische Autor Iker Jimenez moderiert in einem spanischen Privatsender eine eigene Radiosendung, die sich zu nächtlicher Stunde mit Fragen des Okkulten beschäftigt – dort versammelt er bis zu sechshunderttausend Hörer; Sendung und Person des Moderators sind nicht unumstritten, um es vorsichtig zu formulieren...nun, wie steht es um den Roman „Campus Sanctus“? Dessen Icherzähler Aníbal Navarro verfolgt die Spur eines vor dreißig Jahren in der verlassenen Gemeinde Tinieblas de Sierra unter mysteriösen Umständen verstorbenen Kollegen – der war seinerseits mit Recherchen über eine geheimnisvolle ketzerische Sekte befasst, die es offenbar durch Anwendung uralter magischer Praktiken geschafft hat, einen Blick auf die andere Seite des Daseins zu werfen, in das Reich der Toten. Eine zentrale Rolle spielen dabei gewisse Gemälde von der Hand des Hieronymus Bosch; diese Werke hatte der spanische König Phillip II. vor seinem Totenbett versammelt...und so weiter.
Natürlich stehen Anibal eine Reihe tapferer Gefährten zur Seite, darunter der imposante deutsche Bosch-Spezialist Prof. Kleinberger, der aussieht wie Bismarck, natürlich häufen sich „unerklärliche und beunruhigende Vorkommnisse“ – und die Inquisition lebt immer noch, wir haben es geahnt!...Bei solchem Garn kommt es nicht so sehr aufs Garn an, als auf das Spinnen. Das können andere besser, aber die Geschichte ist spannend und durch ihre Verwurzelung im alten Europa ein erfrischender Gegensatz zu den stromlinienförmigen Erzeugnissen amerikanischer Okkultbestseller wie „Sakrileg“. An alle, die sich gerne gruseln: Üben Sie europäische Solidarität und beziehen Sie Ihre Okkultschmöker aus Spanien – wie das Olivenöl... |
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16.11.2007 |
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"Callisto oder die Kunst des Rasenmähens" von Thorsten Krol, Blessing Verlag
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Ein naiver Held
"Callisto oder die Kunst des Rasenmähens" ist der seltsame Titel dieses Romans, Torsten Krol der nicht weniger seltsame Name des Autors - ein Pseudonym, der Autor kommuniziert mit Agent und Verlag nur über E-Mail. "Callisto" ist eine Kleinstadt in Kansas und gleichzeitig ein Roman ums Überleben. Das stellt sich nämlich für den Helden Odell Deefus als zunehmend schwierig heraus.
Odell Deefus ist jung, naiv, ohne Schulabschluss und herzensgut. Und - nun ja - man kann es nicht anders sagen: ziemlich dumm. In Punkto Überleben ist es zur Zeit sicher eine ganz dumme Idee, sich bei der Army für den Einsatz im Irak zu melden – genau das hat Odell Deefus vor, aber daraus wird nichts. Nach einer Autopanne klingelt Odell bei einem einsamen Farmhaus und lernt Dean Lowry kennen; der junge Mann besorgt für die betuchteren Bürger Callistos das Rasenmähen. Mister Lowry ist ganz nett, was aber bedeutet das zwei Meter lange Loch auf dem Hühnerhof? Es ist leer, aber das bleibt nicht so.
Es beginnt eine ebenso wahnwitzige wie witzige Kette von Missverständnissen, die das Leben des Helden zunehmend schwieriger werden lässt, bis es nur noch an einem seidenen Faden hängt (eigentlich an einem Gummiseil, aus der hinteren Luke einer C130 Transportmaschine heruntergelassen). – Odell Deefus ist ein naiver Held, ein "einer Tor", der alles zu spät oder gar nicht versteht.
Er ist eine Art invertierter "Schwejk". Der stellt sich blöd, während die eigentliche Blödheit im österreichischen Militär wütet; Deefus ist tatsächlich beschränkt, aber was im amerikanischen Machtapparat wütet, ist nicht Blödheit, sondern Paranoia und Verbrechen. Daher sind auch die letzten Kapitel, wie einem Schlaumeier in einem unsäglichen Literatur-Blog aufgefallen ist, "gar nicht mehr lustig" – stimmt auffallend, aber das Wesen der Satire besteht nicht in "Lustigkeit" – nach den letzten Kapiteln versteht man auch, warum sich der Autor so bedeckt hält. Beim gegenwärtigen Klima in den USA ist das sicher gesünder… Genialer Wurf! |
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