„Focus" zum Thema „Sinnkonzepte“

In der ORF Radio Vorarlberg-Sendung „Focus“ sprechen Professorin Marianne Gronemeyer und Professor Matthias Sutter zum Thema „Sinnkonzepte“.

Sendehinweis:

„Focus" – Themen fürs Leben bei ORF Radio Vorarlberg
Samstag, 3. Februar 2018, 13.00 bis 14.00 Uhr

„Von den Schwachen und den Könnern in unserer Gesellschaft"

Ist die perfekte Gesellschaft menschenlos? Das war die rhetorische Annäherung von Marianne Gronemeyer an die Gesellschaft der Schwächen. „Eine Gesellschaft ist so gut, wie ihr Umgang mit den Schwächsten ihrer Mitglieder“, zitiert Gronemeyer den Philosophen Theodor W. Adorno.

Die Sendung zum Nachhören:

Was ist das für eine Gesellschaft, in der alles Scheitern, alle Schwäche, alle Krankheit als eine Minderform des Seins gilt? Die einen können nicht lesen, die anderen nicht gehen, einige sind farbenblind oder haben zwei linke Hände.

Was würde sich für diese Menschen und das gesamte Gemeinwesen ändern, wenn wir das „Nicht-Können“ nicht als Defizit, nicht als Mangel oder als eine Minderform des Menschseins oder als andere Form des Menschseins begreifen. Wenn man das Nicht-Können nicht als Makel wahrnimmt, sondern als eine Form des Menschenmöglichen.

Focus Sinnsuche
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Marianne Gronemeyer

Marianne Gronemeyer outet sich seit den Kriegstagen als klaustrophobisch. Sie meidet Fahrstühle, lange Tunnel oder Menschenansammlungen, wo es für sie eng werden könnte. Sie ersuche, wenn eine entsprechende Situation entsteht, Menschen darum, auf sie aufzupassen und sie habe noch nie eine Zurückweisung in ihrem Anliegen erfahren müssen. Es sei eine schwere Bürde von so einem Makel besetzt zu sein, aber der Anspruch (das Ansprechen) an andere Menschen erweise sich als höchst hilfreich, weil Menschen auf Hilfestellung angesprochen immer gerne helfen.

„Gerechtes Wirtschaften und die Sinnhaftigkeit ökonomischer Beziehungen“

Als Volkswirtschaftler werde man damit in Verbindung gebracht, dass man ein Könner sei, der Kälte ausstrahlt und der Nullsummenspiele vertritt, der die Männerwelt protegiert und für den das Scheitern eine Minderform des Seins sei.

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Matthias Sutter

Wirtschaft sei ein kreativer Prozess, der durch Innovationen kreative Auseinandersetzungen von Menschen fördere, sagt Matthias Sutter. Mit Blick auf die Verhaltensökonomie sagt Sutter, sie denke so wie die Menschen denken. „Sie denkt, wie kann ich Verhaltensmuster beobachten und wie kann ich sie erklären. Und was spielt bei ökonomischen Verhaltensentscheidungen wirklich eine Rolle.“ In diesem Kontext erklärt Prof. Sutter die Begriffe

Fairness: „Wir haben eine tief verwurzelte Norm in uns, die Gerechtigkeit einfordert“

Vertrauen: „Das Vertrauen ermöglicht das System, in dem wir arbeiten.“

Geduld: „Für den Lebenserfolg ist die „geduldige“ Selbstkontrolle und etwas zu Ende zu bringen und ausdauernd zu sein, gleich bedeutsam wie der IQ und der familiäre Hintergrund.“

Zur Person:

em. Prof. Dr. Marianne Gronemeyer (* 1941 in Hamburg ) ist eine Erziehungswissenschaftlerin und Autorin.
Gronemeyer arbeitete acht Jahre als Lehrerin an einer Haupt- und Realschule . Nach einem Zweitstudium der Sozialwissenschaften an den Universitäten Hamburg, Mainz und Bochum promovierte sie 1976 in Hamburg zum Thema Motivation und politisches Handeln. Von 1987 bis 2006 war sie Professorin für Erziehungswissenschaft an der Fachhochschule Wiesbaden.

Prof. Dr. Matthias Sutter (* 1968 in Hard, Vorarlberg ist ein österreichischer Volkswirt , der auf dem Feld der Experimentellen Wirtschaftsforschung und Verhaltensökonomik forscht und an der Universität zu Köln und der Universität Innsbruck lehrt. Er studierte zunächst Katholische Theologie an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck. Nach dem Magister im Jahr 1993 begann er dort ein Studium der Volkswirtschaftslehre, welches er 1996 abschloss. Sutter wurde 1999 in Innsbruck promoviert und habilitierte sich dort 2002.

In der Folge war er zwei Jahre Professor am Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena und arbeitete 2005/06 ein Jahr am Lehrstuhl von Axel Ockenfels an der Universität zu Köln 2006 kehrte er als Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung ans Institut für Finanzwissenschaften an die Universität Innsbruck zurück.Von 2007 bis 2013 war er Gastprofessor am Department of Economics der Universität Göteborg und von 2013 bis 2014 war er Professor of Applied Economics am European University Institute (EUI) in Florenz. Von Juli 2013 bis Dezember 2014 war er bereits Mitglied der International Faculty der Universität zu Köln, wo er seit Januar 2015 eine Exzellenzprofessur (Lehrstuhl Economics: Design and Behavior) hat.

Prof. Dr. Matthias Sutter ist seit 2017 Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn.

Musik:

Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach
Vorlage: Antonio Vivaldi
Bearbeiter/Bearbeiterin: Bogdan Bacanu
* Allegro - 3.Satz (00:03:08)
Titel: Concerto in a-moll BWV 1065 / Arrangement für 8 Marimbas und Orchester (orig. Konzert für 4 Cembali und Orchester)
Leitung: Michi Gaigg
Ausführende: L’Orfeo Barockorchester
Ausführende: The Wave Quartet
Solist/Solistin: Christoph Sietzen /Marimba
Solist/Solistin: Bogdan Bacanu /Marimba
Solist/Solistin: Emiko Uchiyama /Marimba
Solist/Solistin: Vladimir Petrov /Marimba
Solist/Solistin: Fabian Homar /Marimba
Solist/Solistin: Kai Strobel /Marimba
Solist/Solistin: Elliot Gaston-Ross /Marimba
Solist/Solistin: Sebastian Wielandt /Marimba
Label: Sony Classical 88985436462

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