„Heilende Wirkung und Bruchlinien von Beziehungen"

Neurobiologe Joachim Bauer spricht in „Focus“ über menschliche Beziehungen, Universitätsprofessor Paul M. Zulehner über Menschen an den Rändern der Gesellschaft.

Sendehinweis:

„Focus" – Themen fürs Leben bei ORF Radio Vorarlberg
Samstag, 27. Jänner 2018, 13.00 bis 14.00 Uhr

Der Sinn hat mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun. Wäre der Mensch allein in diesem Kosmos, was würde der Sinn für einen Sinn machen, fragt Bauer. Wir Menschen brauchen mindestens zwei, damit so etwas wie Sinn entstehen kann. Sinn macht nur geteilt Sinn.

Die Sendung zum Nachhören

LOGOS war der Begriff der griechischen Philosophen für Sinn. LOGOS heißt ins Deutsche übersetzt nicht nur Sinn, sondern auch Wort. Ein Wort kann man nur zwischen Menschen sprechen. Sinn hat in dem, dass es mit dem Menschen zu tun hat, auch etwas damit zu tun, wie wir zusammenleben. Unser Gehirn ist auf soziales Miteinander und soziales Zusammenleben ausgerichtet. Die Frage sei, wie das Zusammenleben aussieht, sagt Joachim Bauer.

Joachim Bauer
ORF
Joachim Bauer

Ein kommunikatives Geschehen stößt einen biologischen Prozess an. Was ist Beziehung? Beziehung ist, wenn Menschen miteinander in Resonanz kommen. Hier wird von der einen Person gesprochen, die andere hört zu. Es entsteht Resonanz. Über Resonanzsysteme kann man Menschen zur Freude, zur Vitalität anstecken, sagt Bauer. Die einen Lehrer können ihre Schüler zur Aktivität aufmuntern, andere haben die Wirkung einer Valium-Tablette.

„Menschen an den Rändern ins Leben zurückholen!“

Papst Franziskus hat gesagt, wir erleben nicht die Ära eines Wandels, sondern den Wandel einer Ära in unserer Menschheitsgeschichte. Paul Zulehner macht den Wandel auch an der katholischen Kirche in Europa fest. „Was ist, wenn das alte Sinnsystem der katholischen Kirche kollabiert?“, fragt Zulehner. Wenn es bedeutete, dass man den Kirchenbetrieb etwas herunterfahre, aber man daran nichts ändere, wäre fatal. „Gesetzt den Fall: Wir richten uns nicht neu aus, wir stellen uns der Übergangskrise nicht“.

Paul M. Zulehner
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Paul Zulehner

Auch die Kirche benötige ein Übergangsmanagement. Der Übergang gehe nur, wenn wir uns der Gründungsgeschichte entsinnen, betont Prof. Zulehner. Er zeigt ein Bild aus dem Kodex des Klosters Echternach: eine Buchmalerei. Es zeigt die Begegnung Jesu mit dem Aussätzigen.

Dem Aussätzigen fehlen drei Erfahrungen: 1. Es fehlt ihm an Ansehen, 2. Es fehlt ihm an Freiheit 3. Es fehlt ihm das Dazugehören. Aussatz ist eine Krankheit, sie ist aber auch eine soziale Beschreibung. Aussatz macht krank, weil der Betroffene nicht mehr kommunizieren kann. Jesus betreibt Gesetzesbruch und übertritt eine inhumane Norm. Die bedeutet 3 Aspekte: „1. Er schaut ihn an. Man wird zum Leben ermächtigt. 2. Er berührt ihn - die vorverbale Resonanz. 3. Er holt ihn damit zurück in die Gemeinschaft“

Zur Person:

Prof. Dr. Joachim Bauer ist Molekularbiologie, Neurobiologe und Arzt mit Ausbildung als Internist, Psychotherapeut und Psychiater. Sein Spezialgebiet ist die Psychosomatische Medizin. Er lehrt als Universitätsprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Bauer ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Sachbücher.

Paul Michael Zulehner (* 20. Dezember 1939 in Wien) ist ein österreichischer Theologe und katholischer Priester. Der seit 2008 emeritierte Universitätsprofessor gehört zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.

Musik:

CD* MANU DIBANGO - LIVE ’91
T* La javanaise/instr./live
S: Manu Dibango/Saxophon m.Begl.
A: Soul Makossa Gang/Instrumental
K: Serge Gainsbourg/1928 - 1991

CD* JAZZ A SAINT GERMAIN - A COLLECTION OF COVERS OF CLASSIC JAZZ TUNES : A TRIBUTE TO THE FREE SPIRIT OF PARIS IN THE 50’S
T* La Javanaise/instr.
S: Jacky Terrasson/Piano m.Begl.
NI: Pierre Michelot/Bass
NI: Alvin Queen/Drums
K: Serge Gainsbourg/1928 – 1991

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