Günther Loewit: „Schaffen wir die Kindheit ab?“

In der Focus-Sendung vom 25. März 2017 spricht Dr. Günther Loewit über das Thema: „Schaffen wir die Kindheit ab? Kinder und die unsterbliche Liebe."

Sendehinweis:
Donnerstag, 10. August 2017, 21.00 – 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg

Kinder sollten wieder Kinder sein dürfen; man sollte sie nicht in Goldburgen verbannen, damit sie vor allem Unheil ringsum verschont bleiben. Wenn Eltern sagten, sie wollen, dass es ihrem Kind besser als ihnen gehen soll, dann frage er sich in unserem Raum, wie dies verantwortbar sei. Wenn es uns schon so unverschämt gut gehe, wie soll es einem Kind noch besser gehen? Diese Einstellung sei für ihn der Anfang vom Untergang, dass wir alle Erwartungen in dieses 1,4 bzw. 1,2 Kind hinein interpretieren.

Die Sendung zum Nachhören:

Diese Konzentration beeinflusse das Kind. Es gebe in seinen Reaktionen den Eltern alles wieder zurück. Die Folge sei, dass manche Eltern Angst vor ihren Kindern haben, weil sie ihren Kindern nicht mehr Herr würden. Das sei die Folge des 1-Kind-Destillats. Eine seiner Thesen lautet, die Fertilitätsrate wurde in unserer Gesellschaft auf 1,4 Kinder reduziert und diese Reduktion führe bei den Ansprüchen der Eltern an deren Leben und das Leben ihrer Kinder mitunter zu schweren Mangelerscheinungen, die sich in Kinder-Depressionen, -Burnout und ADHS äußerten. „Kleine Kinder sagen mir, sie hätten Herzweh“, betont Loewit. Kindern tue das Herz weh, weil sie sich in diesem ihrem Leben nicht wohlfühlten.

Günther Loewit ist Arzt, Schulmediziner, mit 30-jähriger Praxiserfahrung. Er ist dreifacher Familienvater und legt in dieser Sendung ein Plädoyer für die Liebe zu Kindern ab.

Günther Loewit
pixelkinder.com

Er möchte sich als Nicht-Moralist und als Nicht-Wisser deklarieren. Tatsache sei aber, dass sich alles auf das Kind konzentriere, alle Erwartungen seien darauf ausgerichtet. Waren es früher im Regelfall sechs Kinder in einer Familie, so liegt die Fertilitätsrate heute bei einem. Hier liege ein Grund der Malaise für ihn und warum Kinder so anstrengend geworden sind. Das lege einen gewaltigen Druck auf die Kinder, weil sie mitbekommen, wie wichtig, kostbar und wertvoll sie sind.

Loewit scheut sich auch nicht, mit seinen Thesen gegen den Mainstream zu bürsten: „Man operiert 90-Jährige am offenen Herzen und macht lauter solchen Unfug.“ Er wettert somit auch gegen die eigene Profession. Das Geld für die angewandte Hochleistungsmedizin bei sehr betagten Menschen würde besser in Familien und Mütter investiert, die lieber zuhause bei ihren Kindern blieben. Loewit tritt u.a. auch für ein Müttergehalt (14-mal im Jahr) für jene Frauen ein, die ihre Zeit mit den Kindern verbringen wollen.

Dr. Günther Loewit war Gast der Reihe „GesprächsKultur“ in der Seifenfabrik in Lauterach.

(Erstsendung: 25. März 2017)

Zur Person:

• 1958 Geboren in Innsbruck, aufgewachsen in Innsbruck, Wien und New York.
• 1987 Seit 1987 Stadtarzt in Marchegg/Niederösterreich.
• Die ersten literarischen Arbeiten fallen ebenfalls in diese Zeit, seither entstehen umfangreiche Notizen und Aufzeichnungen, Essays und erzählende Texte.
• Ab September 2015 wöchentliche Radiokolumne „Die Welt der Medizin-Praxisnah“ im ORF-Radio-Wien

Literatur:

„Wir schaffen die Kindheit ab! Helikoptereltern, Tyrannenkinder und Förderwahn“ Haymon-Verlag.
2010 Im April erscheint das Sachbuch „DER OHNMÄCHTIGE ARZT” über die Krankheiten des Gesundheitssystems im „Haymon Verlag".
2012 Im September 2012 folgt das Nachfolgewerk „WIEVIEL MEDIZIN ÜBERLEBT DER MENSCH”, das die Gedanken des Buches „DER OHNMÄCHTIGE ARZT” in einem größeren Rahmen weiterführt - wieder im „Haymon Verlag". Das Buch wird zum Bestseller.

Musik:

G* CARPE DIEM Vol.3
T* My Solitude

A: CBM-Orchestra

K: Chris Hoffmann

CD* PRETTY PIANOS - Musikalische Unernsthaftigkeiten für 2 Klaviere
T* Swing alla turca - nach dem 3.Satz der Klaviersonate Nr.11 in A-Dur KV 331 (300i)

A: Rondo Piano
S: Peter Maurer/Klavier
S: Stephan Schappe/Klavier

K: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
B: Peter Maurer/Arrangement
B: Stephan Schappe/Arrangement

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