„Suizid und Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen. Früherkennung, Prävention und Intervention“

Prof. Dr. Martin Hafen, Soziologe, Sozialarbeiter, Luzern (CH), spricht in Focus über Suizid und Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen und wie vorgebeugt werden kann.

Sendehinweis

„Focus“ – Themen fürs Leben bei ORF Radio Vorarlberg
Samstag, 5. November 2016, 13.00 bis 14.00 Uhr
Donnerstag, 10. November 2016, 21.00 bis 22.00 Uhr (WH)

Was zählt zu den Risikofaktoren von Suizidversuchen bei Jugendlichen? Liebeskummer, das Gefühl, ein Versager, wertlos oder „das schwarze Schaf“ in der Familie zu sein. Die Gründe für Selbstmordgedanken können vielfältig sei. Oft sind es auch verschiedene Probleme, die sich anhäufen und einem Jugendlichen schnell „zu viel“ werden. Die Aufforderung „Hört, was wir nicht sagen“ beschreibt die Stimmung von suizidgefährdeten Jugendlichen sehr gut.

Was ist unter belasteten Situationen zu verstehen?

Suchtmittelmissbrauch, eine Depression eines Elternteils, Streit und Gewalt in der Familie, die Trennung der Eltern oder Mobbing: für den Sozialarbeiter und Soziologen Martin Hafen bilden die Bewältigung solcher und anderer belastender Situationen für Kinder und Jugendliche eine enorme Herausforderung.

Die Sendung zum Nachhören

Nicht selten reagieren Kinder auf eine Art und Weise, die für ihr soziales Umfeld im Allgemeinen und für die Schule im Besonderen selbst zu einer Herausforderung wird.

Eine beeinflussbare Belastung sei auch der Selektionsdruck in der Schule. Martin Hafen ist in dem Sinn etwa auch für die Abschaffung von Hausaufgaben, weil daraus ein Druck von der Schule auf die Familien abgewälzt werde. Sozial schwache Familien hätten nicht die gleiche Chance, Kinder zu unterstützen. Es brauche ein Schulsystem, das Kooperation stärker betone als Konkurrenz. Ganz abgesehen davon müsse man auch ein selbstgeleitetes forschendes Lernen initiieren und nicht ein stupides Auswendiglernen.

Prävention von Anfang an

Junge Menschen vor Suizidversuchen und Suizid zu schützen, beginne mit der Vermeidung frühkindlicher Stressbelastung. Das sei ein zentraler Präventionszugang. Man könne junge Patienten in suizidalen Krisen nicht auf irgendwelche Wartelisten setzen. Hier sei die Politik gefordert: Sie müsse diese strukturellen Grundlagen in Form von Einrichtungen zur Verfügung stellen.

Früherkennung sehr wichtig

Entscheidend sei die Früherkennung, um angemessen reagieren zu können. Früherkennungsnetzwerke müsse es ähnlich der Drogenproblematik auch an Schulen geben, in denen sich Schulpartner, Eltern, Sozialarbeiter, Lehrer über entsprechende Phänomene austauschen können. Es gehe auch darum, die Last der Verantwortung von Einzelnen auf die Schultern einer ganzen Organisation zu verteilen. Wichtig seien auch Lebenskompetenzen – wie Vertrauen –, die als Schutzfaktoren dienten und mit denen das Kind ausgerüstet wird.

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