Aus der Psychotherapeuten-Praxis

Wenn die Seele Hilfe braucht - in schwierigen Lebenslagen und belastenden Situationen: Das ist das Thema der Focussendung diese Woche. Drei Vorarlberger Psychotherapeuten berichten aus ihrer Praxis.

Die Sendung zum Nachhören

Sendehinweis:

„Focus“, 12.3.16

Bindungsangst - Mag.a Birgit Längle, Schwarzach

Wie können Bindungsängste im Alltag erlebt werden? Menschen mit Bindungsängsten sehnen sich nach Geborgenheit. Gleichzeitig ist aber ihre Angst davor sehr groß. Es gibt von diesen Menschen Strategien, um keine Erfahrung von Nähe machen zu müssen. Manche halten sich den Partner oder die Partnerin fern, indem sie Außenbeziehungen haben.

Andere suchen sich - um emotional unabhängig zu bleiben - unterlegene Partner. Was passiert: Ich komme nie in die Nähe eines solchen Menschen. Der Unterlegene wird mir nicht gefährlich. Andere treiben überbordend Sport oder sind mit ihrer Karriere beschäftigt oder sind oft und viel beruflich unterwegs.

Mag.a Birgit Längle, Schwarzach, ist Psychotherapeutin, Pädagogin und Erziehungs-wissenschaftlerin. Ihre Arbeitsschwerpunkte benennen auch ihr besonderes therapeutisches Interesse.Dazu zählen Burnout, Essstörung, Depression, Krise und Beziehung. Zu ihrer Patienten-Zielgruppe zählen Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Paare.Birgit Längle hat sich schon während ihres Studiums im Rahmen der Diplomarbeit intensiv mit dem Thema Bindungsangst befasst.

Psychotherapeuten Birgit Längle
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Das unbewusste Erbe - Mag. Michael Kögler, Dornbirn

Viele Menschen, die nach 1945 geboren wurden, meinen, sie hätten nichts mit dem Krieg zu tun.
Sie meinen, von den dramatischen Ereignissen nichts mitbekommen zu haben. Die erste Hypothese, die Michael Kögler vertritt, ist, dass tiefgreifende Ereignisse wie der Krieg einen Menschen traumatisieren können. Solche Traumata können über Generationen hinweg wirken. Die Zweite Hypothese ist, dass die seelischen Trümmer oft nicht aufgearbeitet wurden und von den Familien nicht bewältigt, sondern verdrängt und abgespalten wurden. Deshalb wirke es oft unbewusst in den Menschen weiter. Man stelle manchmal bei näherer Betrachtung fest, dass Betroffene einen Zusammenhang mit einem Geschehen bei Vater, Mutter, Großvater oder Großmutter herstellen können.

Mag. Michael Kögler, Dornbirn, hat Psychotherapie, Pädagogik und Philosophie studiert, er ist Lektor an der Universität Innsbruck am Institut für Lehrer/Innenbildung und Schulforschung. Er arbeitet in freier Praxis in Dornbirn: Suchtvorsorge, Angehörigenberatung und psychosoziale Betreuung sind seine Schwerpunkte. Seinen Vortrag beim Tag der Psychotherapie beginnt Michael Kögler mit dem Hinweis, dass er in der ersten Stunde eines Gesprächs gemeinsam mit dem Patienten versucht, sich ein Bild zu machen und so zu erkunden, wie es der jeweiligen Person geht.

Psychotherapeuten Michael Kögler
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„Psychotherapie und Spiritualität im Buddhismus“: Thomas Bechter, Schwarzenberg

In der Psychotherapie und im Buddhismus geht es darum, Glück zu erreichen und Leid zu vermeiden.

Beide, Mitgefühl und Verstehen, sind in Psychotherapie und Buddhismus grundlegend.

Bechter zeigt die vier Wege der Heilung durch die Psychotherapie auf:
1. Bewusstseinsarbeit und Sinnfindung, um zu verstehen wer ich bin

2. Nachsozialisation (Grundvertrauen): mit dem Therapeuten Erfahrungen machen, die man mit den Eltern nicht machen konnte

3. Erlebnisaktivierung und Persönlichkeitsentfaltung;

4. Solidaritätserfahrung: jemand steht hinter uns und die Erfahrung, dass es anderen Menschen auch so geht wie uns.

Der Buddhismus nennt 4 edle Wahrheiten:

1. Leben ist mit Glück und Leiden verbunden.

2. Die Hauptursachen für unser Leiden:
sind das Haben wollen und das Nicht-Haben-Wollen. Der Stolz und die Unwissenheit.

3. Das Leiden kann überwunden werden.

4. Der 8-fache Pfad, der zur Beendigung des Leidens führt. Ethisches Verhalten, der Weisheitsaspekt - alles ist in Abhängigkeit zu anderen Dingen. Nichts ist dauerhaft: das Glück und das Leiden. Alles ist im Entstehen und Vergehen begriffen.

Thomas Bechter, Schwarzenberg, ist auch Coach, Individual- und Sexualpädagoge und arbeitet als Therapeut in freier Praxis in Schwarzenberg. Er hat Meditation in östlichen und westlichen Kontexten kennenglernt.
Es ist somit auch kein Zufall, dass Thomas Bechter in seinem Kurzvortrag das Verhältnis und die Nähe vom Buddhismus zur Psychotherapie herausarbeitet. Zudem sei festgehalten, dass er den Buddhismus im Tibetischen Zentrum Hamburg studierte.

Thomas Bechter
privat

MUSIK:

CD Celloproject- Cellotango

Eckart Runge
Jacques Amman

“Feel”
Robbie Williams

Red Wind
Jan Garbarek

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