„Pressefreiheit - Das tägliche Brot der Demokratie"

Armin Thurnher, Herausgeber der Wiener Wochenzeitung „Falter“, spricht in „Focus" zum Thema „Pressefreiheit - Das tägliche Brot der Demokratie“. Leitfrage: Ist Demokratie ein Hindernis des Fortschritts?

Sendehinweis:

„Focus“, 28.11.2015, 13.00 bis 14.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg
3.12.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

„Pressefreiheit - Das tägliche Brot der Demokratie" - damit zitiert Thurnher Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“. „Journalisten wird vorgeworfen, nicht nur über Politik zu informieren, sondern sich auch anzumaßen, diese zu gestalten“, damit nimmt Thurnher Bezug auf Thomas Meyer. Ein Beispiel dafür ist die Demontage des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff durch die Bild-Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Die Sendung zum Nachhören:

Wulff sei gestürzt worden für seinen Satz: „Der Islam ist ein Teil von Deutschland.“ Es sei dieser Satz und nicht die umstrittene Finanzierung seines Wohnhauses gewesen, betont Armin Thurnher. Mächtige Medienmacher versuchen der Politik zu sagen, wo es langgeht, betont Thurnher.

Die Inszenierung des Mediums

Die Politik bemüht sich, im TV unterzukommen. Für Thurnher ist das Fernsehen das Leitmedium und das Internet ein Appendix. Hier will man auch politisch Einfluss nehmen, um darauf Einfluss zu nehmen, was dort geschieht. Bei den Gegengeschäften führen die Medien Regie. Sie entschieden, was bei uns ankommt. Wie kommt man vor: durch Prominenz, Personalisierung, kulturelle Nähe, kurze Dauer eines Ereignisses, sagt Armin Thurnher.

Focus Armin Thurnher
ORF
Armin Thurnher

Der zweite Filter sind die professionellen Filter des Mediums selbst. „Die Geschichte muss dem Medium gefallen. Man muss für eine Reportage taugen, man muss interessant genug sein.“ Gleichzeitig erfährt der Journalist oft nicht die Wahrheit. Thurnher erwähnt, dass im Jahr 2010 230.000 PR-Leuten in den USA etwa 110.000 JournalistInnen gegenüberstanden.

Das tägliche Brot der Demokratie

Der Urahn der Journalisten ist Philipp Jakob Siebenpfeifer. Er organisierte die erste Protestbewegung gegen das Versiegeln von Druckerpressen. Das sei genauso verfassungswidrig wie das Versiegeln von Backöfen. Denn die Pressefreiheit sei das tägliche Brot der Demokratie.

Die Verantwortlichen der digitalen Medien hätten anderes im Sinn als Demokratie. Demokratie sei ein Hindernis des Fortschritts, zitiert Thurnher Google-Boss Eric Schmidt. Ray Kurzweil, der bei Google für technische Innovation zuständig ist, strebe nach Weltherrschaft. „Er setzt auf das Vernetzen künstlicher Intelligenzen, Unsterblichkeit und ein höheres Bewusstsein." Demokratie soll durch eine autokratische Herrschaft ersetzt werden. Warum den Fortschritt aufhalten für Demokratie sei eine Frage von Kurzweil, merkt Thurnher an.

Was ist Öffentlichkeit?

Eine Sphäre der allgemeinen Verständigung, die uns das Erkennen, das Sprechen und das Wissen auch über soziale und kulturelle Unterschiede hinweg erlaubt. (Definition des dt. Soziologen Volker Gerhardt)

Was ist Medien-Öffentlichkeit?

Die Medienöffentlichkeit ist dementsprechend ein Raum, in dem Bürger informiert werden, wo ihnen eine Plattform für politischen Dialog zur Verfügung gestellt wird, wo die Mächtigen kontrolliert und kritisiert werden und wo rechtzeitig vor drohendem Unheil gewarnt wird. (Definition des Philosophen Otfried Höffe)

Angewandt auf qualifizierte Medien wie Qualitätszeitungen würde das bedeuten, dass in Qualitätszeitungen qualifizierte Menschen, den Entscheidungsträgern (Politikern, Vertretern der Wirtschaft) auf Augenhöhe begegnen und ihnen in Entscheidungsfragen qualifizierte Fragen so stellen, dass deren Publikum imstande ist, deren Entscheidungen dann vernünftig auf Grund dieser Informationen zu begründen. (Definition von Jürgen Habermas)

Medien als Geschäftsunternehmen

Medien sind Geschäftsunternehmen und haben nicht nur das Interesse uns zu informieren, sondern auch das Interesse als Medien zu überleben und das tun sie, indem sie ihren eigenen Gesetzen folgen. Die medialen Gesetze folgen nicht den Gesetzen der Demokratie, sondern sie folgen den Gesetzen der Aufmerksamkeit.

Zur Person:

Armin Thurnher, geboren 1949 in Bregenz. 1967/68 Studium der Anglistik und Amerikanistik in New York City (Wagner College), ab 1968 der Germanistik und Theaterwissenschaft in Wien (kein Abschluss). 1970 Stück „Stoned Vienna"(gemeinsam mit Heinz. R. Unger), aufgeführt vom Cafétheater bei den Wiener Festwochen. Ab 1970 Arbeit als freier Autor, Schauspieler und Bühnenmusiker beim Theater. 1977 Mitbegründer, später Chefredakteur und Herausgeber der Wiener Wochenzeitung „Falter“ und Mitbesitzer des Falter-Verlags.

Literatur:

Thomas Meyer, Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. suhrkamp.

von Armin Thurnher:
„Schwarze Zwerge, Österreichs Medienlandschaft und ihre Bewohner.“ Sonderzahl Verlag 1992.

"Armin Thurnher im Gespräch mit Franz Vranitzky.“ Eichborn Verlag.

„Österreich neu - der Report an den Kanzler. 12 Provokationen zu Themen der Zeit.“ Verlag Kremayr & Scheriau 1994 ( mit Peter Pelinka).

„Leon Zelman - ein Leben nach dem Überleben.“ Verlag Kremayr & Scheriau 1995.

„After Survival“ (englische Übersetzung des Zelman-Buchs) bei Holmes & Meier in New York 1998.

„Das Trauma, ein Leben - österreichische Einzelheiten.“ Zsolnay-Verlag 1999.

„Heimniederlage, Nachrichten aus dem neuen Österreich.“ Zsolnay-Verlag 2000.

„Die Wege entstehen beim Gehen. Alfred Gusenbauer im Gespräch“ (mit Katharina Krawagna-Pfeifer). Czernin Verlag 2007.

„Der Übergänger.“ Zsolnay Verlag 2009.

„Thurnher auf Rezept." Falter Verlag 2010.

„Republik ohne Würde.“ Zsolnay Verlag 2013.

Musik:

CD* MOZARTS LETZTES GLAS - WIENER GLASHARMONIKA DUO
T* Kobold - Nr.3 aus „Lyrische Stücke für Klavier“ op.71 (Band X) / Bearbeitung für Glasharmonika und Verrophon
AT* Smatrold
A: Wiener Glasharmonika Duo
NI: Christa Schönfeldinger/Glasharmonika
NI: Gerald Schönfeldinger/Verrophon

LET IT BE (INSTR.)/RICHARD CLAYDERMAN

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