„Hinübergehen: Was ist gutes Sterben?“

Sterbeforscherin Monika Renz ist zu Gast bei „Focus“. In ihrem Buch „Hinübergehen“ hat sie eine Studie über Sterbende eingearbeitet. Sie beruht auf der Beobachtung 600 Sterbender.

Sendehinweis:

„Focus“, 31.10.2015, 13.00 bis 14.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg
5.11.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

Renz unterscheidet fünf Schauplätze, an denen man fundamentale seelische Veränderungen erkennen könne. Es seien dies Angst und Vertrauen, Kampf und Frieden, Aufbäumung und Einwilligung, wichtig seien auch Familienprozesse, weil hier oft gefühlvolle, intensive, körperlich nahe Prozesse mit Sterbenden stattfinden und schließlich die Reifung, die beim Sterbenden sich wie ein freiwilliges Geschehen äußerten, betont Monika Renz.

Sterben - nur leidvoll?

Monika Renz fragt, ob es für uns vorstellbar sei, dass Sterbeprozesse nebst leidvollen und schweren Stunden auch erfüllende, vielleicht spirituelle Erfahrungen beinhalten und das Leben somit eine Verdichtung von Leben, von Eindrücken, Beziehungen und von Spiritualität erfahre?

Die Sendung zum Nachhören:

Sterben sei ein radikales Loslassen, aber nicht minder ein unsichtbares Finden, sagt Renz. „In Todesnähe findet eine Intensität wie sonst kaum wo statt“, merkt Renz an.

Focus Monika Renz
Monika Renz
Monika Renz

Außen- und Innenseite des Sterbens

Vorerst geht es nur darum anzuerkennen, dass es nicht nur eine Außenseite, sondern auch eine Innenseite des Sterbens gebe. Die Fragen dazu, sagt die Sterbeforscherin, lauten: „Wie erleben Sterbende selbst ihr Sterben, wie fühlt es sich innerlich an, was hören sie oder hören sie nicht mehr, was schauen sie hinter verschlossenen Augen. Gleichzeitig schauen sie für uns so aus, als seien sie abwesend. Dann sind sie wieder da - und warum sind sie später wieder weit weg? Wo befinden sie sich dann?“

Sterben ist ein Prozess

Sterbebegleitung findet auf der Ebene konkreter Phänomene statt. Da sind Ängste, Schmerzen, aber auch Angst und Schmerzfreiheit. Da sind Signale, staunende Worte, Gebärden, merkt Renz an. „Sterben ist ein Hinübergehen, wenngleich das Wohin offenbleibt. Ob spirituell oder nicht spirituell gedeutet, schon im Vorfeld der Todesnähe ist der Prozess sichtbar, weil sich hier Wahrnehmung und Bewusstseinszustand verändern.“

Zur Person:

Monika Renz, Dr.phil. Dr.theol., Musik- und Psychotherapeutin FSP. Studium der päd. Psychologie, Psychopathologie und Musikethnologie. Promotion in Psychopathologie zur frühen menschlichen Bewusstseinsentwicklung. Seit 1998 Leitung der Psychoonkologie, Arbeit mit Krebskranken und Sterbenden am Kantonsspital St. Gallen. Zweitstudium in Theologie. Promotion in Bibelwissenschaft über Erlösung. Seit 20 Jahren Kurstätigkeit im Grenzbereich Psychologie-Theologie. Internationale Vortragstätigkeit.

Literatur zur Sendung:

Monika Renz, Hinübergehen. Was beim Sterben geschieht. Annäherungen an letzte Wahrheiten unseres Lebens. Herder, Freiburg i. Br.

Monika Renz, Von der Chance wesentlich zu werden: Reflexionen zu Spiritualität, Reifung und Sterben. Junfermann, Paderborn

Musik:

Klavierimprovisationen von Monika Renz.

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