Rüdiger Dahlke: „Widerstände im Leben auflösen“

Zum Thema "Widerstände im Leben auflösen - wie wir das Leben wieder in Fluss bringen“ spricht diese Woche in „Focus“ Dr. Ruediger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Bestsellerautor.

Sendung zum Nachhören

Sendungshinweis:

Samstag, 3.10. 2015, 13.00 bis 14.00 Uhr
Donnerstag, 8.10.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr(WH).

„Es sind die Widerstände, die uns daran hindern, in den Fluss zu kommen. Wir können unseren Alltag nützen als Symbol, um zu verstehen, womit wir im Widerstand sind, und um diesen gegebenenfalls wieder aufzulösen“, betont Ruediger Dahlke.
Mit den Krankheitsbildern seien wir auch im Widerstand. Das sei eben innerlich. Die Probleme sind äußerlich und mit Problemen sind wir auch im Widerstand. „Große Teile der Bevölkerung gehen relativ rasch in Widerstand, und wenn man es zynisch betrachtet, könnte man sagen, so Anfang 40 sterben viele, um sich dann Mitte 80 begraben zu lassen“, merkt der Psychotherapeut an. Die Zeit dazwischen werde im Widerstand nicht gelebt, sondern diese Leute verharrten im Widerstand. Insofern wäre es wichtig, den Widerstand zu lösen.

Widerstand kostet viel Kraft

Wir sind Weltmeister im Widerstand, sagt Dahlke. Viele beginnen den Tag im Widerstand, und im Anfang liegt schon sehr vieles, sagt Dahlke. „Wenn der Wecker klingelt, ist da oftmals keine Begeisterung. Wir können unseren Alltag dazu nutzen, um zu verstehen, warum wir im Widerstand sind und wie wir ihn lösen“. Eine wichtige Frage sei etwa, ob der Beruf etwas ist, das mich ruft und das mich nährt? Widerstand koste viel Kraft, weil der Beruf oft keine Freude mache. „Man ist dadurch oft sehr müde, weil man dagegen ankämpfen muss“, so Dahlke.
In der Technik versucht man den Widerstand herauszubringen, indem man das Getriebe „schmiert“.

Wir machen Dinge, um wach zu sein

Im spirituellen Bereich oder auch im Sport gehe es um dieses Erwachen. Zum Beispiel beim Klettern, „weil man tot ist, wenn man nicht wach handelt“ sagt der Bergsteiger Dahlke. Ein weiteres Problem sei, wenn der Feierabend kein Feier-Abend sei, sondern wenn er nach dem `Primär-Elend` ins `Sekundär-Elend` - das Fernsehen- übergehe.

Was wäre, wenn es keinen Widerstand gäbe?

Wann hat man einen unglaublichen Fluss an Energie? „Wenn man die Erfahrung des Verliebtseins macht. Verliebte wollen Gott und die Welt umarmen, brauchen nichts zu essen. Viele Dinge beginnen schön und irgendwann kommt leider Routine auf. Routine führt uns in den Widerstand hinein“, betont der Arzt und Psychotherapeut.

„Der Widerstand hat eine konstruktive und eine destruktive Seite. Konstruktiv kann er sein, wenn wir gegen ungerechte Verhältnisse aufbegehren. Die destruktive Seite ist dort, wo wir mit Widerstand unser Leben blockieren“, macht Dahlke klar.

Einssein - einverstanden sein

Für das EINSSEIN hätten religiöse Traditionen im Christentum oder im Buddhismus verschiedene Begrifflichkeiten
(z. Bsp. Himmelreich). „Eins-sein heißt, dass es da keinen Widerstand gibt. Man ist eins und einverstanden“. Ruediger Dahlke bringt das Bild des Embryos, der im Fruchtwasser im Mutterleib schwimmt und keine Grenzen spüren kann, dann wird die Wahrnehmung grenzenlos. „Hier entsteht auch das Urvertrauen, wo später Selbstvertrauen draufsattelt“, so Dahlke.

Das chronische Müdigkeits-Syndrom

Wir kommen mit der Geburt in die Welt der Gegensätze und führen hier meist ein Leben im Widerstand. Das macht uns müde, und es gebe viele Krankheitsbilder, sagt Dahlke, die so eine Lebensmüdigkeit ins Spiel des Lebens bringe, die gar kein Spiel mehr sei. Die Folge sei ein chronisches Müdigkeitssyndrom. 11 Millionen Menschen in Deutschland litten an Burnout, sagt Dahlke. Das andere Syndrom sei `Bore-out`, bei dem sich Menschen zu Tode langweilten.
Depression, wo das Leben in einen Seeleninfarkt übergehe, gehöre auch zu diesen Erscheinungs-weisen.

Die Ungleichgewichte

Ungleichgewichte können sich in der Meteorologie, bei kalten und warmen Luftmassen aufbauen, und es entstehen Stürme.
Bei warmem und kaltem Wasser können sich Strömungen bilden. Auch im Bereich der Erdschollen könne es zu Erdbeben kommen, wenn Erdschollen aneinander vorbeigleiten.

Den Fluss in Gang bringen

„Widerstände sind meine Krankheit, und ich bin für sie verantwortlich. Ich kann sie niemandem in die Schuhe schieben. Wir finden immer Ausreden“, betont Ruediger Dahlke. Wer Wege suche, finde Wege, wer Auswege suche, finde Auswege. „Durch Wegschneiden und Unterdrücken werden wir nicht heilen. Das Wort HEIL bedeutet ganz und vollkommen. Das Unterdrücken, das Ignorieren von Problemen, das unter den Teppichkehren, da werden wir nicht heiler. Irgendwann fliegt das auseinander“, sagt Dahlke.

„Wenn ich mich nicht bewege oder schlecht ernähre, dann habe das Konsequenzen. Es gehe darum, im Leben in Schwung zu kommen. Dahlke bringt das aktuelle Beispiel von VW und dem offensichtlichen, jahrelangen Betrug bei Abgasprüfungen“.
Den Widerstand im Leben sollte man nicht ausbauen, sondern sich fragen, was hat es mir zu sagen. Es kann in allen Bereichen sein: im häuslichen, im familiären, im beruflichen. Man muss letztlich, so Dahlke, „mit allen Lebensprinzipien in Harmonie - aus dem Widerstand `raus-gehen`“.

Zur Person:

Dr. med. Ruediger Dahlke arbeitet seit 37 Jahren als Arzt, Autor und Seminarleiter. Die Buch-Trilogie „Schicksalsgesetze“, „Schattenprinzip“ und „Lebensprinzipien“ bildet die philosophische und praktische Grundlage seiner Arbeit.
Sein Ziel, ein Feld ansteckender Gesundheit aufzubauen, spiegelt sich in Büchern wie „Peace-Food“ und „Seeleninfarkt“, aber auch in der Verwirklichung des Seminarzentrums TamanGa in der Südsteiermark.

Literatur zur Sendung:

Ruediger Dahlke, Das Buch der Widerstände: Wie wir unser Leben wieder in Fluss bringen. Arkana Verlag.

Musik:

CD* KOPATCHINSKAJA / SAY SPIELEN BEETHOVEN, RAVEL, BARTOK UND SAY
E* Nr.2 Braul. Allegro 00:31
T* Rumänische Volkstänze Sz.56 Nr.1 -6 / Bearbeitung für Violine und Klavier von Zoltan Szekely

S: Patricia Kopatchinskaja/Violine
S: Fazil Say/Klavier

CD* GEORGE GERSHWIN - FAZIL SAY
T* Merry Andrew - für Klavier
S: Fazil Say/Klavier

CD* Illusionista
T* Oedipus Suite

NI: Peter Herbert/Kontrabass/1960
A: Bass Instinct
NI: Gerhard Muthspiel/Kontrabass/1958
NI: Gina Schwarz/Kontrabass/1968
NI: Herbert Mayr/Kontrabass/1961
NI: Tim Dunin/Kontrabass/1969
NI: Ernst Weissensteiner/Kontrabass/1965

„No Way out“ (instrumental)
Phil Collins

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