„Ohne die Alten würde die Gesellschaft an vielen Stellen alt aussehen“

Psychologin und Therapeutin Julia Onken und Pflegepädagoge Maik Winter sprechen über das Thema: „Ohne die Alten würde die Gesellschaft an vielen Stellen alt aussehen“.

Die Lebenserwartung ist veränderlich und von Plastizität gekennzeichnet. Sie ist in den letzten 150 Jahren um 40 Jahre gestiegen. Die Lebenserwartung steigt pro Jahrzehnt - alle 10 Jahre - um 1 bis 2 Jahre. „Ein langes Leben ist kein Privileg vorangegangener oder kommender Generationen, sondern heute das vorhersehbare Schicksal der heute lebenden Menschen und damit auch der meisten von uns“, merkt Maik Winter an.

Die Sendung zum Nachhören:

Altern und altwerden ist zu einem Massenphänomen geworden. Kinder erwarten eine nie dagewesene Lebensspanne. Jedes zweite Neugeborene wird das nächste Jahrhundert erleben.

Die Ältesten der Altern profitieren von der Lebenserwartung und werden immer mehr. Statistisch haben 80-Jährige weitere 8 Jahre vor sich und damit so viele als Mitte der 1960-er Jahre.

Maik Winter
privat
Maik Winter

„In Deutschland feiern gegenwärtig 4000 Menschen ihren 100. Geburtstag und weitere 7000 sind noch älter.
Das gab es noch nie, dass Eltern mit ihren Kindern, mit ihren Eltern und Großeltern in einer Gesellschaft lebten. das hat auch Auswirkungen auf das Eheleben. Die Zweisamkeit kann im Regelfall bis zu 50 Jahre und mehr dauern. So viele Ehejubiläen gab es auch noch nie“.

Den Jahren mehr Leben geben

Altern ist nicht nur quantitative Größe, es geht auch darum den Jahren mehr Inhalt zu geben. Die jungen Alten sind besser aufgestellt, als die früherer Generationen. Medizinisch-technisch mit besseren Lebensbedingungen steigen die körperliche und geistige Vitalität.

Sendehinweis

Samstag, 18. Juli 2015, 13.00 bis 14.00 Uhr
Donnerstag, 23.Juli 2015, 21.00 bis 22.00 Uhr (WH)

Die Phase relativer Fitness dehnt sich immer weiter aus. Der Zustand eines 70-Jährigen entspricht heute dem Zustand eines 60-65-Jährigen von vor 30 Jahren. Wir kommen in dieser Lebensphase fitter und mobiler an.

40 Milliarden Euro „Ehrenamt“ pro Jahr

Es gibt an vielen Stellen Errungenschaften für diese Altersgruppe, aber nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für das Gemeinwesen. Man denke an das umfangreiche ehrenamtliche Engagement für Ältere. Es wird mit einem Gegenwert von 40 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.
Ohne die Alten würde die Gesellschaft an vielen Stellen alt aussehen.

Julia Onken
Privat
Julia Onken

Die Schweizer Bestsellerautorin, Psychologin und Therapeutin Julia Onken, Gründerin des Frauenseminars Bodensee, meint, es wäre glatt gelogen, dass sie sich gerne mit dem Thema Sexualität im Alter befasse. Natürlich spiele im Alter die äußere Wirklichkeit, also die Vergänglichkeit, die dem Alter unterworfen sei, eine entscheidende Rolle. Es gebe aber auch die innere Wirklichkeit, die sich jung anfühle, leicht und froh sei.

Ihre befreiende Erkenntnis sei, sagt Julia Onken: Ich muss niemandem mehr gefallen. Das mache Hirnaktivität frei. Mit dem Projekt „Generation Superior“ gründete Julia Onken eine Organisation und eine Zeitschrift, die sich zum Ziel setzen, ein neues Bewusstsein über die späten Lebensjahre zu entwickeln.

Zur Person:

Julia Onken
Jg.1942, arbeitet als Psychologin und Therapeutin. Sie ist Gründerin und Leiterin des „Frauenseminars Bodensee“ und leitet seit vielen Jahren Aus- und Weiterbildungskurse sowie Paarseminare. Jedes ihrer Bücher „Feuerzeichenfrau“, „Geliehenes Glück“, „Vatermänner“, „Spiegelbilder“ und „Kirschen in Nachbars Garten“ wurde zum Bestseller.

Prof. Dr. Maik Hans Joachim Winter
Der Berliner Spezialist für Pflegepädagogik Maik Winter ist an die Hochschule Ravensburg-Weingarten als Professor berufen worden. Er leiet den Studiengang Pflegepädagogik.
15 Jahre lang lebte der gelernte Altenpfleger und studierte Pflegepädagoge in Berlin arbeitete er als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Charité-Uniklinikum. Im Institut für Medizinische Soziologie war er für den Projekt- und Arbeitsbereich „medizinische und pflegerische Versorgung“ zuständig.

Musik:

T* GOLDBERG-VARIATIONEN BWV 988 „Aria mit 30 Veränderungen“ / Bearbeitung für Akkordeon (Klavierübung Teil IV)

G* THE GOLDBERG VARIATIONS - Aria und 70 Variationen für verschiedene Ensembles; adaptiert, arrangiert und komponiert von Uri Caine nach Johann Sebastian Bach

CD* MICHAEL STARCH JAZZENSEMBLE LIVE
T* Tango pour Claude/instr./live

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