„Die Familie als Konsumgemeinschaft“

Erziehungs-und Sozialwissenschafterin Marianne Gronemeyer spricht in der Sendung ORF Radio Vorarlberg-Sendung „Focus“ über das Thema „Dem Konsumismus trotzen. Die Familie als Konsumgemeinschaft“.

Marianne Gronemeyer setzt ihre Betrachtungen bei der Rolle der Familie heute an. „Die Familie war die kleinste denkbarste Einheit, um Privatheit zu gestalten. Heute gibt es das Individuum, den Single“.

Sendungshinweis:

11.7.2015, 13.00 bis 14.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg
16.7.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

Die Weltherrschaft des Konsumismus

Es gibt die Gewinner, die aus dem Verfall der Familie profitieren. Da ist einmal die Zerstreuung zu nennen. Zerstreut werden die Menschen, indem sie auseinander getrieben werden. Zerstreuung sei heute verführerisch und unterhaltsam. Die Zerstreuung ist unkenntlich und im wahrsten Sinn des Wortes elegant geworden, sodass die Menschen wollen, was sie sollen. „Verfolgt die Zerschlagung der Familie nicht eine Form von Weltherrschaft, die Weltherrschaft des Konsumismus", fragt Marianne Gronemeyer.

Die Sendung zum Nachhören:

Heute agieren hinter den Hauswänden Mensch-Maschinenkomplexe. „Der Mensch in trauter Zwiesprache mit seinem Computer, im schweißtreibenden Wettstreit mit seinem Fitnessgerät, weltläufig vor seinem Fernsehgerät, berauscht von der musikalischen Dauerberieselung, verkabelt mit allerlei medizinischen Messgeräten. Jeder kann alles allein“. Es entfalle das Angewiesen-Sein auf den anderen Menschen, resümiert die Sozialwissenschafterin.

Marianne Gronemeyer
Bildungshaus St. Arbogast
Marianne Gronemeyer

Gekaufte Autarkie

Wir glauben einander nicht zu gebrauchen. Aber diese Autarkie ist eine unglaubliche Illusion. Wir müssen diese Freiheit kaufen. Für alles, was uns voneinander unabhängig macht, müssen wir erhebliche Geldsummen aufbringen. Geld für den Ankauf, den Betrieb, die Reparatur, den möglicherweise nötigen Neukauf des Zeugs, das wir da um uns haben. Die Freiheit von einander macht uns bis zur Selbstaufgabe abhängig von bezahlter Arbeit und erzwungener Selbstaufgabe.

Der Tisch war Zeit des Lebens Mittelpunkt des Familienlebens. Die verschiedensten Aktivitäten fanden an, auf oder mit ihm statt: das Essen, das Gespräch, die Spiele; unter dem Tisch wurde den Gesprächen der Erwachsenen gelauscht. Der Tisch war gastlich genug, die Biografie einer ganzen Population stattfinden zu lassen. Menschen kamen und gingen und der Tisch bewahrte ihr Gedächtnis. Der Tisch steht für Gastlichkeit, Gemeinschaftlichkeit und das gemeinsame Tätigsein. In den 1950er Jahren habe der Fernseher dem Tisch den Platz in der Familie geraubt. Man glaubte: “Der Fernseher binde die Kinder ans Häusliche und lenke sie ab von außerhäuslichen Aktivitäten“.

Wir unterschätzen diese Vorgänge

Der Konsum erzeuge nur Abstoßungskräfte. Neid, Konkurrenz und Rivalität. „Wenn das Ferne zu nahe tritt, verwischt sich das Nahe. Wohnungen werden zu Containern für Bildschirme degradiert. „Der Fernseher ist der negative Familientisch“, zitiert Marianne Gronemeyer den Philosophen Günther Anders. Heute sind die reflexiven Verben verloren gegangen: Man tun nicht mehr etwas für sich, sondern man wird gebildet, ernährt, versorgt oder integriert.

Zur Person:

Prof. Dr. Marianne Gronemeyer studierte Erziehungswissenschaften und Musik in Hamburg. Sie war Lehrerin an einer Hamburger Haupt- und Realschule, bis sie nach einem Studium der Sozialwissenschaften an den Universitäten Hamburg, Mainz und Bochum und einer Habilitation von 1987 bis 2006 Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Wiesbaden wurde.

Seit 2006 ist sie wissenschaftliche Publizistin und eine vielgefragte Referentin.

Literatur:

Marianne Gronemeyer. Dem Konsumismus trotzen. Die Familie als Konsumgemeinschaft.
Edition Kunst/Wissenschaft/Gesellschaft - Quer denken- hrsg. von Horst Peter Groß im Wieser Verlag.

Musik:

T* DIE WIENER ZIEH HARMONIKER live im Metropol
T* Akkomodeischn
AS* Akkordeon Festival 2014

T* DIE WIENER ZIEH HARMONIKER live im Metropol
T* Grauschattenschein
AS* Akkordeon Festival 2014

T* DIE WIENER ZIEH HARMONIKER live im Metropol
T* Teufelsjodler
AS* Akkordeon Festival 2014

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