„Die Grenzen der Medizin und des Lebens“

Der Theologe, Psychotherapeut und Schriftsteller Eugen Drewermann spricht in der Sendung „Focus“ über das Thema „Die Grenzen der Medizin und des Lebens“.

Sendungshinweis:

20.6.2015, 13.00 bis 14.00 Uhr
25.6.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr (WH)

In seinem Vortrag in der Arbeiterkammer in Feldkirch - im Rahmen der Reihe „Wissen fürs Leben“ - stellte Drewermann u.a. das tiefgründige Märchen vom „Gevatter Tod“ vor. Es geht in ihm ums Sterben sowie das Verhältnis von Arzt, Patient und Tod.

Der Gevatter Tod

Ein Märchen der Brüder Grimm Brüder Grimm

Es hatte ein armer Mann zwölf Kinder und mußte Tag und Nacht arbeiten, damit er ihnen nur Brot geben konnte. Als nun das dreizehnte zur Welt kam, wußte er sich in seiner Not nicht zu helfen, lief hinaus auf die große Landstraße und wollte den ersten, der ihm begegnete, zu Gevatter bitten. Der erste, der ihm begegnete, das war der liebe Gott. Der wußte schon, was er auf dem Herzen hatte, und sprach zu ihm: „Armer Mann, du dauerst mich, ich will dein Kind aus der Taufe heben, will für es sorgen und es glücklich machen auf Erden.“ Der Mann sprach: „Wer bist du?“ - „Ich bin der liebe Gott.“ - „So begehr’ ich dich nicht zu Gevatter,“ sagte der Mann, „du gibst dem Reichen und lässest den Armen hungern.“ Das sprach der Mann, weil er nicht wußte, wie weislich Gott Reichtum und Armut verteilt. Also wendete er sich von dem Herrn und ging weiter. Da trat der Teufel zu ihm und sprach: „Was suchst du? Willst du mich zum Paten deines Kindes nehmen, so will ich ihm Gold die Hülle und Fülle und alle Lust der Welt dazu geben.“ Der Mann fragte: „Wer bist du?“ - „Ich bin der Teufel.“ - „So begehr’ ich dich nicht zu Gevatter,“ sprach der Mann, „du betrügst und verführst die Menschen.“ Er ging weiter; da kam der dürrbeinige Tod auf ihn zugeschritten und sprach: „Nimm mich zum Gevatter.“ Der Mann fragte: „Wer bist du?“ - „Ich bin der Tod, der alle gleichmacht.“ Da sprach der Mann: „Du bist der Rechte, du holst den Reichen wie den Armen ohne Unterschied, du sollst mein Gevattersmann sein.“ Der Tod antwortete: „Ich will dein Kind reich und berühmt machen; denn wer mich zum Freunde hat, dem kann’s nicht fehlen.“ Der Mann sprach: „Künftigen Sonntag ist die Taufe, da stelle dich zu rechter Zeit ein.“ Der Tod erschien, wie er versprochen hatte, und stand ganz ordentlich Gevatter…………………….

Die Sendung zum Nachhören:

Der ausgelagerte Tod in unserer Gesellschaft

Daran knüpft Drewermann die Erklärung und Deutung, wie Märchen das Thema Lebensverlängerung, Tod und Sterben aufarbeiten. Wir Menschen müssen mit dem Tod und dem Wissen seiner ständigen Nähe leben. Unsichtbar und in jedem Moment kann er „zuschlagen“, bereit zuzugreifen oder uns zu verschonen.

focus Eugen Drewermann
ORF
Eugen Drewermann

In unserer Kultur sei der Tod schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr, sagt Drewermann. „Vor 60 oder 80 Jahren war es normal, im Schoß der Familie zu sterben. Heute unvorstellbar.“ Der Tod werde heute aseptisch ausgelagert an die Peripherie der Großstädte in die Sterbekliniken, in die Kampfburgen dem Tod zu trotzen. Es sei ein Skandal, dass in unseren Kliniken jemand stirbt, der noch besteht, in dem wir die Zusammenhänge nicht genau genug kennen und den Tod nicht genau genug kennen und in einer verneinenden Antwort gegen den Kampf ums Leben justieren, beklagt Drewermann.

Die Ärzte sollen den Tod jagen

„Der Tod ist ein Unfall. Der Kampf gegen den Tod werde heutzutage umgeschmiedet, um das Leben zu verlängern. In den 1960er Jahren datierte man die Lebenslänge auf etwa 62 Jahre. Wir haben in den vergangenen Jahren das Leben um 25 Jahre zu verlängern vermocht“, stellt Drewermann fest. Dank der Medizin, der hygienischen Bedingungen und der Ernährungslage. Die Entscheidung über Leben und Tod ist eigentlich der Verfügungsgewalt unserer individuellen Gewalt und Verantwortung eigentlich entzogen. Es ist die Pflicht, dass wir die Ärzte machen lassen. So die Auflage- für das Leben gegen den Tod.

Es sei die Zeit, in der es keine Alterssicherung, keine Krankenversicherung gibt, wo die Familie der einzige Ort ist, der alle soziale Leistungen erstellen muss. Keine staatliche Kompensation in existenziellen Fragen. "Ein bisschen Krankheit kann schon existenzvernichtend sein. Der liebe Gott kommt hier als armer Leute Kind nicht in Frage. „Also wandte er sich ab von Gott“, ergänzen die Gebrüder Grimm, so geschieht ihm recht zur Strafe und für seine Aufsäßigkeit, interpretiert Drewermann.

„Der Tod dagegen macht sie alle gleich - Arm und Reich“

Ein bitteres Wissen, meint Drewermann.
Im 19. Jahrhundert gibt es dank des Fortschritts der Medizin am Krankenbett keine Heiligen, keine Geister, keine Seele mehr, nur noch Medizin.

Eugen Drewermann hat diesen Vortrag im Rahmen der Reihe „Wissen fürs Leben“ in der Arbeiterkammer in Feldkirch gehalten

Zur Person:

Eugen Drewermann, der Sohn eines Bergarbeiters hat mit der tiefenpsychologischen Deutung der Bibel die Exegese revolutioniert, indem er zeigte, man darf die Bibel nicht wörtlich nehmen, man darf mit mythischen Bildern nicht die Errichtgung der Welt erklären.

Für seine Deutungsversuche wurde Eugen Drewermann von der römisch-katholischen Kirche 1991 mit dem Entzug der Lehrerlaubnis und 1992 auch mit der Suspendierung vom Priesteramt abgestraft.

Seit damals arbeitet Eugen Drewermann als Therapeut und Schriftsteller: er verfasste über 80 Bücher, die in über 20 Sprachen übersetzt wurden.

Literatur:

Eugen Drewermann. An den Grenzen der Medizin: Märchen von Heilung und Hoffnung .Patmos

Musik:

CD* MEDICINE MUSIC
T* Baby
Bobby Mc.Ferrin

CD* MEDICINE MUSIC
T* The 23rd psalm / nach dem Ps 23,1-6 „Der gute Hirt"
AS* twentythird
Bobby Mc.Ferrin

T* Medicine Due
K: Oliver Ostermann

AF2014/220_Z
T* Cashback
K: Oliver Ostermann

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