„Mein Großvater, der KZ-Kommandant“

Die Hamburgerin Jennifer Teege, Enkelin von Amon Göth, spricht in der ORF Radio Vorarlberg Sendung „Focus - Themen fürs Leben“ über das Thema „Mein Großvater - KZ-Kommandant und Massenmörder“.

Sendungshinweis:

Samstag, 18.4.2015, 13.00 bis 14.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg
Donnerstag, 23.4.2015, 21.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

Millionen Menschen kennen Amon Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Diesen Film hatte Jennifer Teege zwar gesehen, es seien ihr aber wenige Bilder bewusst in Erinnerung geblieben, sagt sie beim Bregenzer Kongress „Was im Leben wirklich zählt“.

Die Sendung zum Nachhören:

Dabei war Amon Göth - der KZ-Kommandant im polnischen Plaszow - ihr Großvater, der im Film „Schindlers Liste“ vom Balkon seiner Kommandantenvilla aus KZ-Insassen erschießt. Das wusste sie damals, als sie den Film gesehen hat, noch nicht, dass sie eine geborene „Göth“ ist; das erfuhr sie mit 38 Jahren durch einen Zufall.

Focus Jennifer Teege
ORF
Jennifer Teege

Entdeckung mit 38 Jahren

In der Zentralbücherei in Hamburg findet sie ein Buch über ihre Mutter Monika und ihren Großvater Amon Göth. Dieses Buch enthielt viele Fakten aus der Lebensgeschichte ihrer Mutter. Alles, was in diesem Buch stand, entsprach der Wahrheit. Was sie nach der Lektüre dieser Familiengeschichte erlebte, nennt man eine posttraumatische Belastungsstörung.

SS-Hauptsturmführer Amon Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Er war für die Liquidierung des Krakauer Ghettos im März 1943 verantwortlich und war wegen seiner sadistischen Obsession gefürchtet. Vom Balkon seiner Villa erschoss er mindestens 500 KZ-Insassen oder ließ sie von seinen beiden Hunden zerfleischen. 1946 wurde der „Schlächter von Plaszow“ wegen Massenmordes zum Tode verurteilt und wenige Tage nach dem Urteil gehängt.

Ehefrau beging Selbstmord

Seine Fau Ruth, Jennifer Teeges geliebte Großmutter, begeht 1983 Selbstmord. Tochter Monika Göth lernt einen Studenten aus Nigeria kennen. Aus dieser Beziehung stammt Tochter Jennifer. Sie ist nach der Geburt in ein Kinderheim gekommen und bei Adoptiveltern aufgewachsen.

Mit 38 Jahren stößt Jennifer Teege zufällig auf die geheim gehaltene Geschichte, dass ihr Großvater, den sie nie kennengelernt hatte, der berüchtigte „Schlächter von Plaszow“ war. Diese Geschichte lässt sie nicht mehr ruhen. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit ihrer Familie.

Schrittweise Aufarbeitung

Sie trifft nach Jahren ihre leibliche ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat. Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.

Dieser Vortrag wurde beim Kongress " was im Leben wirklich zählt" im November 2014 in Bregenz aufgezeichnet.

Zur Person:

Jennifer Teege, Jahrgang 1970, ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Mit vier Wochen wurde sie ins Kinderheim gebracht, mit sieben Jahren zur Adoption freigegeben. Sie hat vier Jahre in Israel gelebt und dort studiert. Seit 1999 Texterin und Konzeptionerin in der Werbebranche. Sie lebt in Hamburg.

Literatur:

Jennifer Teege, Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen. rowolt

Musik:

G* AFFECTION
T* Destiny
A: Felix Raffel
A: Arnold Johannes Ratheiser

CD* RING THEM BELLS
T* Swallow song/live

S: Joan Baez/Gitarre, Gesang m.Begl.
NI: Mimi Farina/Gitarre, Gesang m.Begl.

CD* JOAN
T* Be not too hard

S: Joan Baez/Gesang m.Begl.

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