„Wenn aus Verzweiflung Vertrauen wächst“

In der Sendung „Focus- Themen fürs Leben“ spricht Pastoraltheologe Univ.- Doz. Dr. Franz Schmatz bei ORF Radio Vorarlberg über das Thema „Wenn aus Verzweiflung Vertrauen wächst“.

Innehalten

Innehalten, um den neuen Tag zu begrüßen,
um heilenden Tönen zu lauschen,
um mich selber zu spüren.

Innehalten, um mit meinem Atem zu fließen,
um die Beschleunigung anzuhalten,
um die bunte Farbenpracht zu sehen,
um die Würze des Lebens zu riechen,
um in mir zu sein.

Innehalten, um das Leben nicht nur auszuhalten,
sondern staunend zu erfahren,
kostend zu genießen und erfüllend zu erleben.
(F.Schmatz)

Sendehinweis:

„Focus“, 27.09.2014

Diesen Text hat Franz Schmatz im Rahmen seiner eigenen schweren Erkrankung vor Jahren formuliert. Es sei eine Tatsache, dass Menschen oft vor jenen davonlaufen, die in Grenzsituationen sind, weil sie selber zu diesem Innehalten, zu diesem Still-werden, zu diesem Zu-sich-selber-kommen, nicht mehr fähig seien.

Die Sendung zum Nachhören:

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Die „Warum?“-Fragen

Man könne in Grenzsituationen nichts machen, man könne oft nur da sein, wenn Menschen das wünschen, sagt Franz Schmatz. Es sind die „Warum?“-Fragen, die die Menschen in Grenzsituationen stellen. Franz Schmatz berichtet von der Begleitung schwerkranker Kinder und Jugendlicher in schwierigen Lebenslagen. Die Spontaneität, die Echtheit und Ehrlichkeit bei jungen Menschen sei das Berührendste, meint der Pastoraltheologe.

Unser Leben zeigt oft unvermutete Brüche, wir sind darauf angewiesen, Hilfe von außen zu bekommen; wir sind auf Menschen, die uns beistehen, angewiesen : sei es bei Krankheit, Trennung, Arbeitsverlust, Ent-täuschung oder bei einer Naturkatastrophe. Der Boden auf dem wir stehen, ist dünn und brüchig.

focus franz schmatz
Effata Verlag

Franz Schmatz

Der Mensch möchte Spuren hinterlassen

Dr. Franz Schmatz, Psychotherapeut, Pastoraltheologe, Sozialarbeiter und Krankenhausseelsorger, hat in 38 Jahren rund 4000 Menschen in Grenzsituationen begleitet. Wenn es um das Sterben gehe, gehe es immer um die individuelle Lebensbilanz, um den eigenen Lebensbogen. „Der Mensch möchte Spuren hinterlassen haben. Es möge einen Sinn gehabt haben, dass ich 4,6,20 oder 80 Jahre hier war“, beschreibt Prof. Schmatz den Wunsch des Menschen. Es folge oft, so Prof. Schmatz, die formulierte Bitte an den Krankenhausseelsorger:"Bitte vergessen sie mich nicht."

Ganzheitlich betrachtete Heilung kann es nur dann geben, wenn ich beide Brennpunkte umarme: „Das Leben, die Aktivität und das Leid, die krankheitsbedingte Passivität.“

Polarität zwischen Leben und Tod

Viele Menschen erleben diese Polarität: auf der einen Seite die Sehnsucht nach Sinn, auf der anderen Seite Schicksalsschläge, Leid, Krankheit, Leistungsdruck, Ängste usw., wodurch der Lebenssinn gefährdet wird. In seinem Vortrag berichtet der Psychotherapeut und Theologe von seinen Erfahrungen in der Begleitung von Menschen in Krisen, in Krankheit und im Sterben.

Wir leben heute in einer Gesellschaft,wo Leid, Sterben und Tod ausgeklammert werden, beklagt Franz Schmatz.

Wenn eine Gesellschaft keine Schmerzen erträgt

Es sei für Betroffene schwer in einer Gesellschaft zu leben, weil die Schmerzen, die sie erleben, rundherum nicht wahrgenommen würden.„Eine Grenzerfahrung ist gekennzeichnet von totaler Ohnmacht. Ich stehe an, ich komme an eine Grenze, wo ein Stopp ist, wo ich keinen Weg darüber hinaus sehe, die Enge immer größer wird, und das auf dem Hintergrund einer Machbarkeitsgesellschaft“, sagt Schmatz.

Wenn der Mensch in einer Ohnmachtssituation lebt, kommt die Angst hinzu. Angst von allen Seiten, vor allem Verlustangst, Angst nicht geschätzt und geliebt zu werde. Heute sei die Botschaft oft: „Verdränge die Angst, schick sie weg, schau weg“. Die Menschen machten dann aber die Erfahrung, dass das nicht geht. Deswegen gerieten viele Menschen - auch aus religiösen Motiven - in Schuldgefühle.

Bild der Mitte für Verwurzelung

Es sei in einer multikulturellen, multireligiösen Gesellschaft schwierig, in Grenzsituationen für Begleiter die richtigen Symbole zu finden. Franz Schmatz versteht es, in der Mitte verwurzelt und verankert zu sein. Die Mitte als Kraftquelle fürs Annehmen und Wahrnehmen, aber auch zum Loslassen.

Zur Person:

Univ.- Doz. Dr. Franz Schmatz, Psychotherapeut und Theologe, Lebens- und Sozialberater, Professor an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum.

Literatur:

„Zeit zu leben: Lebenskostbarkeiten zur Lebens- und Sterbebegleitung“

„Heilende Lebenstexte“

„Trau dich leben“

„Horch, dein Leben ruft dich“

Diese Bücher von Franz Schmatz sind im Verlag EFFATA erschienen.

Musik:

CD* Celtic Spirit
T* The south Wind
S: Thomas Ruez/Gitarre, Gesang

CD* Celtic Spirit
T* O’Carolan’s Concerto
S: Thomas Ruez/Gitarre, Gesang

EARTH SONG (INSTR.)/
VIENNA SYMPHONIC ORCHESTRA PROJECT

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