Focus zum Thema „Herzens-Angelegenheiten“

In der Sendung Radio-Vorarlberg-Sendung „Focus“ spricht IfS-Sozialpädagogin Christine Greusing-Neyer über das Thema „Herzens-Angelegenheiten". Um das Thema „Feindseligkeit bekommt unserem Herzen nicht“ geht es im Vortrag des Bregenzer Psychotherapeuten Edwin Drexel.

Die Sendung zum Nachhören:

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Schönheit - ein lebendiger Ausdruck des Herzens

Wahre Schätze liegen laut Christine Greusing-Neyer in uns verborgen. Deren Schönheit trüge die Sehnsucht in sich, ans Tageslicht zu kommen, sich zeigen zu dürfen, wissend um die eigene Verletzlichkeit und um ihre unzerstörbare Lebenskraft. Der Herzensweg deute auf Kraft und Weisheit. Schönheit sei immer schon in uns und Schönheit trügen wir in unserem Herzen. Wenn wir geboren werden, so Greusing-Neyer, ruhen wir in uns. Wir seien ganz und hättenweder Gut noch Böse in uns und empfänden noch keine der beiden Richtungen.

Christine Greussing Neyer
IfS
Christine Greusing-Neyer

Herz und Schönheit

Die Seele, das Herz könne nur von außen beschmutzt werden. Wenn wir immer wieder in uns gehen, dann finden wir laut Greusing-Neyer wir die gesunden Anteile. Für den Verweis auf das beseelt-, selig-, herzig-, und herzlich-Sein, verweist Christine Greusing-Neyer auf das Märchen vom Schneewittchen.

Das Märchen vom „Schneewittchen“

„Es ist die Mitte, die wir suchen. Es war eine Königin, die wünscht sich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz." Weiß steht für das Wachsende, für das Leere, Rot für die Fülle, Schwarz steht für den Rahmen, den wir uns geben, den Beginn, den Verlauf, das Ende und für den Tod. Die Königin stirbt und der König heiratet nochmals; Sieben Jahre hört man nichts mehr von dem schönen Kind. Die Stiefmutter wird neidisch auf ihre Tochter. Sie schickt sie mit den Jägern in den Wald um sie umzubringen“, skizziert Greusing-Neyer das Märchen.

Sendungshinweis:

25.1.2014

Letztlich macht der Prinz bzw. der König sie zur Königin seines Herzens auf. Die Schönheit stehe für sich allein, aber sie sei immer in der Kraft der Weisheit. Übertragen auf uns heute bedeutee dies, dass Kinder ständig im Fokus der Eltern seien und sie nicht das bekämen, was sie bräuchten. Es gebe aber eine Mitte in uns, die nicht zerstörbar sei.

Die Vorträge wurden anlässlich der Anima 2013, dem Tag der Psychotherapie, im Kulturhaus Dornbirn aufgezeichnet.

Das Herz als die offene Blüte

Das Herz ist in allen Religionen wichtig, wie eine offene und präsente Blüte. Die Schönheit öffne das Herz und wenn das Herz offen ist, erstrahlt die Schönheit, so Greusing-NEyer. Die Mitte sei, sich spürbar zu machen, spürbar zu sein...

Edwin Drexel: Herz, Beziehung und Gefühl - zur Psychosomatik des Herzens

Das „Herz“ steht im Volksmund und in der Dichtung stellvertretend für Gefühle und Empfindungen - für Emotionen und Affekte, für moralische Urteilskraft, für die Qualität unserer Beziehung zu anderen Lebewesen.

Das emotionale Zentrum

Vieles von dem steht laut Psychotherapeut Edwin Drexel - vermutlich im Sinne eines unbewussten Analogieschlusses - als Metapher, beschreibt als solche jedoch keinen „wirklichen“ Zusammenhang zwischen den bezeichneten psychischen Qualitäten und unserem Herzen als Organ. So wisse man heute natürlich, dass der „Sitz der Gefühle“ im emotionalen Zentrum unseres Gehirns zu finden sei und nicht im Herzen.

Zusammenhang zwischen Herz und Beziehungsqualität

Umgekehrt verraten uns aber zahlreiche statistische Studien und naturwissenschaftliche Untersuchungen, dass es ihn in einer anderen Hinsicht aber doch gibt: einen solchen Zusammenhang zwischen unserem zentralen Organ und den entsprechenden Gefühlen oder Beziehungsqualitäten, im Sinne einer gegenseitigen Wechselwirkung von Herz und Gehirn.

Das Herz am rechten Fleck oder das Herz aus Stein –

Text von Edwin Drexel

„Warum trifft man 1300-mal in der Bibel auf den Begriff ‚Herz‘" obwohl es sich um kein medizinisches Buch handelt? Warum hat das Herz eine solche Bedeutung in der deutschen Romantik? Wir sprechen von Herzensangelegenheiten, wenn es sich um die Liebe und alle Dinge, die sich um deren Verlust, ranken. Egal ob Eros oder Caritas, der wohlwollenden Haltung unserem Nächsten gegenüber.

Edwin Drexel
Privat
Edwin Drexel

Wir haben ein Herz für Kinder oder ein Herz für Tiere und meinen damit, dass wir uns ihnen gegenüber fürsorglich, lebensbejahend, wohlwollend einfühlsam zeigen. Wer sein Herz am rechten Fleck hat, weiß und spürt, was andere brauchen. Jemand, der viel Verständnis für andere Menschen aufbringt, ist großherzig und umgekehrt gilt als engherzig, wer wenig Toleranz für die Gefühle oder Bedürfnisse anderer Menschen zeigt. Wer gar kein Mitgefühl zeigt, hat ein Herz aus Stein oder er ist herzlos.

Wer Menschen oder Anliegen mit gemischten Gefühlen begegnet, gilt als halbherzig, der Herzensbrecher bricht die Herzen der stolzesten Frauen, das Ergebnis ist kein gebrochenes Herz, sondern ein offenes, das den freien Fluss der Liebesgefühle symbolisiert. Wir Menschen hegen Leidenschaft für unsere Herzallerliebste, für die unser Herz entbrannt ist und unser Herz schlägt nur für sie, manchmal bis zum Hals, ein anderes Mal rutscht es eher in die Hosen. Manch einer hat es gar verloren: er an sie und sie an ihn - und es ist in dem Augenblick nicht dramatisch, weil sie ohnedies ein Herz und eine Seele sind. Die Folge kann Herzschmerz sein, oder herzzerreißendes Weinen und ein Herz, das sich vielleicht nie wieder öffnen will. Wir herzen ein Kind, wenn wir es liebevoll an die Brust nehmen und die Mutter trägt ein Kind unterm Herzen.“

Zur Person: Christine Greusing-Neyer

Sozialpädagogin, Psychotherapeutin, Gruppenanalyse, Bioenergetische Analyse, Supervisorin, Mediatorin, arbeitet seit 28 Jahren beim Institut für Sozialdienste.

Ing. Drexel Edwin

Psychotherapeutische, traumatherapeutische und supervisorische Arbeit mit Einzelpersonen, Paarberatung und Paartherapie, Gruppensupervisionen; in freier Praxis in Bregenz tätig.

Musik:

T* Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur K: Francois Adrien Boieldieu/1775 - 1834

G* 24 CAPRICEN FÜR VIOLINE op.1 - mit Klavierbegleitung von R. Schumann S: David Garrett/Violine S: Bruno Canino/Klavier

T* La capricieuse op.17 - für Violine und Klavier S: David Garrett/Violine S: Alexander Markovich/Klavier K: Sir Edward Elgar/1857-1934

T* Air / aus der Suite für Orchester Nr.3 D-Dur BWV 1068 S: David Garrett/Violine O: Bulgarian Symphony Orchestra SIF 309 K: Johann Sebastian Bach/1685 - 1750

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