Thomas Schäfer: „Die Familienaufstellung“

Heilpraktiker und Psychotherapeut Thomas Schäfer spricht in der Sendung „Focus“ bei ORF Radio Vorarlberg über das Thema „Familienaufstellung. Beziehungen sichtbar machen“ .

Die Sendung zum Nachhören:

Thomas Schäfer sieht die Familienaufstellung dadurch ermöglicht und begründet, "...dass jeder Mensch ein unbewusstes Bild seiner Familie in sich trägt und so lässt sich dieses Bild durch Aufstellung der Familienmitglieder (durch fremde Stellvertreter in einer Gruppe) erfahren.

Sendungshinweis:

„Focus“, 28.9.2013

„Über das Aufstellen können auch Eltern-Kind-Beziehungen, Adoption, sexueller Missbrauch, Partnerprobleme, Krankheit und Leid in einer neuen Weise erfahren werden“, ergänzt Thomas Schäfer. „Mit dem System der Familienaufstellungen lassen sich aber auch Organisationssysteme aufstellen, z.B. Firmen, Teams, Soziale Einrichtungen, berufliche Organisationen verschiedener Art“, so Schäfer weiter.

Die Basis für Familienaufstellungen

Thomas Schäfer schreibt auf seiner Homepage: "In Urliebe ist jeder Mensch auf tiefste Weise mit seinen Eltern und Geschwistern, aber auch mit allen anderen Mitgliedern seines Familiensystems verbunden. Die später geborenen Familienmitglieder sind immer durch eine „primäre Liebe" an die früher Geborenen gebunden. Dies gilt selbst dann, wenn diese anderen Familienmitglieder unbekannt oder tabuisiert sind, wie z.B. verheimlichte Halbgeschwister oder ein tot geborenes Geschwister. In unbewusster Loyalität mit der Herkunftsfamilie nehmen wir Schuld und Unschuld von früher Geborenen auf uns. So entsteht stellvertretendes seelisches Leid und Krankheit dadurch, dass man den tiefen unbewussten Wunsch in sich trägt, das Leid eines Früheren nachzuahmen. Die Lösung ist möglich durch die liebende Achtung jener Familienmitglieder, die ein schweres Schicksal hatten.“

Thomas Schäfer
Thomas Schäfer
Thomas Schäfer

Das Beziehungssystem erfahre durch die Gründung einer neuen Familie eine Erweiterung, wenn durch die Bindung an eine Frau oder einen Mann später ein weiteres, also zweites Familiensystem entsteht: die gegenwärtige Familie.

Die innere Haltung: der Seele gemäß

Der Heilpraktiker Thomas Schäfer meint, es habe ihn nachdenklich gemacht, dass ihm mehrere Klienten zum selben Zeitpunkt Briefe oder E-Mails geschickt haben, um ihm zu berichten, wie das Leben fünf oder sieben Jahre nach einer Aufstellung für sie weitergegangen sei.

Es sei ihm deutlich geworden, dass es beim Familien-Stellen „letztlich nicht um das geistige Verständnis gewisser Familienzusammenhänge geht“. Im Kern gehe es nicht um das »Aufarbeiten von familiären Verstrickungen«, wie es in der Szene immer wieder so schön heißt - letztlich geht es vor allem um eine innere Haltung, die der Seele gemäß ist.

Der Seele gemäß zum Guten wenden

„Manche Aufstellungen wenden innerhalb kürzester Zeit Dinge zum Guten", erläutert Schäfer, "...andere dagegen vermögen dies erst nach vielen Monaten oder sogar Jahren, weil das Unbewusste viel Zeit zum Verarbeiten der Aufstellung benötigt. Und zuweilen wird auch gar nichts zum Guten gewendet, weil der Klient sich innerlich (unbewusst) für ein weiteres Leiden entschieden hat.“

Die Aufstellungsgruppe macht demütig

Schäfer sieht in systemischen Aufstellungen eine Hilfe, „einen völlig neuen Blick auf das menschliche Leben und unser Eingebundensein in ein größeres Ganzes zu werfen. Wenn man sich diesem Erkenntnisprozess hingibt, wird man demütig - sehr sogar. Wer in eine Aufstellungsgruppe kommt, gerät oft schnell in Kontakt mit der Demut und ist häufig verblüfft darüber, wie bald man in Resonanz mit der Seele treten kann.“

Viele Menschen, die zum ersten Mal in eine meiner Gruppen kommen, sind erstaunt, wenn ich sage: "Der Sinn dieses Seminars ist nicht eure Aufstellung. Wenn ihr nur kommt, um etwas Familiäres möglichst rasch aufzulösen, seid ihr hier nicht richtig. Ganz Zentrales und Wesentliches geschieht laut Schäfer oft im Nebenbei und hilft euch psychisch weiter: Wenn ihr euch berühren lasst als Zuschauer, ändert sich zuweilen sehr viel zum Positiven, manchmal sogar so viel wie bei einer eigenen Aufstellung. Wichtig sind aber auch die Rollen, die ihr als Stellvertreter übernehmt. Wenn euch diese Rollen sehr berühren und beschäftigen, seid ihr möglicherweise auf einer Spur zu eurem Herkunftsfamiliensystem, in dem es Ähnlichkeiten mit der Aufstellung gibt.«

Die Kritik am Aufstellen

Thomas Schäfer berichtet davon, dass Menschen ihm gegenüber im Zusammenhang mit der Aufstellung von „Scheißdreck“ gesprochen hätten. Seine erste Frage laute dann immer, sofern die Kritiker mit Familienaufstellung Erfahrung gehabt hätten, bei wem sie dafür gewesen seien.

Wichtig sei ein kompetenter Aufsteller betont Thomas Schäfer: ein Arzt, Psychologe oder Heilpraktiker. Es sollte zudem jemand sein, der eine „grundständige Psychotherapie-Methode“ gelernt habe; Psychoanalyse, Gesprächs-Verhaltens-, oder Hypnotherapie nach Ericsson.

Man könne nicht davon ausgehen, dass der Klient/die Klientin, der/die in die Gruppe kommt, alles über sich sagt, was wichtig wäre über deren Depression oder andere psychische Problemstellungen - wie etwa Borderline. Der Therapeut - so Thomas Schäfer - muss es gelernt haben, aufgrund einer entsprechenden Ausbildung einen Blick dafür zu entwickeln. „Kurpfuscher“ schaden dem Verfahren, dem Ruf des Familienaufstellens sowie dem betroffenen Interessenten, der an einen solchen „Pseudo-Therapeuten“ gerate, ergänzt Schäfer.

Möglichst viel Information über Therapeuten

Schäfer rät dazu, sich über den Anbieter, die Anbieterin des Familienaufstellens zu informieren.( Internet etc.) Für dieses Verfahren der Familienaufstellung sei eine zwei- bis dreijährige Ausbildung notwendig. Für Auszubildende sei es auch notwendig, Supervision zu machen und die Ausbildner/-Innen- bzw.Therapeut-/Innen- zu wechseln. Auch wechselnde männliche und weibliche Ausbildner-/Innen seien zum Sammeln von Erfahrung sehr wichtig, sagt Schäfer.

Thomas Schäfer hat den Vortrag auf Einladung der Buchhandlung Klartext im Pfarrzentrum Höchst gehalten.

Zur Person: Thomas Schäfer

Thomas Schäfer(www.familienaufstellungenthoschaefer.de), Jg.1960., ist Heilpraktiker in eigener Praxis mit Schwerpunkt Psychotherapie.

Ausbildung in Hypnotherapie und NLP, mehrjährige Aus- und Fortbildung in Systemischer Psychotherapie ( Angelika Glöckner, Bert Hellinger u.a. ) Fortbildungen in Tiefenpsychologie nach C.G. Jung, Trauma - Arbeit.

Literatur

Zahlreiche Buchveröffentlichungen, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden

Thomas Schäfer. Wie die Seele uns durchs Leben führt. Die Essenz des Familien-Stellens MensSana Verlag.

Musik:

CD* SILK ROAD T* Waltz for Mama/instr.

CD* SILK ROAD T* How roses are (dedicated to Frank Marocco)/instr.

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