Claus Eurich: „Hat der Mensch Zukunft?“

In der Radio-Vorarlberg-Sendung „Focus“ spricht Prof. Dr. Claus Eurich aus Dortmund über das Thema: „Hat der Mensch Zukunft? - Schritte in ein neues Zeitalter“.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

„Focus“, 29.12.2012

Die Antwort auf die Frage, ob der Mensch Zukunft habe, lässt Claus Eurich offen, um letztlich ihm doch Zukunft zuzusprechen.

Die Antwort auf die Frage nach der Zukunft sei offen, so der Professor weil der Mensch vor einer von ihm bewohnten Erde stehe, wo er sich als zu gefräßig, zu wenig umsichtig, zu rücksichtslos benommen habe.
Natürlich seien auch Zweifel angebracht, ob der Mensch Zukunft habe.

Der Mensch zwischen Herkunft und Zukunft

Es lasse sich wenig über die Zukunft sagen, wenn wir uns keine Rechenschaft über die Vergangenheit geben, führt Professor Eurich hin zur Ausgagnsthese seines Vortrags.

Claus Eurich
privat
Claus Eurich.

„Was ist das Wesen unseres Ursprungs? Welche Schritte haben wir als Gattung gemacht, um zu dem Punkt zu kommen, an dem wir heute stehen?“, fragt Claus Eurich.

"Wir haben als Menschen verschiedene Zeitalter durchschritten. Das erste war das archaische, der Mensch ohne Ich-Bewusstsein, der Mensch eins mit der Natur; danach wurde der Mensch zum „tool-making-animal", das Tier, das beginnt sich Werkzeuge zu schaffen, um sich die Natur gefügig zu machen. Im magischen Zeitalter beginnt der Mensch sich zu erkennen; er erkennt sich als anders als anderes Leben. Die Natur ist mit Kraft ausgestattet wie er selbst: mit Magie“, umreißt der Kommunikationswissenschaftler Eurich die Herkunftsperspektive des Menschen.

Ersatzgötter: Fortschritt und Wachstum

Der Mensch macht die Erfahrung, dass er ohne Mythen nicht leben kann und so habe er sich Ersatzgötter geschaffen.

Wenn sich der Mensch absolut setze und sich gleichzeitig über alles erhebe und den Rest des Lebens als minderwertig ansehe, so sei das Ausdruck menschlichen Gebarens, als trete der Mensch an die Stelle Gottes.

Trägheit als große Gefahr für den Menschen

Die Trägheit ist die siebte der Todsünden und meine dieses sich Nicht-Aufbäumen, dieses einfach alles Hinnehmen, dieses sich Zurückziehen in eine mittelmäßige Behaglichkeit, egal was außerhalb passiere. Sie komme so harmlos daher, schildert Professor Eurich und überlagere alles. Es sei nicht die Faulheit damit gemeint, sondern sie könne sich als eine innere Haltung auch in Geschäftigkeit äußern: Sören Kierkegaard habe es genannt: „Verzweifelt nicht sich selbst werden“.

„Pfade in Utopia“

Der jüdische Relgionsphilosoph Martin Buber schreibt in seinem Buch " Pfade in Utopia":
„Es gibt für uns keine Rettung im Zurück, sondern immer nur im Hindurch. Hindurch werden wir aber nur kommen, wenn wir wissen, wohin wir wollen.“

„Neue Ethik“

Nach Ansicht von Prof. Eurich ist es wichtig, dass sich der Mensch in eine neue Ethik einlebe. Ausgangspunkt sei der kategorische Imperativ Immanuel Kants, der da lautet: “Handle so, dass alles, was du tust, zugleich ein allgemeines Gesetz sein könnte“.

Daran anschließend formuliert Eurich Kriterien, an denen sich die Zukunftsfähigkeit zeigen wird, etwa mit Wahrhaftigkeit, dem Ringen um Wahrheit,
um aus den Lügen herauskommen, aus den Illusionen und in eine authentische Existenz hineinwachsen zu können. Ein wichtige Markierung seien das Leben im Geist des nicht Verletzens, die Empathie, das
Lernen zu hören, das Widerspruchstoleranz (Ambiguitätstoleranz) sowie eine vergebende Haltung.

Diesen Vortrag haben wir in der Propstei St. Gerold aufgenommen.

Zur Person: Claus Eurich

Prof.Dr. Claus Eurich(www.interbeing.de/ubermich.html), Jg.1950 Studium der Kommunikationswissenschaft, Ethnologie, Politologie Promotion 1976 (Politische Meinungsführer), Habilitation 1979 (Kommunikative Partizipation); seit 1976 am Aufbau des Journalistikstudiengangs beteiligt;

Schwerpunkte in der Lehre und in der Forschung Ethik Kommunikationstheorien, Medientheorien Kulturtheorien, Gewaltlose Kommunikation/Friedensjournalismus

Literatur:

Die Kraft der Sehnsucht. Kontemplation und ökologisches Engagement. München 1996/1998

Mythos Multimedia. Über die Macht der neuen Technik.München 1998

Die heilende Kraft des Scheiterns. Ein Weg zu Wachstum, Aufbruch und Erneuerung. Petersberg 2006

Wege der Achtsamkeit. Über die Ethik der gewaltfreien Kommunikation. Petersberg 2008

Musik:

CD For a quiet evening

CD Kulturspielgel, World Tour, New York Moods

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