Bert Theodor te Wildt: „Liebe ’online"’

In der aktuellen „Focus“-Sendung von Radio Vorarlberg spricht Bert Theodor te Wildt über das Thema „Liebe ‚online‘“. Dabei erläutert er, welche neuen Möglichkeiten das Internet in punkto Liebe und Partnerschaft bietet.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

„Focus“, 19.7.2012

„Geht es um Liebe, dann denken wir am ehesten an die romantische Liebe, die auch die erotische Liebe mit einschließt. Wenngleich Sexualität gerade im Zusammenhang mit dem Internet immer wieder eine Rolle spielt, wird sie hier nicht im Vordergrund stehen, zumal dem Netz generell Unrecht getan wird, wenn man ihm unterstellt, in erster Linie sexuelle Darstellungen und Kontakte zu vermitteln. Die elektronischen Medien bieten wirklich viel mehr als das. Und im Grunde steckt das Internet - ebenso wie auch unser Umgang mit ihm - immer noch in den Kinderschuhen. Wir lassen uns fasziniert und geradezu hypnotisiert in seinen Bann ziehen, entweder vor Enthusiasmus zu unkritisch oder aus Angst überkritisch, viel zu selten aber differenziert“, umreißt Bert te Wildt seine Sichtweise auf das Thema Liebe und Partnerschaft im Internet.

Interaktitvität hat Beziehungen verwandelt

Im unendlich weiten Großmedium, dem Cyberspace, können nach Bert te Wildt Menschen vielfältigst miteinander in Kontakt treten. Andererseits lasse die Einführung der Beziehungsdimension ins Mediale durch die Kommunikationstechnologien Menschen quasi zumindest potentiell miteinander in Verbindung treten. „Damit ist eine neuartige und invielerlei Hinsicht umfassendere Beziehungsdimension in das Mediale eingeführt worden“, ergänzt Bert te Wildt.

Wie finden Menschen Liebe im Internet?

Das sind die zentralen Fragestellungen für Bert te Wildt: Wie leben Menschen ihre Liebe im Internet aus und wie gehen sie dort mit Ihrer Endlichkeit um? Wie finde ich auf elektronischem Wege einen Partner? Wie kann ich meine Partnerschaft im Internet pflegen, wie sie gefährden? Und wie kann ich schließlich im Cyberspace damit umgehen, wenn ich von dem
geliebten Menschen Abschied nehmen muss?

Online-Partnervermittlung

Online-Partnervermittlung (also im Cyberspace) könne mit der ewigen Suche nach endloser Liebe gleichgesetzt werden, so te Wildt. „Um es gleich auf den Punkt zu bringen: es gibt wenig begründete Zweifel daran, dass die elektronische Partnervermittlung funktioniert. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht mag sein, dass sie vielleicht etwas zu gut funktioniert“, legt te Wildt die Spur zur Online -Partnervermittlung im Netz.

Intelligente Programme

Das was jetzt im Internet geschehe, sagt te Wildt, das habe allerdings wenig mit der Art von Partnervermittlung zu tun, wie wir sie von den Druckmedien her kennen. Es gehe nicht einfach darum, in einem entsprechenden Forum eine Heiratsannonce aufzugeben und darauf zu hoffen, dass sich jemand meldet.
Nein, es gehe um mehr oder weniger intelligente Programme, mit Hilfe derer mit möglichst glücklicher und effizienter Hand eine ultimative Passung erfolge, so te Wildt.

Der Mitschnitt dieses Vortrags von Dr. Bert Theodor te Wildt bei den 61. Lindauer Psychotherapiewochen wurde uns freundlicherweise von Auditorium-Netzwerk- dem Verlag für audiovisuelle Medien- Mühlheim-Baden- zur Verfügung gestellt.

Zur Person

Doz.Dr.Bert Theodor te Wildt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Sozialpsychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Literatur:

Bert te Wildt
Medialisation: Von der Medienabhängigkeit des Menschen
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 1 (1. September 2012)

Bert te Wildt
Medialität und Verbundenheit
Verlag: Dustri (Dezember 2010)

Musik:

Celine Dion, All by myself
Caro Emerald, A night like this

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