„Spielen ist für das Kind ein Lebensmittel“

In der Sendung „Focus“ spricht Cornelia Wustmann vom Institut für Elementapädagogik in Graz über die Bedeutung des Spielens für Kinder. Die Talente und Bedürfnisse der Kinder aus neurobiologischer Sicht erläutert Klaus Vavrik (Österr. Liga für Kinder- und Jugendgesundheit).

Sendungshinweis:

„Focus“, 05.07.2012

Die Sendung zum Nachhören:

„Spielen ist für das Kind ein Lebensmittel“

Prof. Dr. Cornelia Wustmann schildert in ihrem Vortrag, dass die Lebensweichen früh gestellt werden. Die Erwachsenen stellen die Frage, ob sich das Kind gut und altersgemäß entwickelt; es taucht die Frage auf, ob die Kinder auf den Übergang in die Schule gut vorbereitet sind. Kurz vor diesem Übergang sei ein spürbarer Druck auf die BegleiterInnen und das Kind bemerkbar.

Die Übergangsforschung vom Kindergarten in die Schule habe gezeigt, so Professorin Wustmann, dass die Erwachsenen sehr darauf schauen, dass die Bildungslaufbahn des Sohnes oder der Tochter gelingt. In dieser Zeit des Übergangs werden die Lebensweichen gestellt.

Das andere Kind als „bestes Spielzeug“

Im Jahr 1851 formuliert der Pädagoge Adolph Diesterweg folgenden Satz: „Der Mensch entwickelt sich aus sich heraus nur durch Arbeit und Tätigkeit überhaupt. Dem Instinkt zum Tun in dem Kinde kommt der Reiz dazu von Seiten des Erziehers entgegen. Das Leben des Kindes ist Spiel. Die Entwicklung und Bildung des Kindes geschieht daher durch das Spiel. Es ist daher die Aufgabe des Kindererziehers für zweckmäßige, anziehende, der Natur der Kinder entsprechende entwickelnde und bildende Spiele zu sorgen. Das beste Spielzeug eines Kindes ist ein anderes Kind. Das Kind lebt im Kindergarten in Gemeinschaft, nur das Leben in der Gemeinschaft bildet für das gemeinsame Leben“.

Daraus erwuchs, so Prof. Wustmann, eine bis heute anhaltende Diskussion zwischen der Einrichtung des Kindergartens und dem freien Spiel der Kinder.

Über das Spiel kommt die Welt in den Kopf des Kindes

Kinder vereinbaren beim Spiel ein sogenanntes Spielkonstrukt: „Du bist der Arzt, die Verkäuferin etc“ - und sie legen das spielerische Verhalten fest. Das Spiel eröffnet eine Poesie der Möglichkeiten und kann vom Kind als gedankliches Konstrukt gegen die Wirklichkeit eingesetzt werden.
Kinder, die spielen durften, zeigen alle Vorzüge im emotionalen, sozialen und im kognitiven Bereich, bestätigt Prof.-in Cornelia Wustmann.

Talente und Bedürfnisse aus neurobiologischer Sicht

Prim Dr. Klaus Vavrik macht die menschliche Entwicklung deutlich: „Die kleinen Krokodile kommen auf die Welt und können schwimmen, beißen und fressen; sie werden etwa 120 Jahre alt und sie können noch immer schwimmen, beißen und fressen. Dieses Verhalten ist instinktgesteuert, es ist weitgehend angelegt. Das menschliche Baby dagegen ist völlig anders. Es komme mit dem geringst determinierten Gehirn aller Lebewesen auf die Welt, es ist scheinbar ohnmächtig ,schutzlos ausgeliefert und dieser evolutionäre Nachteil wandelt sich in einen riesigen Vorteil, der dazu führt, dass sich der Mensch die ganze Welt erobert hat, mit der Fähigkeit zu lernen und sich angepasst zu verhalten“.

So wie Vögel zum Fliegen, Fische zum Schwimmen geschaffen sind, so ist es der Mensch zum Lernen. Dieses System wirkt beim Menschen durch ein Bindungssystem, also durch Verbundenheit und Verbindlichkeit, so Vavrik.

Zur Person: Cornelia Wustmann

Cornelia Wustmann, Professorin, Doktorin,
leitet das Institut für Elementapädagogik an der Universität Graz. Wustmann war an den Universitäten Chemnitz und Dresden beschäftigt. Zuletzt hat sie die Professur für Sozialdidaktik an der Universität Lüneburg verwaltet. Außerdem war Wustmann freiberuflich im Bereich der Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik tätig.

Zur Person: Klaus Vavrik

Präsident Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit,Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde (Zusatzfach Neuropädiatrie) Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie
(Kinder- u. Jugend-) Psychotherapeut (ausgebildet in den Methoden: Individualpsychologische Psychoanalyse, Katathym-imaginative Psychotherapie, Traumatherapie); Ärztlicher Leiter des Ambulatoriums für Sozialpädiatrie und Entwicklungsneurologie der VKKJ Fernkorngasse

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