Nahtoderfahrung - die andere Wirklichkeit

Physio- und Familientherapeutin Sabine Mehne und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross (1926 – 2004) sprechen in der Radio-Vorarlberg-Sendung „Focus - Themen fürs Leben“ über Nahtoderfahrungen.

Die Sendung zum Nachhören:

Sabine Mehne erkrankte im Jahr 1995 an einem hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphom - eine Erkrankung, vergleichbar einer akuten Leukämie. Ein halbes Jahr war sie krank, die Ärzte waren ratlos.

Sendungsnachweis:

„Focus“, 12. April 2012

Mit einer Grippe habe alles angefangen. Sie habe das sichere Gefühl gehabt, dass das nicht gut ausgehe. Damals war sie 38 Jahre alt, sie hatte drei kleine Kinder und es sei eine ganz schwierige Zeit gewesen. „Ich bin über meinen Kopf aus dem Körper ausgetreten“. Sabine Mehne sagt, sie beschäftigte sich heimlich intensiv mit dem Tod und bereitete sich auf das Sterben vor.

„Alles war Licht und ich war mittendrin“

Sabine Mehne
origines.de
Sabine Mehne.

„Dann passierte es während einer Untersuchung: ganz plötzlich bin ich aus meinem Körper ausgetreten und befand mich über meinem Kopf. Ich hatte das Gefühl, mit einem unglaublichen Licht zu verschmelzen. Ich machte eine wahnsinnige Lichterfahrung und hatte das Gefühl, Teil des Lichts zu sein. Alles war Licht und ich war mittendrin. Ein unsagbar schönes Gefühl. Es gibt dafür eigentlich keine Worte. Man versucht nur, Beschreibungen zu finden,“ schildert sie das Nahtoderlebnis, das sie als das größte Geschenk ihres Lebens bezeichnet.

„Ich hatte kein Tunnelerlebnis“

Sabine Mehne verneint, ein von vielen Menschen mit Nahtoderfahrungen geschildertes Tunnelerlebnis gehabt zu haben. Sie sei in einem besonderen Licht gewesen: „In diesem Licht `eins zu sein` war für mich das hervorstechende Erlebnis. Es war eine grenzenlose Freiheit und Geborgenheit in diesem Licht zu erfahren. Kein Raum, kein Zeitgefühl. Kein Schmerzempfinden. Alles spielte keine Rolle mehr. Ich wurde rauskatapultiert aus meinem Körper und wurde vom Licht empfangen. Ich habe den Untersuchungsraum im Krankenhaus wahrgenommen und hatte gleichzeitig das Gefühl, du liegst da unten. Aber es hatte mich alles völlig kalt gelassen.“

„Es machte ‚Peng‘ und ich war in meinem Körper“

„Ich hatte meinen Körper zurückgelassen und mein Geist hatte sich von ihm getrennt, genauso plötzlich wie das Licht strahlte und ich aus meinem Körper rausgeschossen war, machte es ‚Peng‘ und ich war wieder im Körper. Ich weiß noch, wie schrecklich ich es empfunden habe, wieder im Körper zu sein. Es war so grausam“, schildert Mehne.

Mit der Rückkehr in den kranken Körper, sei die Krebsdiagnose gestellt worden und sie habe eine Chemotherapie bekommen und noch eine Knochenmarktransplantation überstanden, schildert Sabine Mehne „die Rückkehr“.

Angst davor, für verrückt gehalten zu werden

Diese Erfahrung habe ihr Leben stark verändert. Allerdings wusste sie damals gar nichts von Nahtoderfahrungen: Vier Jahre lang habe sie nicht gewusst, was sie erlebt habe.

Der Vortrag

von Sabine Mehne und Pim van Lommel wurde im Rahmen der Reihe „Wissen für`s Leben“ im Festsaal der Arbeiterkammer in Feldkirch aufgezeichnet.

Erst eine Fernsehsendung, in der ein Mann seine Nahtoderfahrung berichtete, habe ihr klar und bewusst gemacht, dass ihr eben eine solche widerfahren sei.

Es sei eine ganz furchtbare Zeit gewesen,sie habe mit keinem darüber geredet. „Ich traute mich nicht, weil ich befürchtete, die Leute würden mich für verrückt halten“, umschreibt Sabine Mehne ihr damaliges Empfinden.

Sabine Mehne arbeitet eng mit Dr. Pim van Lommel zusammen. Dessen wissenschaftliche Forschungen über Nahtoderfahrungen finden in Expertenkreisen höchste Anerkennung.

Elisabeth Kübler-Ross: Vorträge aus Focus-Archiv

Elisabeth Kübler-Ross war in den 1980er-Jahren mehrfach Referentin bei der Veranstaltungsreihe „Fragen unseres Daseins“ und damit Gast in der Focus-Sendung.

Elisabeth Kübler-Ross
Copy: Ken Ross
Elisabeth Kübler-Ross

Elisabeth Kübler-Ross gilt als „die Klassikerin“ zu Fragen des Abschieds, Todes, der Trauer, der Sterbebegleitung und Nahtoderfahrung. Ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ wurde bahnbrechend für diese Themen.

Die Auszüge aus Vorträgen von Elisabeth Kübler-Ross wurden einer Focus-Gedenksendung aus dem Jahr 2004 entnommen.

Am Spätwerk von Elisabeth Kübler-Ross wurde nach ihrem Ableben im Jahr 2004 vermehrt Kritik geübt, insbesondere dass sie zunehmend esoterischer und unwissenschaftlicher geworden sei. Für diese Focus-Sendung wurden Ausschnitte aus Vorträgen von Elisabeth Kübler-Ross, die sie im ORF-Landesstudio Vorarlberg und im Kulturhaus Dornbirn gehalten hat, aus dem Focus-Archiv ausgehoben.

Zur Person: Sabine Mehne

Darmstadt, Familientherapeutin, Mutter von drei Kindern. Sabine Mehne hatte im Jahr 1995 ein Nahtoderlebnis. Sie nennt es das größte Geschenk ihres Lebens und ist Mitbegründerin des Netzwerks-Nahtoderfahrung(www.netzwerk-nahtoderfahrung.org ).

Zur Person: Pim van Lommel

Pim van Lommel (geb.1943) war als Kardiologe in leitender Position im Rjinstate Krankenhaus in Arnheim tätig. Seit 1986 untersucht er Nahtoderfahrungen aus wissenschaftlicher Sicht und ist Mitbegründer der niederländischen Sektion der International Association for Near-Death Studies.

Elisabeth Kübler-Ross (8. 7 1926 - 24. 8 2004)

Elisabeth Kübler-Ross war eine schweizerisch -US-amerikanische Psychiaterin. Sie befasste sich mit dem Tod und dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit und gilt als Begründerin der Sterbeforschung

Literatur

  • Mehne, „Winterfell“, Roman erschienen im Wiesenburgverlag, spiegelt ihre Nahtod-Erfahrungen wieder.
  • Pim van Lommel.ENDLOSES BEWUSSTSEIN Neue medizinische Fakten zur Nahtod-Erfahrung, Patmos Verlag.
  • Günter Ewald.Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen - Gibt es eine unsterbliche Seele?, Verlag Butzon & Bercker

Elisabeth Kübler Ross schrieb mehr als 20 Bücher, die in rund 25 Sprachen übersetzt wurden:

  • Interviews mit Sterbenden. Droemer Knaur, München
  • Über den Tod und das Leben danach. 10. Auflage. Silberschnur Verlag,
  • Geborgen im Leben.Wege zu einem erfüllten Dasein.Knaur-Taschenbuch, München 2001
  • Reif werden zum Tode. Knaur-Taschenbuch, München 2004,
  • Befreiung aus der Angst. Droemer Knaur, München 2001
  • Die unsichtbaren Freunde. 6. Auflage. Oesch Verlag, Glattbrugg-Zürich
  • Kinder und Tod. Droemer Knaur, München 2003
    Leben bis wir Abschied nehmen. 4. Auflage. Gütersloher Verlag-Haus
  • Verstehen, was Sterbende sagen wollen. Droemer Knaur, Oktober 2004,
  • Erfülltes Leben, Würdiges Sterben. Gütersloher Verlagshaus,

Musik

CD Trygve Seim, Sangam, ECM
Accordion Tribe, Intuition

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