„Aufbruch - vom Mut, die Welt zu gestalten“

Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholt Radio Vorarlberg die Focus-Sendung mit Gerald Hüther und Lothar Böhnisch. Sie sprechen über den Mut, die Welt zu gestalten und die Chance, sich neu zu verorten.

Die Sendung zum Nachhören:

Gerald Hüther: „So zu werden, wie wir sein könnten“

Professor Gerald Hüther überschrieb seinen Vortrag mit " So zu werden wie wir sein könnten!..vom Mut, sich in die Welt zu bringen.

Gerald Hüther
ORFUniv. Klinik Göttingen

Für ihn bedeutet Ausbruch, bisherige Vorstellungen zu ändern und der Aufbruch beginne damit, "...dass wir uns verabschieden von dem, was wir bisher für so unendlich wichtig gehalten haben."

Wer bewertet wird, ist ein Objekt

Erwachsene meinten, ohne Druck sei keine Leistung möglich. Das sei eine „bescheuerte“ Vorstellung, so Hüther. Wettbewerb durch Noten und Bewertungen führe nicht zur Weiterentwicklung, sondern zur Spezialisierung. Kindern, die bewertet worden seien, fühlen sich nicht mehr zugehörig.

Die inneren Einstellungen ändern ==

Sendungshinweis:

„Focus“, 23.02.2012

Das, was wir messen können, ist meist irgendetwas, worauf es ankommt, macht Hüther bewusst. Wir müssten also nicht das Verhalten ändern, sondern die Haltungen und inneren Einstellungen. Wir bräuchten eine Kultur in der Menschen sich einladen, sich ermutigen und sich begeistern.

Wir können aus diesem Muster, wo wir alle glauben hin zu müssen, ausbrechen. Die neue Welt ist eine Welt, in der wir uns dadurch beschreiben, was wir zum Gelingen dieses großen Ganzen beitragen können.

Lothar Böhnisch: „Vom Mut, sich neu zu verorten“

Professor Böhnisch sieht Bildung als Orientierung im Leben und als Chance, sich neu zu verorten.

Lothar Böhnisch
Caritas

Es werde zu wenig über Ängste geredet, die da seien, sagt Böhnisch. Der Bildungswettbewerb setze sich im sozialen Bereich fort. Es seine eine Mithaltekultur entstanden. Probleme haben heiße in unserer Gesellschaft, nicht mehr mithalten zu können, nicht dabei sein zu können. Erst wenn wir verdeckten Ängsten Raum geben, sie zur Sprache bringen, können wir den Aufbruch wagen.

Die Ökonomie meine mit Konfliktfähigkeit die Flexibilität, so Professor Böhnisch. „Kunde ist ein ökonomischer Begriff und bedeutet Marktfähigkeit. Marktmodelle sind immer individualistische Modelle, man kann den Markt nicht vergemeinschaften“, sagt Böhnisch mit Blick auf verdeckte Ängste in der Gemeinde, die einen Identitätswandel durchgemacht haben, vom Gemeindebürger zum Kunden, dessen Anliegen man behandelt.

Caritasgespräche 2011

Professor Gerald Hüther und Professor Lothar Böhnisch haben die Vorträge bei den Caritasgesprächen 2011 im Bildungshaus St. Arbogast.

Zur Person: Professor Dr. Gerald Hüther

Gerald Hüther studierte und promovierte im Fach Biologie in Leipzig. Ende der 1970er Jahre floh er nach eigenen Angaben mit Hilfe selbst gefälschter Visastempel im Reisepass über mehrere osteuropäische Blockstaaten nach Jugoslawien und von dort in die Bundesrepublik Deutschland nach Göttingen.

Von 1979 bis 1989 Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin auf dem Gebiet der Hirnentwicklungsstörungen.

1988 habilitierte er sich im Fachbereich Medizin (Dr. med. habil.) an der Universität Göttingen und erhielt die Lehrerlaubnis für Neurobiologie.

Von 1990 bis 1995 war er Stipendiat und baute in diesem Rahmen die Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen auf, die er bis 2006 leitete.

Seitdem ist Prof. Hüther als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser Klinik tätig und leitet nach eigenen Angaben eine an diesem Hause etablierte Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung.

Zur Person: Professor Dr. Lothar Böhnisch

Lothar Böhnisch studierte von 1963 bis 1970 Geschichte, Soziologie und Ökonomie an den Universitäten Würzburg und München. Nach einer Gastprofessur an der Universität Zürich 1990 lehrte er ab 1991 an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der TU Dresden, wo er 1992 Gründungsprofessor für Sozialpädagogik und Sozialisation der Lebensalter wurde.

Seit 2008 hat er eine Professur an der Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Bozen-Brixen.

Musik:

CD Amadeus Brass Quintett
Von Bach bis Bernstein
Stork Records

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