Unterwegs auf den Spuren der Biber

Über 300 Jahre lang war er in Vorarlberg ausgestorben, nun sind seine Spuren wieder zu sichten: der Biber. Mittlerweile leben rund 20 Tiere an der Bregenzer Achmündung, am Bodenseeufer und in Meiningen. Auch in Gaißau haben sich die Nager niedergelassen.

Hunderte Jahre waren Biber in Vorarlberg nicht mehr zu sehen. Schuld daran waren die Menschen, die nach ihrem Fell, Fett und Fleisch trachteten. Begehrt war auch das Bibergeil, das als Universalheilmittel zum Einsatz kam.

Sendehinweis:

„Kultur nach 6“, 16.01.2012

So wie in Vorarlberg ging es den Bibern in ganz Europa. Aussiedlungsprojekte brachten die Biber schließlich wieder zurück - vor sechs Jahren wurden sie erstmals auch wieder in Vorarlberg gesichtet, erklärt Walter Niederer vom Naturschutzverein Rheindelta.

Doch während es sich bei den vermeintlich gesichteten Bibern in Wahrheit oft um Bisamratten oder Nutrias handelt, sind die Spuren, die der Biber hinterlässt, meist eindeutig eben dieser Tiergattung zuzuordnen.

Auch im Gaißauer Hafen hat sich eine Biberfamilie häuslich eingerichtet - und das in unmittelbarer Nähe zu den Anlegeplätzen der Fischer- und Ausflugsboote. ORF-Redakteur Martin Hartmann hat sich mit Walter Niederer auf die Spuren der Biber begeben.

Es muss nicht immer eine Burg sein

Wie die Erkundungen in Gaißau zeigen, bauen Biber nicht zwingend Burgen - sie sind auch mit selbst gegrabenen Höhlen sehr zufrieden.

„Das mit den Burgen und Ästen, das gibt’s bei uns nicht“, weiß Walter Niederer. Die wechselnden Wasserstandschwankungen am Bodensee seien für die klassische Biberburg, deren Eingang zum Bau immer unter dem Wasserspiegel liegt, nicht geeignet. Stattdessen errichten die Tiere in erhöhten Bodenstrukturen ihre Bauten.

Äste als Wintervorrat

Mitten im Hafengelände in Gaißau werden die Spuren der Biber in Form eines Gemischteppichs aus teilweise abgenagten Ästen sichtbar. Hierbei handelt es sich um den Wintervorrat der Tiere, erläutert Walter Niederer. Winterschlaf hält der Biber keinen, fährt aber seinen Stoffwechsel herunter, um weniger Energie zu verbrauchen. Trotzdem ist er im Winter aktiv - auch die Fortpflanzungszeit dauert von Jänner bis März.

„Der Biber ist ein phänomenales Wesen, das muss er auch sein, sonst könnte er nicht im Winter bei uns als Säugetier im See herumschwimmen“, macht Walter Niederer bewusst.

Biber verwenden Rutschen

Ein deutliches Anzeichen für Biber sind die sogenannten Biberrutschen, die in Verwendung kommen, weil Biber an Land relativ ungeschickt sind. „Da gibt’s Biberrutschen, die sind dann bis zu eineinhalb Meter in die Uferkante eingebohrt - das schaut aus, als wenn man das mit dem Bagger abgestochen hätte - und da schleift er seine Sachen raus“, erklärt Niederer.

Ein Landschaftsgestalter

Biber ernähren sich, so Niederer, besonders gerne von grünen Pflanzen - am liebsten haben sie die dünnen, spitzen Triebe. Außerdem fressen Biber Baumrinde. Dazu fällen sie Bäume, damit das Holz im Wasser aufgeweicht wird und dann besser verzehrt werden kann.

Der Biber erweist sich durch sein Verhalten als Landschaftsgestalter, von dessen Werk - solange es nicht an nicht erwünschten Orten erfolge - viele profitieren würden, macht Walter Niederer deutlich.

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