„Lebenshäuser und Seelenhäuser“

Diese Woche sprechen in „Focus“ Prof.Dr.Helga Kohler Spiegel und Univ.Prof.Mag. arch. Roland Gnaiger zum Thema „Lebenshäuser und Seelenhäuser“.

Die Sendung zum Nachhören:

Seelenhäuser – ein Haus haben für die Seele

" Seelenhaus – ein Haus haben für die Seele, einen Raum, ein Zuhause haben für die Seele – „Psyche“ ist der fachliche Ausdruck dafür, die komplexen Dimensionen unserer inneren Realität, unserer Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten, die im Eigenerleben sowohl Denken als auch emotionales Empfinden umfassen. Das Wort „psyché“ ist altgriechisch übersetzt
mit „Atem, Hauch, Lebenskraft, Leben“, umfassend verstanden für die ganze Person, ähnlich wie im Deutschen „Mein Seelchen“, „Du, meine Seele“, bis hin zur Bezeichnung des Kostbarsten, des Wertvollsten überhaupt. Ein Haus zu haben für das Wertvollste in uns – wunderbar", leitet Prof. Helga Kohler Spiegel ihren Vortrag ein.

Sendehinweis:

„Focus“, 22.12.2011

Das Haus ist da

Keiner von uns suche sich am Beginn seines Lebens aus, in welches Haus wir geboren werden, das Haus ist da, vielleicht eine Wohnung, großzügig oder mit kleinen Zimmern, düster oder hell…
„Am Beginn unseres Lebens werden wir in Lebens- und in Seelenhäuser hineingeboren, die wir uns nicht aussuchen. Für manche kann dieses Haus Schutz und Heimat bieten, andere aber finden sich in einem Haus wieder, in dem man sich aus Angst manchmal verkriechen muss, in dem Gewalt herrscht, nicht vorhersehbar, willkürlich, bedrohlich. Am Beginn unseres Lebens
brauchen Leib und Seele ein Zuhause. Und – vermutlich, hoffentlich – ist längst beim Zuhören Ihr eigenes Lebens- und Seelenhaus vor dem inneren Auge aufgetaucht…“ sagt
Prof. Kohler- Spiegel.

Lebenshäuser „Das Wohnen, die Außenhaut“

Die zwei Quellströme der Architektur greift Univ. Prof.Roland Gnaiger auf.
1. Die eine Quelle hat mit Schutz zu tun, in einer unwirtlichen Welt, in der es schneit und regnet und windet, sucht der Mensch nach Schutz und er sucht sich seine Behausung.
2. Roland Gnaiger zitiert den Philosophen Martin Heidegger: „Wohnen ist die Weise wie wir Menschlichen auf Erden sind.“ Es ist immer darum gegangen ein Denkmal zu setzen; das Denkmal als Orientierungspunkt. Wir erschließen uns die Welt durch Orientierung. Religiöse Symbole, Bildstöcke, kleine Kapellen auf einer Hügelkette sind im seelischen Sinne Orientierungspunkte und im wörtlichen, wo man einen Weg beschreiben kann.

Quellen der Raumgestaltung

„Eine wesentliche Ursprungs-Funktion der Architektur ist das Feuer zu schützen“, erläutert Roland Gnaiger den zivilisatorischen Aspekt des Bauens.
Raum ist immer etwas, bei dem sich das Innere vom Äußeren unterscheidet. Wir schaffen in ihm innerhalb unserer Welt eine Ausnahmesituation. Der Raum bietet z.Bsp.: Wärme, wenn es draußen kalt ist, er bietet Schutz, während es draußen windet, wenn es je nach Jahreszeit innen kühl und draußen warm ( und umgekehrt) ist…
Wir schaffen uns auf der physischen Basis eine eigene Welt.
„Die Zeiten des Wohlstands bringen es mit sich, dass wir den Raum nicht mehr beachten“, klagt der Architekt Roland Gnaiger. Die Gründe dafür sind nach Gnaiger , dass der Imagewert von Bauen und Architektur wichtiger wurde, ebenso wie die Kosten oder die Selbstdarstellung und es werde vergessen, auf die Membran - die Haut zwischen dem Innen und Außen zu achten.
Der Raum bietet psychischen Schutz:
Gnaiger zählt die Wechselfälle des Lebens auf: Geburt, Kranksein, die Hygiene, das Sterben, die Sexualität, die Ausscheidung. Zu den psychischen Phänomenen zählt er etwa auch den Streit, der nicht nach außen dringen soll. Es sind Dinge , die zu unserem Lebensraum und dessen Gestaltung gehören.
Es gibt das Bedürfnis, den Raum individuell auszugestalten: ob er üppig, beladen, hell oder düster sein soll.
Der Raum und seine Bedeutung für die zivilisatorische Entwicklung
Ablesbar sei diese Entwicklung daran, wie sehr uns die Raumkultur präge, meint Prof. Gnaiger . Wir verbringen täglich mehr Zeit in künstlich geschaffenen Räumen als in der freien Natur.

Die Vorträge wurden anlässlich der 30-Jahr-Jubiläumsfeier der Telefonseelsorge Vorarlberg im Bildungshaus St. Arbogast gehalten. Homepage Telefonseelsorge (www.142online.at)

Zur Person

Prof.Dr.Helga Kohler-Spiegel studierte römisch-katholische Theologie und Pädagogik an der Universität Salzburg . Von 1996 bis 1999 war sie Professorin für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern und Leiterin des Katechetischen Instituts Luzern. Seit 1999 ist Kohler-Spiegel Professorin für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg

Univ. Prof. Mag.arch. Roland Gnaiger wuchs in Bregenz und im Salzkammergut auf. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Roland Rainer und an der Technischen Universität Eindhoven . 1979 war er Mitbegründer der Vorarlberger Baukünstler und gründete sein eigenes Architekturbüro in
Doren, welches er Anfang der 1990er Jahre nach Bregenz verlegte. Heute zählt Gnaiger zu einem der vielseitigsten und anerkanntesten Architekten Österreichs.
Seit 1996 ist er Professor und Leiter des Ordinariats für Architektur an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz.

Musik

CD The very best of SATIE
CD Back Music

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