„Wenn die Seele Hilfe braucht...“

In der Reihe „Focus Da capo“ wird eine Sendung vom 11. Oktober 2011 wiederholt. Dabei geht es um das Thema "Wenn die Seele Hilfe braucht - bei Burn-Out, für Kinder aus Suchtfamilien und für Suchtkranke“.

Die Sendung zum Nachhören

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Sendungshinweis:

„Focus“, 31.8.2013, 13.00 bis 14.00 Uhr

Psychotherapeut Berndt Kühnel erkrankte 1980 erstmals an einer Erschöpfungsdepression, beginnend mit einer Panikattacke. „Es fühlte sich an wie ein Verrücktwerden und ich lernte mit Schlafstörungen, Selbstzweifeln und Depressionen umzugehen,“ beschreibt Berndt Kühnel den Beginn des Burn-out. Bei seiner späteren Berufstätigkeit hatte er immer wieder Angst vor einer Wiederholung der Erschöpfungszustände. Im Jahr 2008 - Berndt Kühnel hatte gerade die Ausbildung als Psychotherapeut abgeschlossen-, erkrankte er erneut an einem Burn-out; es sei wegen eines privaten Problems und der beruflichen Überforderung, die er sich zugemutet habe, wieder aufgetreten.

„Zum Glück hatte ich damals bereits Erfahrung und wusste was da auf mich zukommt“, umreißt Berndt Kühnel seine damalige Problemstellung.

Berndt Kühnel
www.praxis.berndt-kuehnel.at
Benrdt Kühnel

Berufliche Belastung als Ursache relativieren

Berufliche Belastung als Ursache für Burn-out müsse man relativieren, meint Berndt Kühnel; denn das Burn-out sei auch bei Familienarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege von Familienmitgliedern möglich.

Manche Menschen merkten Veränderungen eher körperlich, andere spürten das eher in den Gedanken. Körperlich könne es sich durch Herz-, Kreislauf-und Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit, Verspannungen und sexuelle Funktionsstörungen äußern. Auf der Gefühlsebene könne sich das Burn-out durch Unruhe, Nervosität, Verlust von Freude, Kreativität und Motivation sowie einer inneren Leere, und einem verminderten Selbstwertgefühl bemerkbar machen. Auf der geistigen Ebene: durch Konzentrations- und Entscheidungsschwäche, durch eine verminderte Belastbarkeit; im Verhalten könne es durch Überaktivität oder Verlangsamung und einen sozialen Rückzug zum Ausdruck kommen.

„Kinder aus Suchtfamilien“

Mag. Harald Anderle betreut Kinder aus Suchtfamilien und nennt sie die bislang oft „vergessenen Kinder“. Sie wachsen in einer Atmosphäre auf, wo es wenig Verlässlichkeit gibt, wo sie sehr viel Verantwortung selber übernehmen müssen und wo sie auf sich selber angewiesen sind.

Die Kinder aus Suchtfamilien gelten als " vergessene Kinder", weil die Sucht des Süchtigen in der Familie z.Bsp. bei der Beschaffung der Droge/n eine wichtige Rolle spielt. Es geht um substanzgebundene Süchte - wie Alkohol und Drogen. Bei diesen verhaltensändernden Drogen wird die Situation für Kinder viel schwieriger. Das Kind muss sich eher mit sich selber beschäftigen und schlüpft meist in eine Rolle, weil die Eltern nicht so viel Zeit und Energie für das Kind haben.

Harald Anderle
www.vlp.or.at
Harald Anderle

Kinder müssen oft sehr früh für sich und die eigenen Geschwister sorgen. Mag. Anderle berichtet von Kindern, die als 7-Jährige bereits allein einkaufen gehen, sich um die Geschwister kümmern und sich dabei eigentlich vollkommen unauffällig benommen haben. Bei genauerem Hinsehen seien diese Kindern oft sehr in Not, merkt Familientherapeut Harald Anderle an.

„Gut, dass Du bist !“: Existenzanalytische Psychotherapie

"Gut, dass du bist“ umgreift die existenzielle Tiefendimension der Bejahung eines Menschen. Diese Aussage ist stärker als „Schön, dass es Dich gibt“. Für den Psychotherapeuten Mag. Johannes Rauch liegt der zweiten Aussage ein Nutzwert zugrunde. Bejahung bekomme das Kind im Grunde durch die Eltern oder die Verwandtschaft; dieses JA spielt in jedem Leben eine zentrale Rolle. Wenn es allerdings fehle, sei die Psychotherapie gefordert, sagt Johannes Rauch.

Johannes Rauch
www.vlp.or.at
Johannes Rauch

Der Mensch habe beim Fehlen der Lebensbejahung ein enormes Strategiepotenzial, um es zu kompensieren. Es bleibe allerdings eine Grundangst, die darin bestehe, (k)-einen guten Grund zu haben, dieses Leben anzugehen! Es könne diese Angst aber so stark sein, dass sich der Mensch wie gelähmt fühlt.

Der Mensch hat in sich das Bedürfnis, auf seine Existenz eine Antwort zu geben. Damit meint Johannes Rauch die Sinnfrage, die wiederum von den Werten definiert ist, die ein Mensch kennengelernt hat und/oder entwickelt.

Der Mensch will sich in dieser Welt verwirklichen; er will Urheber und Baumeister seines Lebens sein. Er übernimmt dazu Verantwortung und gibt Antwort auf die Herausforderungen, die sich ihm stellen.

Zur Person:

Berndt Kühnel,Psychotherapeut, Supervisor und Coach in freier Praxis in Feldkirch.

Mag. Harald Anderle, Psychologe, Psychotherapeut, Vorarlberger Kinderdorf; betreut u.a. seit sieben Jahren Kinder aus Suchtfamilien.

Mag. Johannes Rauch, Psychotherapeut, Leiter der Therapiestation Carina - einer Einrichtung der Stiftung Maria Ebene - für Menschen mit Persönlichkeits-störungen und der Hauptdiagnose Sucht.

Musik:

Ursula Neuhauser Rendevous im Harfensalon Tyrolis music

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