Ausstellung widmet sich Baustoff Lehm

„Mit Erde gebaut“ - unter diesem Titel vereint das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) aktuell zwei Ausstellungen, die dem Baustoff Lehm gewidmet sind. Dabei wird deutlich, welche wichtigen Impulse aus Vorarlberg kommen.

Die Geschichte des Lehmbaus beginnt mit der Sesshaftwerdung des Menschen. Noch heute wohnt ein Drittel der Weltbevölkerung in Häusern aus Lehm. Dennoch führt der Lehmbau ein Dasein in der Nische. Um das zu ändern, gründete die französische Architektur-Kritikerin Dominique Gauzin-Müller 2015 den sogenannten Terra Award.

Mit diesem Preis sollten weltweit herausragende Lehmbauten ausgezeichnet werden. „Wir haben zu unserem großen Erstaunen nicht 20, auch nicht 50, auch nicht 100 Kandidaten gehabt, sondern insgesamt 357. Die Kandidaturen kamen aus der ganzen Welt“, sagt Gauzin-Müller.

Vier Finalisten aus Vorarlberg

Für Lehm gibt es keine Interessenverbände und keine Lobby, die informiert und forscht. Das hat nun sozusagen der Terra Award übernommen - seit drei Jahren tourt die Ausstellung durch die Kontinente, präsentiert die 40 Nominierten und zeigt, wie modern und vielseitig moderner Lehmbau ist: Von der riesigen Markthalle in Burkina Faso über eine Bibliothek in Sri Lanka bis zu Luxusvillen in Bogota.

Gleich vier Finalisten-Projekte stammen vom Vorarlberger Lehmbaupionier Martin Rauch aus Schlins. Ihm ist im vai eine Sonderschau gewidmet, in der die Produktion von Stampflehm-Fertigteilen veranschaulicht wird. „Wir haben eine Lehmbautradition in Europa“, sagt Rauch. Sie müsse nur wieder neu entdeckt werden. Rauchs Bauten - derzeit wird in Darmstadt Europas größtes Bürogebäude aus Lehm gebaut - beweisen weltweit, dass man Lehm als Baustoff vertrauen kann. Dieses Vertrauen weiter auszubauen, sieht Rauch als Aufgabe der kommenden Jahre.

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