Bitcoin: Politik will Digitalwährung regulieren

Finanzminister Hartwig Löger will EU-weite Regeln für den Handel mit der digitalen Währung Bitcoin. Der Dornbirner Wertpapierberater Arnold Tollinger spricht von der größten Investmentblase aller Zeiten. Bitcoin-Experte Philipp Büchel sieht dagegen Potential für ein neues Finanzsystem.

Die digitale Währung Bitcoin ist derzeit beliebte Spekulationsmasse und seit rund einem Jahr auch bei uns immer in den Schlagzeilen: Wilde Kursschwankungen, Betrügereien, aber auch hohe Investitionsgewinne haben nicht nur in der Finanzwelt zu heftigen Diskussionen geführt. Auch der Ruf nach staatlicher Regulierung wird immer lauter. Finanzminister Hartwig Löger hat angekündigt, dass die EU schon demnächst Regeln für den Bitcoin-Handel einführen wird.

Tollinger: Größte Investmentblase aller Zeiten

Für den Dornbirner Wertpapierberater Arnold Tollinger ist es wichtig, dass die Politik in diesem Bereich einschreitet. Der Bitcoin werde kaum als Währung genutzt, sondern sei in erster Linie ein Spekulationsobjekt, sagt Tollinger, der stellvertretender Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in Vorarlberg ist. Es handle sich sogar um die größte Investment-Blase aller Zeiten.

Der Bitcoin sei keine Basis für solides Wirtschaften. Solche Blasen hätten volkswirtschaftliche Bedeutung, so Tollinger: „Wenn solche Blasen platzen, mittlerweile haben wir von 600 Milliarden Dollar geredet - das sind schon Summen, die einen Einfluss haben.“

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Bitcoin: Gefahr oder Chance?

Ein „Vorarlberg heute“-Beitrag von Daniel Rein, Michael Gartner (Kamera) und Andreas Furxer (Schnitt).

Büchel: Gesamtentwicklung geht aufwärts

Und doch lässt sich mit der sogenannten Blockchain-Technologie viel Geld verdienen, argumentieren die Bitcoin-Verfechter wie Philipp Büchel vom Blockchain-Büro Liechtenstein. Blasen seien in einer Entwicklung normal, sagt Büchel: „Es wird immer ein bisschen überhitzt und überschätzt, bevor es dann wieder zurückgeht. Die Gesamtentwicklung geht aber eindeutig aufwärts.“

Bitcoins kaufen kann man mittlerweile an Automaten, bei Tankstellen und sogar bei der Post. Also ein Investment für Jedermann? Nein, sind sich beide Seiten ausnahmsweise einig. Befürworter und Gegner warnen gleichermaßen vor Investitionen in Bitcoins, wenn man sich darüber nicht ausreichend informiert hat.

Experten: Summe darf nicht existenzgefährdend sein

Wer in diese Spekulation investieren wolle, dem müsse bewusst sein, dass er letztendlich mit einem Code aus Zahlen und Buchstaben dastehen könne und vielleicht alles verloren habe, sagt der Dornbirner Finanzberater Tollinger. Er empfehle Kunden, „nur so viel Geld zu investieren, dass die Summe nicht schmerzt, wenn sie weg ist“, sagt Tollinger.

Ähnlich wie Philipp Büchel, der zwei Regeln hat, die man seiner Meinung nach befolgen sollte: Zum einen sollte man nie in etwas investieren, wenn man sich nicht auskennt. Zum anderen sollte man nicht mehr Geld investieren als man verlieren kann. „Man sollte von einem Totalverlust ausgehen können, ohne dass man ein existentielles Risiko eingeht“, so Büchel.

Entwicklung wird unterschiedlich eingeschätzt

Was die weitere Entwicklung der sogenannten Kryptowährungen betrifft, geht die Einschätzung dann aber weit auseinander. Tollinger: „Ich könnte mir vorstellen, dass Kryptowährungen, die ihre Kinderkrankheiten beseitigt haben, durchaus für ein paar Idealisten bleiben werden oder auch um Schattenwirtschaften aufrecht zu erhalten. Aber das wars dann auch.“

Im Gegensatz dazu sehen die Bitcoin-Verfechter ein Riesenpotential in der Kryptowährung, erklärt Philipp Büchel vom Blockchain-Büro Liechtenstein: „Es ist im Moment hauptsächlich Spekulationsobjekt, hätte aber das Potenzial zu einer Währung und zu einem Finanzsystem, das in einer friedlichen Koexistenz mit dem jetzigen Finanzsystem leben kann.“ Man müsse nicht einmal warten. Schon jetzt habe man die technologische Möglichkeit, um sein eigenes Geld zu besitzen und mit dem eigenen Geld Handel zu betreiben, so Büchel.

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