Schatzsucher als Problem für Archäologen

Sondengeher suchen mit ihren Geräten nach metallischen Gegenständen im Boden. Besonders wenn sie an geschichtlich interessanten Orten auf Schatzsuche gehen, werden sie zum Problem für die wissenschaftliche Arbeit der Archäologen.

Im Waldboden beim größten Brandopferplatz der Region, dem Scheibenstuhl oberhalb von Nenzing, befinden sich teilweise in Abständen von einem Meter faustgroße Löcher im Boden. Sondengeher - Archäologen nennen sie auch „Raubgräber“ - haben dort metallische Gegenstände ausgegraben.

Für den Landesarchäologen Gerhard Grabher sind diese Stellen archäologisch zerstört, „weil im Unterschied zur klassischen Archäologie - also zu uns Archäologen - holt der Sondengeher den Gegenstand einfach aus der Erde heraus, ohne sein Umfeld zu beachten“.

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Sie bezeichnen sich als „Heimatforscher“. Für Archäologen sind sie aber „Raubgräber“: Personen, die mit Geräten nach metallischen Gegenständen im Boden suchen.

Internethandel mit gefundenen Münzen

Vorwiegend finden die Sondengeher Münzen. Sie werden im Internet zu einem Stückpreis zwischen 20 und 100 Euro verkauft. Tausende davon liegen in den Depots der Museen. Unbezahlbaren Wert hat eine Münze aber für Archäologen in Verbindung mit dem Fundort, sagt Grabher. So deute eine Münze, die in einer Mauer gefunden werde, darauf hin, dass die Mauer nicht vor der Entstehungszeit der Münze gebaut worden sein kann.

Sondengeher
ORF
Sondengeher bezeichnen sich selbst als „Heimatforscher“, für Archäologen sind sie jedoch „Raubgräber“

Die geschichtsträchtigen Plätze im Land werden immer öfter auch von ausländischen Sondengehern heimgesucht. In Liechtenstein und der Schweiz wird rigoros gegen Sondengeher vorgegangen. In Österreich und Bayern gibt es gesetzlich wenig Handhabe gegen Raubgräberei.

Schärfere Gesetze gefordert

Besitzstörungsklagen seien oft das einzige Druckmittel, sagte der Gemeindearchivar von Nenzing, Thomas Gamon. Er schätzt die Zahl der Sondengeher im Land auf 50 Personen. „Wenn man die kennen würde, würden die nicht so hemmungslos in unseren Böden graben dürfen“, sagte Gamon.

Ohne schärfere gesetzliche Bestimmungen wird das Problem Raubgräberei laut Experten immer größer. Denn die Sonden werden billiger und empfindlicher. Am 7. März findet in Nenzing eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema statt. Dort wollen Archäologen vielleicht mit dem einen oder anderen Sondengeher in Kontakt kommen, um das Problem Raubgräberei zu erörtern.

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